Dienstag , 13 November 2018
Top 10 Länder nach Goldreserven, u.a. USA, Deutschland, Russland

Top 10 Länder nach Goldreserven, u.a. USA, Deutschland, Russland

 

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“, dichtete einst Goethe. Und auch wenn der Goldpreis derzeit wie die Goldbranche in einem Tief feststeckt, so spielt das Edelmetall immer noch eine sehr wichtige Rolle an den Märkten. Denn auf der Welt, insbesondere in Ländern mit hoher Verschuldung und/oder hoher Inflation, vertrauen die Menschen dem glänzenden Metall mehr als ihrer eigenen Währung oder gar dem US-Dollar. Die Amerikaner wiederum führen die Liste der Länder mit den weltweit größten Reserven an. Nach den Statistiken des Branchenverbands World Gold Council horten der US-Staat 8.133,5 Tonnen Gold. Das ist der mit Abstand größte Wert. Pro Kopf entspricht das immerhin 260 Gramm.

Deutschland auf Rang 2, aber…

Schon auf dem zweiten Platz liegt Deutschland. Die Bundesbank verwaltet das Gold der Deutschen, das auf dem Papier 3.383,4 Tonnen entspricht. Die Diskussion um diese Reserven ist aber weiter voll im Gang. Denn ein Großteil des Bestands liegt noch immer in Paris, London und vor allem den USA: Manche zweifeln gar, ob es diese Bestände überhaupt gibt und ob insbesondere die USA nicht schon lange die deutschen Bestände vereinnahmt oder verkauft hätten. Die Rekordverschuldung der Amerikaner trägt Ihr Übriges dazu bei. Immerhin hat die Bundesbank zuletzt 2014 rund 120 Tonnen Gold aus den USA zurückgeholt. Bis 2020 soll die Hälfte des deutschen Goldes wieder in der Heimat gelagert werden. Mehr als 1.200 Tonnen sollen aber auch nach diesem Zeitpunkt in New York  sowie 445 Tonnen in London verbleiben. Das schafft nur wenig Vertrauen. Denn wer garantiert schon, dass man im Krisenfall darauf zugreifen kann.

IWF und EZB auf vorderen Plätzen

Nach Deutschland folgen im Top 10-Ranking mit Frankreich, Italien und Russland drei europäische Nationen. Die eigentliche Nummer 3 ist aber der Internationale Währungsfonds (IWF). Dessen Bestände belaufen sich aktuell auf 2.814 Tonnen. Im Schatten der Washingtoner Institution steht die Europäische Zentralbank. Die Frankfurter Notenbanker horten einen Goldschatz von 502 Tonnen. Das würde nicht einmal für eine Platzierung in den Top 10 reichen.

Das chinesische Goldrätsel

Hinter dem europäischen Quartett kommt schon mit China die zweigrößte Volkswirtschaft der Welt. Letzte Woche brachen die Chinesen zum ersten Mal seit sechs Jahren ihr Schweigen und veröffentlichten neue Zahlen. So wurde die gehaltene Goldmenge seit 2009 um 57% auf 1,658 gesteigert. 2009 besaß China noch 1.054 Tonnen des Edelmetalls. Ob diese Zahl der Wahrheit entspricht wissen nur wenige Eingeweihte. Der Markt hatte jedoch einen größeren Goldbestand erwartet, da Analysten davon ausgehen, dass die Chinesen in den vergangenen Jahren versucht haben, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Sie sind der größte Gläubiger von US-Bonds und halten mehr als 2 Bio. Dollar an Devisen. Sukzessive wurden Bestände an anderen Währungen wie dem Euro oder dem Franken aufgebaut. Zudem wurde der Goldanteil massiv erhöht. Doch er dürfte weit mehr als die offiziell ausgewiesene Menge betragen. Darauf deuten die Importzahlen von Gold nach Hongkong hin. Die Chinesen sind zudem einer der fünf größten Produzenten von Gold. Was da aus der Produktion von größtenteils staatlichen Minen direkt für die Peoples Bank of China abgezweigt wird, ist für Außenstehende nicht nachzuvollziehen. Zudem machen die chinesischen Goldreserven offiziell nur 1% der Gesamtreserven aus und liegen damit weit unter dem Wert der USA (72%) oder Deutschlands (68%). Analysten gehen davon aus, dass der Anteil in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter deutlich steigen wird.

Indien: der Elefant im Goldmarkt

Mit der Schweiz, den Niederlanden und Japan schaffen es drei weitere, sehr wohlhabende Länder mit ihren Reserven unter die besten Zehn. Auf dem 10. Rang steht dann mit Indien eine traditionsreiche Goldnation. Die offizielle Menge liegt bei 557,7 Tonnen Gold. Allerdings ist bei Indien, ebenso wie bei der Türkei oder Mexiko, davon auszugehen, dass die Bevölkerung große Mengen an Gold hortet. Der Subkontinent ist zusammen mit China seit Jahrzehnten der größte Goldmarkt der Welt. Hier spielt Gold eine wichtige Rolle in der Kultur. Das macht sich übrigens auch beim Goldpreis regelmäßig bemerkbar. Der erfährt nämlich oft vor Beginn der indischen Hochzeitssaison (Juli bis September) einen Schub nach oben. Da steigt dann die Nachfrage deutlich. Die Türkei und Mexiko zeigen zwar keine solche Saisonalität, haben wie Indien aber eine besondere Beziehung zum Gold. Über Jahrzehnte mussten die Menschen in diesen Ländern mit einer hohen Inflation kämpfen. Wer Geld sparen konnte, tauschte es deshalb in Hartwährungen oder eben Gold um. Und die Geschichte zeigte, dass man damit deutlich besser fuhr. Hier hat Gold immer noch eine spürbare Krisenfunktion.

Top10-Goldreserven-Länder-2015

Bilder: pixabay
Titelbild: Heraeus

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