Sonntag , 22 Oktober 2017
Nach VW-Skandal: Wann hört die Sippenhaft auf? (Daimler, Continental & ElringKlinger)

Nach VW-Skandal: Wann hört die Sippenhaft auf? (Daimler, Continental & ElringKlinger)

Der Börsianer an sich ist ein Herdentier. Meldet ein Chiphersteller schlechte Quartalszahlen, werden auch die Konkurrenten abverkauft. Der Glaube, ein Unternehmen könne den Markt outperformen, existiert beim durchschnittlichen Profi-Anleger nicht. So ist es auch im Zusammenhang mit dem Abgasskandal bei Volkswagen. Das die Aktien anderer Autohersteller und vieler Zulieferer mit in die Tiefe gezogen wurden, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Denn: wer wusste denn vor zwei Wochen, ob nicht die Konkurrenz ebenso manipuliert hat? Inzwischen aber lichtet sich das Bild. So haben einige Hersteller mehrfach betont, dass sie keinerlei Manipulationssoftware im Einsatz hatten oder haben. Es wird somit Zeit, die in Sippenhaft genommenen Werte einmal näher zu betrachten.

Daimler: China-Absatzzahlen machen den Weg frei

Daimler erscheint uns von den deutschen Autobauern derzeit am interessantesten. Zum einen hinterließen die Stuttgarter bei uns auf der IAA den besten Eindruck. Der Stern wartet mit einer jungen Modellpalette auf, die unseres Erachtens gerade für die Schwellenländermärkte und die USA ideal ist. Der Benz glänzt wieder, keine Frage, und das Ziel, bis zum Jahr 2020 wieder der führende Premiumhersteller der Welt zu werden, ist durchaus erreichbar. Dazu kommt jede Menge Entlastung aus China. Dort konnte der Konzern im September 38.663 Fahrzeuge absetzen, ein Zuwachs von 53% gegenüber dem Vorjahr. Die Marke Mercedes-Benz verzeichnete zudem den höchsten Monatsabsatz in der Unternehmensgeschichte. Dazu kommt, dass die Daimler-Aktie seit dem Hoch im Frühjahr etwa ein Viertel an Wert eingebüßt hat, obwohl die Quartalszahlen und die Absätze überzeugten. Hier scheint die China-Angst zu hoch angesetzt worden zu sein. Dementsprechend günstig sieht auch die Aktie aus: Für 2015 rechnen die Analysten im Konsens mit einem Gewinn je Aktie von 8,01 Euro, im kommenden Jahr sollen es 8,71 Euro werden. Damit kommt Daimler auf ein 2016er KGV von unter 8, die Dividendenrendite liegt bei mehr als 4%. Die jüngsten Analysen sehen die Kursziele durchweg 35% bis 50% über der derzeitigen Notiz. Wir raten dazu, sukzessive in den Wert einzusteigen.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 140

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Conti: Aktie steigt bereits wieder

Bei Continental waren sich die Investoren deutlich früher als bei Daimler einig, dass man von dem VW-Debakel profitieren oder zumindest nicht darunter leiden werde. Die Aktie der Niedersachsen hat seit dem Tief vor rund zwei Wochen bereits um mehr als 11% zugelegt. Hier wird vor allem angeführt, dass Conti als großer Elektronikanbieter künftig noch mehr profitieren werde. Inzwischen stammen etwa 60% des Geschäfts aus diesem margenträchtigen Bereich. Dennoch sind wir noch nicht überzeugt, da ein negativer VW-Effekt durchaus zu erwarten ist. Die Aktie weist für das kommende Jahr (EPS-Konsens: 15,79 Euro) zudem ein KGV von fast 13 auf.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 140

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Elring: kuriose Gewinnwarnung

Mit einer ungewöhnlichen Gewinnwarnung hat ElringKlinger die Märkte im September überrascht. Aufgrund zu hoher Auslastung würden die Gewinnziele in diesem Jahr nicht erreicht, hieß es bei dem Zulieferer. So etwas hört man im Prinzip gerne, es deutet allerdings daraufhin, dass man operativ einige Hausaufgaben verschlafen hat. Sonderschichten sollten nicht die Ergebnisentwicklung beeinträchtigen. Nichtsdestotrotz deutet alles darauf hin, dass die Elring-Produkte gefragt sind. Die Aktie hat sich seit dem Jahreshoch im Februar fast halbiert, ist mit einem 10er KGV (2016) und einer Dividendenrendite von deutlich über 4% aber sehr attraktiv. Wir raten mutigen Anlegern zum Einstieg.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 140

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Auto-Aktien-Oktober2015

Bild: Daimler AG
Nach oben scrollen