Freitag , 18 August 2017
Exklusiv-Interview mit Fondsmanagerin Anne Ruffin zu Barrick Gold, Goldcorp und der Krise in Osteuropa

Exklusiv-Interview mit Fondsmanagerin Anne Ruffin zu Barrick Gold, Goldcorp und der Krise in Osteuropa

Gold: Zwei Verhaltensmuster bestimmen das Geschäft

Über zwei Jahre lang konnte Amundi-Fondsmanagerin Anne Ruffin den Aktien von Goldproduzenten wenig abgewinnen, und das obwohl sie einen der größten Fonds in Europa für diesen Bereich, den Amundi Equity Global Resources Fund, managt. Warum sich ihre Meinung Ende 2013 änderte und wie Sie die Auswirkungen der Krise in der Ukraine einschätzt, erklärt Sie exklusiv im Gespräch mit dem Investor Magazin. 

Investor Magazin (IM): Frau Ruffin, Sie haben Ihren Fonds wahrscheinlich zum schlechtesten Zeitpunkt im neuen Jahrtausend, im Jahr 2008, aufgelegt. Um nicht Gefahr zu laufen, einem Markt alleine ausgesetzt zu sein, bewegt sich Ihr Fond in drei Bereichen: Energie, Industriemetalle und Edelmetalle. Für über zwei Jahre waren Sie den Goldproduzenten gegenüber allerdings negativ eingestellt. Warum?

Anne Ruffin (AR): Ich konnte bereits im Juni 2011 sehen, dass in Zusammenhang mit dem fallenden Goldpreis, Unternehmen Probleme haben werden, sich diesem Umstand daran anzupassen und ihre Kosten nicht schnell genug zu senken können. Bis Dezember 2013 waren wir 20% in diesem Sektor untergewichtet. Gold stabilisierte sich zu diesem Zeitpunkt bei 1.200 US-Dollar je Unze, die Aktien der Goldproduzenten handelten jedoch weiterhin auf einem Bewertungslevel wie zuletzt im Oktober 2008. Wir haben uns daher entschieden, Anfang 2014 unser Exposure in diesem Bereich hochzufahren, weil wir hier eine Möglichkeit im Markt sahen.

IM: In Ihrem aktuellen Managementkommentar erwähnen Sie, dass Sie im letzten Monat in Antizipation der Zahlen für das erste Quartal zum Teil Gewinne in diesem Bereich realisierten. Was erwarten Sie von den Zahlen? Werden wir wieder steigende Produktionskosten sehen?

AR: Die Industrie befindet sich weiterhin in einem massiven Restrukturierungsprozess. Für Anleger ist es daher schwierig, in diesem Bereich zu handeln. Unternehmen kämpfen mit einem niedrigen Produktionswachstum und haben es schwer, die Kosten zu kontrollieren. Externe Lieferanten, wie zum Beispiel Caterpillar, haben bei den Preisen das Zepter in der Hand. Zudem haben die Produzenten unter Druck des Marktes ihre Reserven neu kalkuliert und teilweise drastisch reduziert und dadurch Ihre Produktionsaussichten geschmälert. Unternehmen wie Goldcorp müssen daher versuchen, durch Übernahmen ihr Produktionsprofil wieder zu schärfen.

IM: Zwei Ihrer größten Positionen, Goldcorp und Yamana, stehen sich aktuell bei der Übernahme von Osisko Mining gegenüber. Wer wird Ihrer Meinung nach Erfolg haben?

AR: Sehr wahrscheinlich der Höchstbietende. Es gilt zu erwähnen, dass es keinerlei Synergien zwischen den bereits in Produktion befindlichen Minen von Goldcorp oder Yamana und der Malartic Mine von Osisko gibt. Die einzige Möglichkeit, Synergieeffekte in dieser Branche zu erzielen, ist, wenn man die Mine des direkten Nachbarn übernimmt. Dies ist jedoch äußerst selten der Fall. Osisko wird versuchen, den Bieterprozess solange wie möglich zu verzögern. Die Mine ist erst wenige Quartale in Produktion, jedes weitere erfolgreiche Quartal dürfte den Wert dieser und somit den Kaufpreis steigern.

IM: Ihre größte Position im Fond ist aktuell Barrick Gold. Warum?

AR: Barrick Gold ist wahrscheinlich das Unternehmen, dass am weitesten ist bei der Restrukturierung fortgeschritten ist. Mit Restrukturierung meine ich hierbei den Verkauf von Assets, um die Bilanz wieder aufzupolieren. In der Industrie sind aktuell zwei Verhaltensmuster zu erkennen. Zum einen Restrukturierungszwang, wie bei Barrick, die qualitativ schlechtere Projekte verkaufen und bei den heutigen Bewertungen auch immer Käufer finden werden. Zum anderen versuchen gefallene Lieblinge, wie Goldcorp, mit solidem Wachstum und einem niedrigen Kostenprofil, wieder zu alter Popularität zu finden. Sie haben aufgrund des niedrigen Goldpreises vorerst ihren Charme jedoch verloren. Um ihre Rolle als Liebling des Marktes zurückzuerobern, müssen diese Zukäufe tätigen. Dabei kämpfen Sie jedoch gegen Konkurrenten mit demselben Ziel und müssen daher hohe Aufschläge zahlen. In Zukunft werden wir daher wieder Abschreibungen auf die Kaufpreise sehen und die Geschichte beginnt von vorne.

IM: Wo steht der Goldpreis am Ende des Jahres?

AR: Die All-In-Sustaining Costs je Unze Gold bei den Industriegrößen bewegen sich um die Marke von 1.300 US-Dollar. Wie bei anderen Rohstoffen in der Vergangenheit, wird Gold sich daher in einer Handelsspanne zwischen 1.200 und 1.400 US-Dollar bewegen. Die Korrektur nach unten ist abgeschlossen und wir könnten jetzt in eine sehr langweilige Marktphase eintreten, ähnlich wie beim Ölpreis, der sich seit über drei Jahren in einer Handelsspanne von 100 bis 120 US-Dollar je Barrel bewegt. Unabhängig von geopolitischen Geschehnissen hat er sich dort gehalten. Dasselbe erwarte ich auch für den Goldpreis.

IM: Wenn Sie heute 10.000 Euro in eine einzige Goldaktie investieren müssten, welche wäre dies?

AR: Ich glaube, die qualitativ beste Aktie ist Randgold. Das Unternehmen produziert in Afrika und wird sehr gut geführt. Es gibt keine missglückten Übernahmen und das Unternehmen hat daher sein Schicksal selbst in der Hand. Ebenso ist die Kostenbasis niedrig. Müsste ich ein Unternehmen nennen, dass auf Grund von Restrukturierungsmaßnahmen auch bei dem aktuellen Goldpreis eine Neubewertung erfahren könnte, würde ich Barrick Gold hervorheben. Das Unternehmen ist zwar schon relativ hoch bewertet, aber erfolgreiche Restrukturierungsmeldungen könnten der Aktie Auftrieb verleihen. Des Weiteren ist Barrick der größte Goldproduzent der Welt und viele Investoren halten Shortpositionen.

IM: Fast 40% Ihres Portfolios ist in Aktien im Energiesektor investiert. Wie sehen Sie die Auswirkungen der Krise in der Ukraine auf den weltweiten Energiemarkt und vor allem auch auf Europa?

AR: Es ist schwierig die Auswirkungen abzuschätzen. Der Gaspreis ist auch nur für eine kurze Zeit in die Höhe geschossen. Der Grund ist vor allem der milde Winter in Europa, dadurch sind noch ausreichend Vorräte vorhanden. Sollte sich die Krise jedoch weiter verschärfen und Russland der Ukraine den Gashahn zudrehen, besteht die Möglichkeit, dass die EU dem Land ein finanzielles Paket schnürt, um die Rechnungen der Russen zu bezahlen. Der Gasmarkt ist außerdem sehr reguliert. Im Gegensatz zum Ölmarkt, der bereits bei einem Verlust von zwei Barrel Öl in Libyen ins Schwanken gerät. Gas wird über langfristige Lieferverträge gehandelt, die Preise sind fest und werden nicht dem Markt angepasst. Trotzdem beobachten wir Firmen mit Exposure in Russland, wie zum Beispiel BP, die einen 20%-Anteil an Rosneft halten, sehr genau.

IM: Zum Abschluss noch, wo steht der Ölpreis zum Ende des Jahres?

AR: Ich erwarte nicht, dass der Ölpreis, die bereits erwähnte Spanne von 100 bis 120 US-Dollar je Barrel verlassen wird. Zum einen liegen die Produktionskosten bei 80 bis 100 US-Dollar je Barrel. Zum anderen werden wir eine natürliche Anpassung sehen, wenn wir diese Handelsspanne verlassen würden. Saudi Arabien handelt hier als Moderator. Sollte der Preis nach oben hin ausbrechen, werden Saudi Arabien, aber auch die USA, mehr Barrel freigeben, um das weltweite Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. Die Weltwirtschaft ist noch nicht stabil genug, um steigende Energiekosten zu absorbieren. Zudem wird die Weltwirtschaft nicht schnell genug wachsen, um dadurch den Ölpreis selbst in die Höhe zu treiben. In den letzten drei Jahren konnte man die Energiepreise sehr gut voraussagen, diese Tatsache nimmt ein großes Risiko aus dem Markt. Bei Investmententscheidungen spielt der Ölpreis dann eher eine untergeordnete Rolle. Die Welt braucht einen Ölpreis in der besagten Handelsspanne.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Chefredakteur Kai Hoffmann.

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