Sonntag , 22 April 2018
SHW: Legt die Aktie nun den Indexfluch ab?

SHW: Legt die Aktie nun den Indexfluch ab?

Fast 650 Jahre hat SHW benötigt, um in den SDAX zu kommen. Zugegebenermaßen: Ganz fair ist diese Aussage nicht, denn den Börsenindex gibt es erst seit rund 15 Jahren. Dafür kann SHW seine Historie bis ins Jahr 1365 zurückverfolgen, als es aus der Erzgewinnung und –verhüttung in der Region rund um Königsbrunn entstanden ist. Fakt ist aber: seit Dezember befindet sich die Aktie  (39,67 Euro; DE000A1JBPV9) im SDAX und seither lastet der Indexfluch auf dem Titel. Wie bei vielen anderen Werten ist auch hier der Aufstieg in den Index zunächst mit einem Ende des Aufwärtstrends verbunden. Das Papier des Autozulieferers hatte sein Hoch im Februar erreicht und seither rund 30% an Wert verloren. Doch inzwischen deutet sich, zumindest zaghaft, so etwas wie eine Bodenbildung an. Das – so finden wir – ist eine gute Gelegenheit, sich das Unternehmen näher anzuschauen.

Sparsame Komponenten fürs Auto

Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liegt in der Entwicklung und Fertigung von Produkten zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und damit der CO2-Emission im Automobilbereich. So werden Komponenten hergestellt, die den Verbrauch bei Getriebeanwendungen optimieren. Dazu kommen Pumpen sowie Verbundbremsscheiben. Mit diesem Produktportfolio nahm das Unternehmen mit Sitz in Aalen im vergangenen Jahr 365,6 Mio. Euro ein. Im ersten Quartal 2014 setzte SHW den Wachstumskurs der Vorjahre fort. So legte der Umsatz um satte 23,9% auf 104,8 Mio. Euro zu. Das bereinigte EBITDA konnte um 46,7% auf 8,8 Mio. Euro verbessert werden. Die EBIT-Marge konnte ebenfalls überproportional von 3,3 auf 4,6 Prozent zulegen. Gut sieht auch die Auftragslage aus. Per 31. März saß man auf Orders im Volumen von 112,2 Mio. Euro. Das sind fast 14% mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Dementsprechend hat das Management seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2014 recht optimistisch gestaltet und geht von anhaltendem Wachstum aus. Es rechnet für dieses Jahr mit Umsätzen in Höhe von 380 bis 400 Mio. Euro.

Internationalisierung im Fokus

Künftig will der Konzern vor allem im Ausland wachsen. Derzeit ist man überwiegend in Europa aktiv, wobei rund zwei Drittel des Umsatzes im Heimatmarkt Deutschland erwirtschaftet werden. In der Zukunft will man die Geschäfte in Nordamerika und China deutlich ausbauen. In der Volksrepublik hat man dazu eine Absichtserklärung mit der Shandong Longji Machinery Group zur Gründung eines Joint-Ventures unterzeichnet. Im vergangenen Jahr hatte man bereits in Toronto ein neues Entwicklungszentrum eröffnet. In Brasilien wiederum soll aktuell die Produktion von Ölpumpen beginnen. Bis 2018 will man in Amerika und in Asien jeweils 100 Mio. Euro erwirtschaften. 2013 holte man hier nicht einmal 10 Mio. Euro.

Expansion, Innovation und eine Prise Fantasie

Die Chancen für das Unternehmen stehen nicht schlecht. Schließlich ist das Thema Energieverbrauch inzwischen selbst in Beijing und Washington ein heiß diskutiertes Thema. Im Blick hat das Unternehmen dabei vor allem Hersteller von leichten Nutzfahrzeugen. Darüber hinaus bietet die Aktie auch ein wenig Fantasie. Mit seinem innovativen Portfolio könnte SHW schnell in den Fokus eines Aufkäufers geraten. Die jüngsten Pläne der ZF Friedrichshafen zur Übernahme des US-Konkurrenten TRW haben auch in der Automotive-Branche die Gedanken der Manager angeregt. Alles in allem bietet sich hier eine interessante Investmentchance. Dazu kommt eine solide Bilanz (42% Eigenkapitalquote), eine attraktive Dividende (Rendite knapp 3%) und eine moderate Bewertung. So geht die Analystengilde von einem Gewinn je Aktie von 2,80 Euro für dieses und 3,68 Euro für das nächste Geschäftsjahr aus. Damit liegt das 2015er KGV lediglich bei 10.

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Bild: SHW AG
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