Montag , 16 Juli 2018
Aktie der Woche: Aldridge Minerals – Die türkische Wundertüte

Aktie der Woche: Aldridge Minerals – Die türkische Wundertüte

Unsere Überschrift klingt fast spöttisch. Doch unser heutiger Wert, die kanadische Aldridge Minerals, muss ein kleines Wunder vollbringen, um wie geplant 2018 in Produktion gehen zu können. Der Grund ist schnell erklärt: Der Bau der Mine in der Türkei kostet aktuellen Zahlen zu Folge rund 230 Mio. US-Dollar. Die Marktbewertung der Kanadier liegt bei geringen 21 Mio. CAD, also rund 17,4 Mio. US-Dollar. Es bedarf also tatsächlich eines Wunders oder wie es in der Miningbranche auch heißt, einiges an Kreativität, um das Projekt zu realisieren. Drei Gründe sprechen für einen Erfolg: das Land, das Projekt und die bereits involvierten Aktionäre und Finanzierungspartner.

Goldproduktion: Türkei auf Platz 1 in Europa

Die Türkei hat sich in den letzten 15 Jahren zum größten Goldproduzenten in Europa gemausert. Heute werden in dem Land zehn Goldminen betrieben (2000: null). Dies reduziert deutlich das politische Risiko. So dauert es zum Beispiel durchschnittlich in den USA alleine 7-10 Jahre um den Genehmigungsprozess zu durchlaufen. Die Türkei plant weiterhin den Beitrag der Bergbauindustrie zum BIP von aktuell rund 12 Mrd. US-Dollar auf 15 Mrd. US-Dollar im Jahr 2023 zu steigern. Das Volumen ausländischer Direktinvestitionen in den Sektor steigt seit Jahren, während der Trend insgesamt abflacht.

Polymetallisches Projekt verteilt das Risiko

Aldridge besitzt mit dem Yenipazar-Projekt eine polymetallische Lagerstätte auf der nicht nur Gold (Umsatzbeitrag 40%) und Silber (16%) vorkommen, sondern auch Kupfer (16%), Blei (13%) und Zink (16%). Um das Projekt mit anderen vergleichen zu können, rechnet man alle Metallgehalte in einen „Goldäquivalenten Wert“ um. Hier kommt das Übertageprojekt auf sehr gute 2,42 g/t. Da nicht nur Gold oder Silber vorhanden sind, werden die Produktionskosten je Tonne ausgewiesen. Diese sollen bei 29,65 US-Dollar liegen, während der Umsatz je Tonne bei 83,24 US-Dollar liegen könnte. Diese Marge sorgt dafür, dass das Projekt auf dem Papier sehr gut aussieht. So liegt der IRR bei rund 31,2% und der Net Present Value bei stolzen 307 Mio. US-Dollar nach Steuern. Die Baukosten könnten demnach bereits nach rund 2,4 Jahren wieder reingeholt werden.

Lizenzen wurden in Rekordzeit erteilt

Ein weiterer Grund, warum wir dem Projekt gute Chancen einräumen realisiert zu werden, ist, dass bereits die wichtigsten Genehmigungen vorliegen. Die Umweltlizenz wurde nach nur sieben Monaten erteilt. Da auf dem Projekt keine Flüsse verlaufen, kein Tourismus stattfindet oder Menschen leben und/oder umgesiedelt werden müssen, war der Prozess überschaubar kurz. Hilfreich war und ist sicher auch weiterhin, dass CEO Han Ilhan und sein Team das Projekt nicht aus einem schicken Büro in Vancouver oder Toronto managen, sondern vor Ort präsent sind.

Starke Finanzierungspartner

Im September 2014 wurde bereits ein kleineres Wunder vollbracht. Aldridge sichert sich einen Teil der notwendigen Baukosten im Rahmen einer Privatplatzierung in Höhe von 10 Mio. US-Dollar. Bemerkenswert ist, dass die neuen Aktien zu einem Kurs von umgerechnet 0,49 CAD ausgegeben wurden. Damals schon entsprach dies einem Aufschlag (!) von 69% (heute: 145%) zur Börsennotiz. Gleichzeitig erhielt Aldridge einen Kredit in Höhe von 35 Mio. US-Dollar von Orion Mine Finance, einem New Yorker Private-Equity Fund (siehe auch Red Eagle Mining). Vorstandschef Ilhan zeigte sich während des European Gold Forums in Zürich vor wenigen Wochen mehr als zuversichtlich, die Projektfinanzierung in voller Höhe stemmen zu können. So habe er bereits sechs Angebote von internationalen Großbanken vorliegen, die Interesse haben, das Projekt zu finanzieren. Ebenso sollen Angebote von Streamingfirmen vorliegen. Auch Orion habe gesagt, notfalls das Projekt alleine zu finanzieren. Eigentlich wollte Aldridge (0,20 CAD; CA0144301029) bereits im Mai eine Entscheidung fällen, doch jüngst erhielt man ein Joint-Venture Angebot, dass man im Interesse der Aktionäre prüfe. Wir sehen derzeit ein Hauptproblem: eine mögliche Verwässerung. Die Equitykomponente steht jedoch erst Anfang 2016, bei bis dahin hoffentlich höheren Kursen, an.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 120

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Bild: Aldridge Minerals
Nach oben scrollen