Sonntag , 22 April 2018
Aktie der Woche: BASF SE – Die Value-Investoren liegen auf der Lauer

Aktie der Woche: BASF SE – Die Value-Investoren liegen auf der Lauer

Der Chemiekonzern BASF ist eine deutsche Erfolgsgeschichte sondergleichen. Während sich Bayer (größtenteils) aus dem Chemiegeschäft zurückgezogen hat und auch der IG Farben-Nachfolger Höchst aus dem Westen Frankfurts die Segel strich und in der französischen Sanofi aufging, blüht BASF wie kaum zuvor. Die Ludwigshafener zählen zu den wenigen echten Global Playern im DAX und gehören zur Oberklasse in diesem Geschäft. Und auch die Aktionäre haben hiervon profitiert. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Aktienkurs verzehnfacht, in den vergangenen zehn Jahren gab es trotz Finanzkrise deutlich mehr als eine Verdreifachung. Dividendenzahlungen haben wir hier unberücksichtigt gelassen, die kommen noch oben drauf. Wer also langfristig denkt, lag mit der Aktie der Badische Anilin- und Sodafabrik in der Vergangenheit richtig – ein Wert für die Altersvorsorge.

Chart im Eimer, Asbest kommt hoch

Der seit drei Jahren laufende Aufwärtstrend bei der Aktie wurde im Juni aber durchbrochen. Das BASF-Papier fiel unter die 200-Tage-Linie (aktuell knapp über 80 Euro), was charttechnisch getriebene Investoren zum Abverkauf veranlasste. Auch eine Gegenbewegung hielt nicht lange, zumal es operativ negative Nachrichten gab. In den USA holten alte Asbest-Fälle den Konzern ein. Nun ist der Anteilschein wieder in einen Bereich gefallen, an dem eine nachhaltige Trendwende gelingen könnte. Vorausgesetzt: die globale Lage an den Aktienmärkten verschlechtert sich nicht nachhaltig. Und somit ist BASF, ohnehin ein sehr zyklischer Wert, eine gute Wette darauf, wenn die Märkte in den nächsten Monaten nicht deutlich korrigieren. Allein eine Seitwärtsbewegung des Gesamtmarktes dürfte ausreichen, damit die Aktie wieder in den Vorwärtsgang schaltet.

Kein Russland-Effekt

Und dafür sehen wir gute Gründe. Im Gegensatz zur deutschen Chemieindustrie, die jüngst ihre Jahresprognose gekappt hatte, aber immer noch mit einem kleinen Plus rechnet, ist BASF kaum von der Sanktionsspirale um Russland betroffen. Das wissen leider auch viele Institutionelle Investoren (noch) nicht. Dementsprechend dürfte das aktuell niedrige Kursniveau für viele, die sich langfristig und nachhaltig am Markt engagieren, eine gute Gelegenheit sein, einen Blue Chip günstig einzusammeln.

Attraktive Bewertung, hohe Dividende

Dieses Jahr dürften etwas mehr als 70 Mrd. Euro durch die Bücher gehen, was in etwa dem aktuellen Börsenwert entspricht. Auf 2014er Basis kommt der Analystenkonsens derzeit auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4, im kommenden Jahr dürfte diese Kennzahl Richtung 12,3 tendieren. So günstig gab es BASF (76,40 Euro; DE000BASF111) schon lange nicht mehr zu haben, zumal den größten Konkurrenten derzeit ein KGV von 15 bis 17 zugebilligt wird. Dazu kommt: Operativ ist man auf Kurs. Die Q2-Zahlen waren ordentlich: der Umsatz stieg auf 18,46 Mrd. Euro, das EBIT legte um 12,1% auf 2,05 Mrd. Euro zu. An der ausgegebenen Prognose hält das Management fest. Zudem stärkte man die Tochter Wintershall erst jüngst durch Beteiligungen an norwegischen Ölfeldern und Pipeline-Projekten. Die Fördermenge dürfte allein in Norwegen um rund die Hälfte zulegen, schätzt Analyst Clive Roberts von S&P Capital IQ.

Nicht zuletzt sollte auch die Dividende im Herbst stärker in den Fokus rücken. An den 2,70 Euro aus dem Vorjahr dürfte kaum gerüttelt werden angesichts der stabilen Aussichten. Das entspricht immerhin einer Rendite von 3,5%. Da die meisten Analysten eine negative Haltung zu dem Papier eingenommen haben, könnten Revisionen in den nächsten Wochen den Kurs unterstützen. Anleger müssen aber die Charttechnik im Auge behalten. Gerade bei den großen Werten sind die Computerhändler die Taktgeber, und Maschinen denken nicht langfristig.

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Bild: BASF SE
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