Samstag , 24 Juni 2017
Glencore & Co: Wie weit trägt die Zink-Rally?

Glencore & Co: Wie weit trägt die Zink-Rally?

Industriemetalle sind keine besonders anziehenden Produkte. Ihnen fehlt eigentlich jeglicher Sex-Appeal, es gibt normalerweise genug davon. 2016 aber kam bei vielen Metallpreisen die Wende. So legte Kupfer binnen einen Jahres um knapp 25% zu. Der Star unter den Industriemetallen ist jedoch Zink. Das vor allem beim Korrosionsschutz eingesetzte Metall begann Anfang 2016 eine fulminante Rally, die die Notiz um etwa 75% verteuerte. Das Investor Magazin-Team hatte in seinem Wikifolio (siehe hier) frühzeitig mittels eines ETC auf diese Entwicklung gesetzt und liegt in Euro gerechnet mit 72% vorn. An unserer Position halten wir weiter fest.

Die Rache der Nullerjahre

Denn der Zink-Boom ist noch lange nicht ans Ende gelangt. Um das zu verstehen, müssen wir rund zehn Jahre zurückgehen. So lange dauert es etwa, bis eine Zinkmine von der Entdeckung bis zum Abbau braucht. Im Rohstoffboom der Nullerjahre lief das rot schimmernde Metall unter dem Radar vieler Firmen. Die Explorer und Majors konzentrierten sich auf Gold-, Kupfer oder Platinvorkommen. In Zink wurde wenig investiert. Hinzu kam die Finanzkrise, die viele Investitionen abrupt stoppte. Das ist nun ein Jahrzehnt her. Und was damals nicht in die Exploration investiert wurde, kann folgerichtig heute kein Zink fördern.

Minen werden geschlossen

Das ist das stärkste Argument für weiter steigende Zinkpreise. Aktuell steht die Notiz nur noch 9% unter dem Neunjahreshoch. Die Schweizer Investmentbank UBS sieht daher die Minenbetreiber als die Gewinner dieser Entwicklung. Doch auch sie haben ihre Probleme. Etliche Minen – von Polen bis Peru – stehen vor der Schließung. Bis 2020 könnten zwischen 8% und 12% des weltweiten Angebots verschwinden. Die Bergwerke sind schlichtweg leer. Die Century Mine von MMG in Australien wurde 2016 dichtgemacht. Hinzu kommen Kostenprobleme: so war der Rohstoffriese Glencore eigentlich eines der wenigen Unternehmen, dass die Zinkknappheit vorausgesehen hatte. Weltweit kauften die Eidgenossen Zinkminen und Schmelzen hinzu und erweiterten ihr Portfolio auch durch Übernahmen wie die von X-Strata. Doch auch das hilft nicht immer. Im vergangenen jahr musste auch Glencore in einige Minen die Produktion reduzieren.

Angebotsdefizit hält an

Dabei gibt es jetzt schon ein Angebotsdefizit auf dem Markt. 2016 wuchs die Nachfrage von verarbeitetem Zink um 3,6% auf 13,95 Mio. Tonnen. Das Angebot an verarbeitetem Zink legte dagegen nur um 0,1% auf 13,66 Mio. Tonnen zu, wie die Zahlen der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG), dem globalen Zusammenschluss der Zinkindustrie, zeigen. Die Lager Zink - Anteil an globaler Minenproduktionsind zudem leer. So gingen die globalen Bestände in den vergangenen fünf Jahren von 2,2 Mio. Tonnen auf nur noch 1,4 Mio. Tonnen zurück. An der London Metall Exchange (LME), der größten Metallbörse der Welt, betrugen sie Mitte Februar etwa 200.000 Tonnen. Das entspricht dem Verbrauch einer Woche. Dort wie in Shanghai, China ist der größte Produzent (42%) und Verbraucher (48%) von Zink, lösen Nachrichten zu sinkenden Lagern immer wieder Preisschübe aus. Nach China als größten Förderer folgen Peru (10%) sowie Australien mit 7% (siehe Graphik links). Aufgrund dieser Situation haben sich schon viele Investoren auf weiter steigende Preise eingestellt. „Alle Investoren, die sich in Industriemetallen engagieren, wetten auf weiter steigende Preise“, ließ sich jüngst ein Hedgefonds-Vertreter in der Handelszeitung zitieren. Wenn aber alle auf steigende Preise wetten, dann muss das Ende der Fahnenstange erreicht sein, wird sich mancher Anleger jetzt denken. Doch das ist bei Rohstoffen nun einmal nicht der Fall. Denn im Gegensatz zu Aktien wird Zink konsumiert. Jede neue Wohnung in China, Indien oder Frankfurt am Main wird mit allerlei Elektrogeräten und weißer Ware ausgestattet. Zink sorgt dann hier sowie bei vielen Industrieprodukten für den Korrosionsschutz – ohne geht es nicht!

USA als entscheidender Faktor 2017?

2017 könnte die Nachfrage weiter anziehen, wenn die Weltkonjunktur – wie von vielen Instituten prophezeit - wieder etwas mehr an Fahrt gewinnt. Dabei könnten die USA das Zünglein an der Waage spielen. Denn dort war die Nachfrage 2016 stabil. Marktbeobachter führen das darauf zurück, dass aufgrund der anziehenden Preise vermehrt auf Lagerbestände zugegriffen wurde. Nun könnten diese Käufer zurück an den Weltmarkt kehren. Für den sieht die ILZSG auch 2017 rot: das Angebotsdefizit soll bei 248.000 Tonnen liegen. Der Marktkonsens rechnet gar mit einem Minus von 392.000 Tonnen. Kurzfristig mag der Zinkpreis heißgelaufen sein, seit Jahresbeginn ging es schon wieder um rund 10,3% aufwärts. Mittel- bis langfristig dürfte sich die angespannte Angebotslage aber in steigenden Preisen bemerkbar machen. Rückschläge beim Preis werden daher schon jetzt zum Aufbau von Positionen genutzt.

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Bildquelle: T. Dede / TK News Services UG

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