Montag , 22 Oktober 2018
Aktie der Woche: Windeln.de – Chance nach dem Absturz

Aktie der Woche: Windeln.de – Chance nach dem Absturz

Wer sich beim Börsengang von Windeln.de einige Stücke ins Depot legte, wird sich mittlerweile ärgern. Die Aktien kamen Anfang Mai zu 18,50 Euro an den Markt und notieren inzwischen mehr als ein Drittel darunter. Der Grund für den Absturz dürfte vielschichtig sein. Zum einen haben die Börsen seither deutlich nachgegeben, wenn auch nicht in diesem Maße. Zum anderen haben die begleitenden Banken offenbar kein Interesse daran gehabt, den Kurs am ersten Handelstag zu stützen. Da wurden schnell die Schleusen geöffnet, so dass bereits der erste Schlusskurs knapp unter 15 Euro festgestellt wurde. So etwas führt regelmäßig dazu, dass es in den folgenden Tagen und Wochen zu Anschlussverkäufen kommt. Da helfen auch keine Kaufempfehlungen der begleitenden Banken, die sich ohnehin an Eigeninteressen orientieren.

Mehr Licht als Schatten

Nach den Kursverlusten sehen wir aber nun mehr Licht als Schatten. Zum einen ist die Kasse des Online-Händlers prall gefüllt. Insgesamt wurden durch den Börsengang 211 Mio. Euro eingenommen. Der größere Teil, rund 127 Mio. Euro, blieb beim Unternehmen. Den Rest teilten sich Altaktionäre, zu denen neben den Gründern auch Wagniskapitalgeber gehören. Windeln.de will mit den liquiden Mitteln nun sein Wachstum finanzieren und die Marktposition festigen.

Beeindruckend ist das Wachstum des Unternehmens allemal. Zwischen 2012 und 2014 stieg der jährliche Umsatz um satte 117% pro Jahr. Dabei ist die Gesellschaft im Wesentlichen in der DACH-Region unterwegs. Daneben ist man in China aktiv, wo man einen Online-Shop aufgebaut und von dem Vertrauen in deutsche Produkte profitiert (Stichwort: vergiftetes Milchpulver). Das es weiterhin sehr dynamisch zugeht, zeigen die Zahlen zum ersten Quartal. So stiegen die Einnahmen um 86,7% auf 35,65 Mio. Euro. Unterm Strich gab es allerdings einen Verlust von 5,4 Mio. Euro. Wir rechnen damit, dass in den nächsten Quartalen schwarze Zahlen geschrieben werden.

Langfristige Perspektiven

Mittelfristig sollte sich die Situation aber auch margenseitig deutlich verbessern. Windeln.de profitiert von diversen Trends:

  • der Drang der Konsumenten zum Online-Kauf hält an. Windeln.de hat per Ende März rund 556.000 Kunden und kommt auf 2,8 Bestellungen pro Kopf;
  • Die Ausgaben für Babys und Kinder steigen. Immer weniger Kinder in Deutschland bedeutet auch, dass Eltern, Großeltern etc. immer mehr für ihre Liebsten ausgeben;
  • Windeln.de will weitere europäische Märkte erschließen, durch eigene Töchter oder Akquisitionen;
  • Mit den China-Aktivitäten hat Windeln.de ein Ass im Ärmel. Der Milchpulverskandal dort hat dazu geführt, dass insbesondere deutsche Babyprodukte gefragt sind.

Zudem hat das Unternehmen eine Retourenquote von lediglich 6%. Andere Online-Händler wie Zalando kommen auf ein mehrfaches dieses Werts. 

Günstige Gelegenheit

Bewertungstechnisch ist die Aktie noch schwer zu fassen. Der Wachstums-Fantasie steht ein Börsenwert von aktuell 280 Mio. Euro gegenüber. Die Analysten der Commerzbank riefen diese Woche ein Kursziel von 14 Euro für das Papier aus, das Wachstumspotenzial des Versandhändlers für Baby- und Kinderartikel sei nicht im Kurs eingepreist, hieß es in der Studie. Alles in allem bieten sich derzeit gute Chancen, vergleichsweise günstig bei Windeln.de einzusteigen. Charttechnisch hat sich das Papier nach dem drastischen Absturz einigermaßen beruhigt. Wer noch einen Online-Titel sucht, dürfte hier richtig liegen, sollte aber Zeit mitbringen.

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Bild: Windeln.de
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