Dienstag , 20 November 2018
Editorial vom 07.05.2014

Editorial vom 07.05.2014

Liebe Leser!

General Electric, Siemens, Bayer, Novartis, Pfizer, Google, Facebook – das sind nur einige Unternehmen, die in den vergangenen Tagen und Wochen mit Übernahmen und/oder Zusammenschlüssen für Schlagzeilen sorgten oder sorgen wollen. Offenbar sind wir nun in die letzte Phase des seit 2009 anhaltenden Börsenaufschwungs eingetreten. In dieser steht dann nicht mehr das organische Wachstum und die Arbeit an den Kosten im Vordergrund, sondern die Expansion mittels Zukäufen. Diese Phase könnte sich allerdings eine ganze Weile hinziehen, denn dieses Mal gibt es besondere Faktoren zu berücksichtigen. Die weltweit agierenden Konzerne („Global Players“) sitzen auf liquiden Mitteln nie gekannten Ausmaßes. Die niedrigsten Schätzungen gehen von 2 Bio. US-Dollar allein für die TOP-500 Unternehmen aus. Zum anderen wird die Niedrigzinsphase wohl noch eine Weile anhalten. Nur das erklärt, warum beispielsweise Bayer das 21fache des EBITDA für eine Sparte von Merck & Co. bezahlt (siehe Seite 3). Solche Mondpreise sind eigentlich unanständig und in normalen Börsenzeiten gegenüber Aktionären nicht durchsetzbar. Doch wir leben nicht in „normalen“ Zeiten. Dazu trägt auch das amerikanische Steuerrecht bei. Denn viele US-Konzerne bunkern ihre im Ausland erzielten Gewinne in Steueroasen in der Karibik, in Irland oder in Singapur. Holt man dieses Kapital in die Heimat zurück, muss es nachversteuert werden. Die Überlegung der Konzernmanager ist daher ganz simpel: warum Steuern zahlen, wenn man für dieses Geld auch im Ausland expandieren kann?

Europas Konzerne im Fokus

Nicht zuletzt dürfte Europa das Ziel vieler US-Übernahmen werden. Hier liegt so mancher Konzern, insbesondere in Südeuropa, bewertungstechnisch immer noch am Boden. Doch auch so manches deutsche Unternehmen dürfte dem einen oder anderen US-Rivalen günstig vorkommen. Nichtsdestotrotz muss Europa auch aufpassen. Die Amerikaner haben im Industriebereich technologisch eine Menge Nachholbedarf und könnten sich Know-how schnappen, was man auf unserem Kontinent gerne in nationalen Händen behalten würde. Alstom ist das beste Beispiel dafür. Ob das nun klug ist, oder nicht, sei dahingestellt. Fest steht, dass die Amis mit Rückenwind kommen. Und klar ist ebenfalls, dass auch selbstbewusste Konzerne aus Asien vor der Tür stehen. Dort arbeitet man daran, sich an der Wertschöpfungskette hochzuarbeiten. Da kommt das derzeit verkrustet und reformunfähig wirkende Europa mit seinen vielen, weltweit bekannten Unternehmen und Marken genau richtig.

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Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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