Montag , 26 Juni 2017
Aktie der Woche: Bilfinger – Die Aktie für Risikosucher

Aktie der Woche: Bilfinger – Die Aktie für Risikosucher

Als Per Utnegaard zum Vorstandschef von Bilfinger berufen wurde, hatte ihn kaum einer auf der Rechnung. Der Sparfuchs aus Oslo war seit 2007 bei Swissport am Ruder und hatte sich still und leise den Ruf eines hartnäckigen und zurückhaltenden Sanierers erworben, der in einer kostenbewussten Branche die richtigen Entscheidungen treffen kann. So einen Mann hat Bilfinger nach sechs Gewinnwarnungen binnen 18 Monaten bitter nötig. Und der Skandinavier legt gleich ordentlich los.

Abspaltung als Befreiungsschlag?

Kaum drei Wochen im Amt verkündete der Mannheimer Konzern Mitte Juni die Abspaltung der früheren Ertragsperle „Power“. Der strukturierte Verkaufsprozess werde gestartet, hieß es, binnen 12 Monaten soll die Transaktion abgeschlossen und ein passender Käufer gefunden werden. Ein Grund sind die „erheblichen“ Verluste in diesem Segment, die sich in den vergangenen Wochen ausgeweitet haben sollen. Auf EBITA-Ebene wird ein Minus von bis zu 100 Mio. Euro aus diesem Geschäft erwartet, ließ das Unternehmen wissen. „Wir wollen Bilfinger fit für die Zukunft machen“, lässt sich Utnegaard in der entsprechenden Pressemitteilung recht spröde zitieren. Die roten Zahlen sind sicher ein Grund für die Abspaltung. Auf der anderen Seite aber verschafft sich der neue CEO damit Luft. Es kommt Geld herein und die Konzernkomplexität nimmt deutlich ab. Utnegaard scheint sich das Aldi-Motto „einfach managen“ zu Herzen genommen zu haben.

Konzentration auf Immobilien– und Industriekunden

Damit könnte der Norweger samt seines neuen Finanzvorstands Axel Salzmann (kam von Pro7Sat.1 Media) richtig liegen. 11.000 Mitarbeiter und rund 1,45 Mrd. Euro Umsatz werden so von Bord gehen. Nach starken Wachstumsjahren und dem Missmanagement unter der Fehlbesetzung Roland Koch muss sich Bilfinger wieder klar fokussieren. Künftig will man ganz auf das Industrie– und Immobiliengeschäft setzen.

Vertrauen muss her

Großaktionär Cevian (Anteil 26%) dürfte mit dem neuen Duo und den Abspaltungsplänen für etwas Vertrauen ins Unternehmen gesorgt haben. Dennoch muss Utnegaard hier noch eine Menge Scherben aufsammeln. Die Bilfinger-Aktie hat schließlich binnen 15 Monaten etwa zwei Drittel ihres Werts verloren. Die wohl einmalige Aneinanderreihung von einem halben Dutzend Gewinnwarnungen sprach auch nicht dafür, dass die ehemalige Führung (und der Großaktionär) alles im Griff haben. Auf der anderen Seite hat das Papier so stark an Wert verloren, dass die meisten Risiken nun eingepreist sein sollten. Das erklärt sicher auch, warum die Aktie zu Wochenanfang relative Stärke bewies und weniger verlor als der Gesamtmarkt. Wer hier aussteigen wollte, hat es wohl „völlig entnervt“ bereits getan. Ein Risiko gibt es freilich noch. Am 12. August werden Utnegaard und Salzmann erstmals die Halbjahreszahlen präsentieren. Hier könnten weitere negative Nachrichten kommen, müssen aber nicht.

Bewertung wieder attraktiv

Auf der Bewertungsseite spricht ebenfalls vieles dafür, dass das Schlimmste vorüber ist. So bringt Bilfinger aktuell gerade noch 1,8 Mrd. Euro auf die Börsenwaage. Also etwa ein Viertel des Umsatzes (ohne Power). Beim Gewinn sehen einige Analysten bereits  im kommenden Jahr das Ende der Durststrecke. So prognostiziert Equinet ein Netto-Plus von 179 Mio. Euro. Dies entspricht einem günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10. Daneben bietet das Unternehmen auch noch ein wenig strategische Fantasie. Sollte der Kurs nicht in Bewegung kommen, wäre es für Cevian sicher eine Option, Bilfinger komplett zu kaufen. Selbst eine Übernahme mit einem weiteren Investor scheint durchaus möglich.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 128

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Bild: Bilfinger

Nach oben scrollen