Montag , 26 Juni 2017
Interview mit Olivier Tielens: Gold & Silber „Immer dasselbe“

Interview mit Olivier Tielens: Gold & Silber „Immer dasselbe“

Olivier Tielens ist Unternehmer und aktiver Investor in der Junior Mining- und Explorationsbranche. Wir treffen den Belgier regelmäßig auf Fachkonferenzen und freuen uns, dass er sich die Zeit nimmt, mit uns die Lage an den Junior-Rohstoffmärkten zu diskutieren. 

OlivierTielens-2Investor Magazin (IM): Olivier, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, die Lage an den Märkten aus Ihrer Sichtweise zu diskutieren. Lassen Sie uns direkt in die Thematik eintauchen. Warum ist der Junior-Rohstoffmarkt nach wie vor in Schwierigkeiten und warum haben wir noch keine Erholung gesehen?

Olivier Tielens (OT): Die Edelmetallpreise bewegen sich seit über zwei Jahren seitwärts, es besteht derzeit kein Interesse an dem Sektor. Wie wir wissen, ist es immer eine Frage der Stimmung. Die Hauptmärkte zeigen immer noch keine Anzeichen einer ernsthaften Korrektur. Bis dahin werden wir wohl noch warten müssen.

IM: Über die vergangenen eineinhalb Jahre schwankte der Goldpreis zwischen 1.150 und 1.350 US-Dollar je Unze. Insgesamt hat sich Gold kaum bewegt. Was hält das Edelmetall zurück?

OT: Man könnte viel über die soliden Fundamentaldaten erzählen. Und trotz des starken physischen Marktes für Gold, gibt es derzeit keinen wahren Treiber, der dafür sorgt, dass neues Geld in den Markt fließt. Warum sollte der Preis sich dann groß bewegen? Einen Auslöser wird es sicherlich geben. Doch wir werden erst rückblickend wissen, was der genaue Auslöser war. Ich glaube nicht, dass heute bereits jemand weiß, wie dieser aussehen könnte. Es gibt so viele mögliche Gründe für einen erneuten Bullenmarkt, doch auch ich weiß nicht, welcher am Ende der entscheidende sein wird. Sicher ist allerdings, dass die Märkte drehen werden und dass wir uns derzeit im längsten Bärenmarkt in den letzten 40 Jahren befinden.

IM: Erst in diesem Frühling hat die EZB ihr eigenes QE-Programm gestartet. Der Goldpreis zeigte sich davon unbeeindruckt. Sollte die Angst vor Inflation den Preis nicht nach oben treiben?

OT: Das glaube ich nicht. Als die USA damit begannen, Geld zu drucken, ging es bei Gold bergab. Grund hierfür war die anhaltende Deflation und Verlangsamung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

IM: Wann rechnen Sie mit einer Umkehr des Momentums? Dow Jones, S&P 500 und DAX können nicht mit gleichbleibender Geschwindigkeit weiter steigen. In den USA gibt es bereits erste Anzeichen, dass die Wirtschaft nicht so stark ist, wie man sich das wünscht. Was muss passieren, damit die Blase platzt?

OT: Ja, die Hauptmärkte sind teuer und die USA zeigen mehr und mehr Anzeichen einer Verlangsamung und könnten zum Jahresende hin in eine Rezession abrutschen.

IM: Wie positionieren Sie sich in diesem Fall?

OT: Für alle Investitionen im Edelmetallbereich gilt, und das ist meine Meinung, dass man sich in qualitativ hochwertigen Explorations- und Entwicklungsgesellschaften positionieren sollte. Dies gilt vor allem, wenn diese entweder über Kapital oder über Zugang zu Kapital verfügen. Ich mag eine Vielzahl der mittelgroßen Produzenten nicht, denn wenn die Edelmetallpreise nochmals korrigieren sollten, werden einige große Probleme bekommen, da die Bilanzen bereits jetzt schon geschwächt sind.

IM: Was muss passieren, dass das Interesse in den Rohstoffbereich zurückgekehrt? Nicht nur die Juniorgesellschaften müssen derzeit leiden. Einige der Fonds mit denen wir gesprochen haben, haben ihre Positionen im Gold- und Silbersektor in den letzten 18 bis 24 Monaten komplett aufgelöst und schauen derzeit auch nicht zurück.

OT: Dies ist alles Teil der Bodenbildungsphase. Es kommt aber auch neues Geld in den Markt. Neue Akzeptbanken und Private Equity Gesellschaften investieren in Projekte, bringen diese aber noch nicht an die Märkte. Ich habe vor Kurzem von einem Aufsichtsratsmitglied eines großen Bergbauunternehmens erfahren, dass das Unternehmen einen neuen Aktionär identifizieren konnte, der mittlerweile einer der 20 größten Anteilseigner ist. Es handele sich hierbei um einen Pensionsfond, der bisher noch nie in diesen Bereich investiert war. Sie sagten, dass die Hauptmärkte mittlerweile zu teuer wären und dass der Edelmetallmarkt einen großen Gegenwert in Bezug auf die niedrigen Aktienkurse bietet.

IM: Wie allokieren Sie Ihr Kapital?

OT: Es ist derzeit schwer einen anderen Sektor außerhalb der Rohstoffbranche zu finden, den man als günstig bezeichnen könnte. Wie ich bereits erwähnt habe, mögen wir Projekte mit signifikanten Entdeckungen. Wir versuchen uns über Privatplatzierungen entsprechend zu positionieren und achten darauf, dass das Geld in einer Weise ausgegeben wird, die einen Mehrwert für die Aktionäre verspricht. Wir kaufen auch in Schwächephasen über die Märkte hinzu oder bauen neue Positionen bei Titeln auf, bei denen wir davon ausgehen, dass diese bald vom Markt entdeckt werden könnten.

IM: Halten Sie neben Gold und Silber irgendeinen anderen Rohstoff derzeit für interessant?

OT: Ich halte die Edelmetalle für die Treiber des Marktes. Alle anderen Metalle und Rohstoffe werden der Preisentwicklung von Gold folgen. Es gibt vereinzelte Bullenmärkte, doch ich glaube, dass in der kommenden Marktphase Rohstoffaktien steigen werden, wenn der Goldpreis steigt.

IM:  Lassen Sie uns zurück auf den Junior-Explorationsmarkt kommen. Trotz der aktuellen Verfassung des Marktes, ist es dennoch möglich Profit zu machen. Erzählen Sie uns von Ihren jüngsten Erfolgen.

OT: Wir sind zufrieden mit unserer Position in Defiance Silver. Die Aktie fiel im Tief bis auf 0,03 CAD und handelt nun bei 0,11 CAD. Vor kurzem vorgelegte Bohrergebnisse von ihrem Silberprojekt in Mexiko ließen den Titel sogar bis auf 0,18 CAD steigen. Außerdem sind wir Aktionär bei Lion One Metals. Basierend auf guten Fortschritten bei der Entwicklung einer kleinen Goldproduktionsanlage auf Fiji, konnte das Papier jüngst zu legen. Die Produktion könnte dort Anfang nächsten Jahres aufgenommen werden.

IM: Wenn Sie sich mit den Unternehmen beschäftigen, welche sind für Sie die wichtigsten Punkte, die erfüllt sein müssen, bevor Sie über ein Engagement nachdenken?

OT: Natürlich das Management. Weitere Punkte auf der Checkliste sind unter anderem der jeweilige Rohstoff, die Mineralgehalte, Entwicklungsstadium, Region, Marktkapitalisierung und über alle dem steht der Plan der Gesellschaft. Oft haben Unternehmen keinen Plan und lassen sich diesen vom Markt diktieren. Was ich im aktuellen Markt merkwürdig finde, jeder ist auf der Suche nach Produktionsgeschichten. Selbst Unternehmen, die nur eine niedrige Produktionsmenge anstreben, die wie wir wissen, besonders risikobehaftet ist, wenn das Unternehmen nicht über die notwendigen Reserven verfügt, erfahren Aufmerksamkeit. Hintergedanke bei den Unternehmen ist, dass man durch die Umsätze die laufenden Explorationskosten bezahlen möchte, ohne Geld an den Märkten aufnehmen zu müssen. Doch ich glaube, dass einige dieser Firmen von wenig Relevanz sein werden, wenn die Märkte wieder anziehen.

IM: Können Sie uns einige Ihrer Favoriten nennen und erklären, warum gerade diese Unternehmen einen Blick wert sind?

OT: Im Explorationsbereich mögen wir Defiance Silver mit einem guten Projekt in Mexiko. Dieses könnte sich in eine große Lagerstätte mit guten Erzgehalten und ausreichend breiten Erzadern entwickeln.

Auch mögen wir Minaurum Gold. Das Unternehmen betreibt vier Projekte in Mexiko mit dem Potential auf hohe Erzgehalte und/oder hohe Margen. Danach sucht der Markt derzeit, doch die Projekte befinden sich noch in einem frühen Stadium. Es besteht noch ein beachtliches Risiko, doch eine nennenswerte Entdeckung könnte dies ändern.

Strategic Metals verfügt über die notwendige Erfahrung, Barreserven und eine Projektpipeline an Explorationsprojekten für den Zeitpunkt, wenn der Markt zurückkommt.

Außerdem haben wir vor kurzem an zwei Privatplatzierungen von Unternehmen teilgenommen, dir wir mögen. Focus Ventures betreibt ein großes Phosphatprojekt in Peru und Midland Exploration ist ein Projektgenerator in Quebec, der jetzt über ausreichend Barreserven verfügt und die nächste Virginia Mines werden könnte.

IM: Letzte Frage: Wo werden Gold und Silber das Jahr beenden?

OT: Ich bin noch immer geteilter Meinung. Womöglich werden wir ein letztes Mal unter die Marke von 1.000 US-Dollar je Unze bei Gold rutschen. Dies sollte aber vor dem Herbst passieren, ansonsten werden wir uns bis nächstes Jahr weiter in derselben Preisspanne wie bisher bewegen. Ohne Zweifel wird sich die Stimmung bei den Rohstoffwerten dann ändern.

Ich habe jüngst eine Präsentation einer IT-Servicefirma besucht, die mit einem Wachstum von 7% in den nächsten Jahren rechnet. Das Unternehmen ist an der Börse notiert und wird mit dem 33-fachen EBITDA gehandelt. Ich habe gesehen, wie Fondmanager ernsthaft überlegten, diese Aktie zu kaufen und habe ihnen erzählt, dass manche Produzenten im Edelmetallsektor nur mit dem 5-fachen EBITDA bewertet werden und über ein besseres Wachstumsprofil verfügen, mögliche höhere Edelmetallpreise noch nicht eingerechnet. Die Herren haben getan, als würde sie das nicht interessieren. Es ist immer dasselbe. Es kommt auf die Stimmung an den Märkten an.

Vielen Dank.

Das Gespräch führte Chefredakteur Kai Hoffmann.

Über Olivier Tielens

Geboren 1961 in Belgien
MBA und Master in Finance
Arbeitete im Handel in Hong Kong
Ehemaliger Unternehmer und Eigentümer einer Süßwarenfabrik in Belgien
Investiert seit über 10 Jahren in Rohstoffaktien

Bild: Heraeus
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