Sonntag , 22 April 2018
Aktie der Woche: Tom Tailor – Hoffen auf Weihnachten (Wunschanalyse)

Aktie der Woche: Tom Tailor – Hoffen auf Weihnachten (Wunschanalyse)

Wunschanalyse der Mitglieder des Aktien-Club Facebook

Mit dem Begriff „Promotion“ kann man Mode-Manager jagen. Sie meiden es wie der Teufel das Weihwasser. Doch wer in diesem Sommer durch die deutschen Innenstädte schlenderte, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die ohnehin üppigen Rabattaktionen schienen einen neuen Höhepunkt gefunden zu haben. Doch „billig, billig, billig“ schadet insbesondere jenen, die an der Börse hohe Gewinnmargen in Aussicht gestellt haben. Die Aktionäre von Gerry Weber hatten das bereits im Juni zu spüren bekommen, als der Konzern einen Gewinnwarnung herausgab. Binnen Minuten stürzte das MDAX-Papier um rund ein Drittel ab

Margenverfall nicht zu stoppen

Nicht ganz so schlimm hat es Tom Tailor erwischt. Die Holding, die vor allem international als Großhändler aktiv ist, bestätigte Mitte September zwar die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr (Anstieg auf 945 bis 955 Mio. Euro). Doch bei der Gewinnmarge muss auch das Unternehmen mit Sitz in Hamburg Abstriche machen. Das EBITDA soll am Jahresende bei 75 bis 80 Mio. Euro liegen. Die bereinigte EBITDA-Marge werde unter dem ursprünglich angestrebten Wert aus dem Vorjahr, 9,4%, landen.

Aktie auf Mehrjahrestief

Da ließen sich die Anleger nicht zweimal Bitten. Die Tom Tailor-Aktie schmierte in der Folge kräftig ab und notierte mit zeitweise unter 5 Euro auf einem neuen Mehrjahrestief. Inzwischen hat sich das Papier bis auf 6 Euro erholt und in diesem Bereich einen Boden ausgebildet. Seit Jahresanfang steht dennoch ein dickes Minus von fast 50% zu Buche.

Quartalszahlen im Blick

Die Neunmonatszahlen von Tom Tailor zeigen, wo derzeit das Problem dieser Branche liegt. Im Retail-Bereich (Marken: Tom Tailor, Bonita) konnte der Filialist zwar noch ein kleines Umsatzplus von 0,7% erwirtschaften, allerdings nur flächenbereinigt. Man expandiert also, kann aber nicht proportional mitwachsen. Immerhin gibt der September Hoffnung: nach 8 schwachen Monaten gab es hier ein Einnahmenplus von 15,8%. Zudem läuft es im E-Commerce ganz ordentlich. Hier stiegen die Erlöse im dritten Quartal um fast ein Drittel.

Onliner greifen an

Das Grundproblem von Modekonzernen wie Tom Tailor ist die starke Konkurrenz aus dem Netz und der stetige Preisverfall bei Textilien. Für Letzteren sorgen neben defizitären Anbietern wie Zalando auch hochprofitable Konkurrenten aus dem Ausland wie Inditex oder H&M. Als mittelgroßer Anbieter kann Tom Tailor mit deren Größenvorteilen nicht mithalten, muss auf der anderen Seite aber selbst stetig in sein Online-Geschäft investieren, um nicht abgehängt zu werden. Diesen Spagat müssen derzeit viele deutsche Mode-Manager vollführen.

Aktie auf den ersten Blick billig

Momentan bringt die Tom Tailor-Aktie rund 160 Mio. Euro Börsenwert auf die Waage. Der Analystenkonsens erwartet für dieses Jahr einen Gewinn je Aktie von 0,45 Euro. 2016 soll dann ein Sprung auf 0,76 Euro je Anteilschein drin sein. Das macht Hoffnung. Die Aktie kommt damit auf ein 2016er KGV von lediglich 8,1. Da der Modemarkt aber derzeit stark in Bewegung ist, sind diese Prognosen mit Vorsicht zu genießen.

Nur für Mutige!

Für ein Investment spricht aber derzeit noch einiges mehr. Vorstandschef Dieter Holzer hatte angedeutet, dass sich die robuste Erholung aus dem September auch im Q4 bislang fortsetze, wenn auch nicht auf diesem hohen Niveau. Zudem zeigt sich der deutsche Verbraucher derzeit einkaufsfreudig. Das könnte bei entsprechenden Meldungen in der Vorweihnachtszeit wieder Käufer für die Aktie generieren.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 144

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Bild: Tom Tailor
Nach oben scrollen