Sonntag , 22 Oktober 2017
Interview: Joe Foster: „ Ich würde Goldaktien kaufen …“

Interview: Joe Foster: „ Ich würde Goldaktien kaufen …“

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Investor Magazin (IM): Mitte April sahen wir einen massiven Ausverkauf bei Gold und Silber, bei dem der Goldpreis bis zu 8% an einem einzigen Tag gefallen ist.  Viele Beobachter glauben, dass der Markt manipuliert wurde. Welche Gründe sehen Sie für den Absturz?

Joe Foster (JF): Der Goldmarkt erlitt einen erstaunlichen Einbruch beim Goldpreis. Vom 12. April an fiel die Notierung innerhalb von zwei Tagen um über 213,50 Dollar oder 13,7%. Wir glauben, dass eine Vielzahl an Faktoren diesen Ausverkauf verursacht hat. Gold befand sich in einer längeren Konsolidierung und hat dann auch nicht mehr auf die gewohnten Treiber reagiert. Die wirtschaftliche Normalisierung und die Erwartung, dass die Federal Reserve (die „Fed“) von der Quantitativen Lockerung abrücken könnte, waren die bestimmenden Themen im Markt. Im Februar und März veröffentlichten mehrere große Investmentbanken vielbeachtete Berichte, die das Ende des Goldbullenmarktes herbeisahen. Eine breit angelegte Schwäche in den Metallmärkten begann im Februar. Anhaltende Mittelabflüsse bei Gold Bullion Exchange Traded Products (Gold ETPs) begannen ebenfalls im Februar. Bis April hatte sich zudem eine Rekordzahl an Short-Position an der COMEX angesammelt. Am 4. April bewegte sich Gold auf das Ende eines „Keil“-ähnlichen technischen Preisgefüges zu, in dem der Kurs auf bis 15 USD an die wichtige Unterstützungsmarke bei 1525 USD je Unze gefallen war. Am 10. April suggerierten Schlagzeilen, dass Zyperns Zentralbank 13 Tonnen Gold verkaufen könnte, um seine Schulden zurückzuzahlen. Ebenfalls am 10. April empfahl Goldman Sachs seinen Investoren, Long-Position zu schließen und auf einen fallenden Goldpreis zu setzen. Am 12. April fiel Gold dann durch die langfristige technische Unterstützungsmarke. Stopp-Loss Verkäufe, Momentum Trading und Mittelabflüsse bei ETPs sowie Margin Calls lösten vermutlich diese Verkaufslawine, die bis 16. April anhielt, aus.

Rückblickend war die Ausgangslage für den Ausverkauf offensichtlich und wir glauben, dass dieser technisch bedingt war. Wir vermuten, dass es drei Gründe für die COMEX Shortpositionen gibt: 1) Hedging auf Grund des Verkaufes von physischem Gold aus den Gold ETPs, 2) Spekulanten, 3) Investmentbanken, die im Eigeninteresse oder dem ihrer Kunden gehandelt haben. Wir waren nichtsdestotrotz von der Schwere des Ausverkaufs verblüfft und glauben, dass Gold in einen perfekten Sturm geraten ist, der jetzt allerdings vorüber ist.

IM: Der plötzliche Einbruch hat einen massiven Ansturm auf physisches Gold und Bullion ausgelöst. Von überall auf der Welt berichteten Edelmetallhändler und Juweliere von einer großen Nachfrage und waren zum Teil ausverkauft. Das galt insbesondere für den asiatischen Markt, aber auch in Deutschland. Dennoch hat der Goldpreis bisher nur die Hälfte seiner Verluste wieder wettgemacht. Was hält den Goldpreis zurück?

JF: Der Goldpreis ist weiterhin den Mittelabflüssen bei Gold ETPs unterworfen. Jedoch hat Gold bereits über 100 US-Dollar seit dem Tief bei 1.322 US-Dollar je Unze zulegen können und die physische Nachfrage ist unglaublich. Der Kollaps des Goldpreises hat zu einem großen Vertrauensverlust geführt, hat aber auch gleichzeitig vielen Investoren in Münzen, Barren oder Schmuck die Chance gegeben, von dieser seltenen Möglichkeit zu profitieren.

IM: Der SPDR Gold Trust, der weltweit größte und meistgehandelte Exchange Traded Fund (ETF), musste in diesem Jahr bereits Mittelabflüsse in Höhe von 15 Mrd. US-Dollar oder 28% seines Gesamtvolumens hinnehmen. Warum steigen die Investoren aus diesen Fonds aus und wohin fließen diese Mittel?

JF: Die Märkte sind selbstgefällig geworden. Es herrscht der allgemeine Glaube, dass die US-Wirtschaft sich normalisiert und dass das Schlimmste in Europa hinter uns liegt. Quantitative Lockerung ist zu einem akzeptierten geldwirtschaftlichen Mittel in den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften geworden. Aktien und Risikopapiere markieren neue Hochs, sobald selbstgefällige Investoren ihre Profite aus Gold abziehen. Ich stimme dieser Strategie nicht zu, aber: Dass ist das, was aktuell aus unserer Sicht passiert.

IM: Ihre Fonds sind stark auf einen Bullenmarkt im Rohstoffsektor ausgerichtet. Jedoch liegt die Performance dieses speziellen Marktes noch weit hinter den großen Indizes wie DOW JONES oder DAX zurück. Die Trendwende lässt weiter auf sich warten. Für wann erwarten Sie eine Veränderung auf dem Markt?

JF: Ich würde eher sagen, unsere Fonds sind klug auf einen Bullenmarkt ausgerichtet. Wir investieren einen Teil unseres Portfolios in spekulativere Junior-Aktien, aber berücksichtigen das Risiko und limitieren unsere Exposure. Wir betreiben auch einen sehr großen Aufwand in Punkto Research, um sicherzustellen, dass wir die besten Goldprojekte kaufen, die wir finden können.

Es findet momentan ein großer Wandel in der Goldindustrie statt, von dem wir ausgehen, dass die Goldaktien die Märkte wieder outperformen werden. Bei vielen Firmen sind komplett neue Managementteams darauf fokussiert, Profite einzufahren und die Erwartungen der Anteilseigner einzuhalten. Wir glauben, dass die letzten Managementteams gescheitert sind, weil sie sich zu sehr auf Wachstum um jeden Preis konzentriert haben. Wir erwarten erste Hinweise auf die versprochenen Verbesserungen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2013 sehen zu können.

IM: Wir würden Sie heute 10.000 US-Dollar im Bergbausektor investieren?

JF: Ich glaube, dass Gold eine neue Basis zwischen 1.400 und 1.500 US-Dollar finden wird. Ich würde Goldaktien am unteren Ende dieser Spanne über die nächsten Monate kaufen. Eine genaue Auswahl der einzelnen Aktien ist wichtig in diesem Sektor. Zudem ist eine ausführliche Due Diligence notwendig, um Risiken abzuschwächen.

IM: Wo sehen Sie den Gold- und Silberpreis am Ende des Jahres?

JF: Sobald die Märkte den Schock des Ausverkaufs im April verdaut haben, glaube ich, dass Gold wieder eine positive Richtung einschlagen sollte. Es bestehen weiterhin viele Risiken im Finanzsystem, die den Goldpreis höher treiben sollten. Letztendlich glaube ich daran, dass sich ein inflationär Kreislauf entwickeln könnte. Ich wäre nicht überrascht, wenn der Goldpreis am Ende des Jahres auf das Level von 1.800 US-Dollar tendieren sollte. Sollte dies passieren, dürfte Silber möglicherweise nachziehen.

Vielen Dank.

Das Interview wurde auf Englisch geführt.

Bild: Heraeus; van Eck
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