Samstag , 18 August 2018
Aktienmärkte: Crash oder Korrektur?

Aktienmärkte: Crash oder Korrektur?

Kaufkurse allerorten! Das jedenfalls konnte man am ersten Handelstag des Jahres in allen möglichen Aktien-Foren lesen. Die Investoren dort sahen den Absturz als erstklassige Gelegenheit, Qualitätsaktien zu günstigen Kursen zu bekommen. Dieser Tenor hielt noch einige Tage an. Inzwischen ist das neue Börsenjahr drei Wochen alt, diese optimistischen Stimmen sind weitgehend aus den Foren und auch den Medien verschwunden. Vielmehr stellen sich viele die Frage, ob dies nun die dritte Korrektur am Aktienmarkt binnen 18 Monaten ist? Und damit eher eine „gesunde“ Entwicklung, die Dampf aus dem Kessel der seit 2009 laufenden Aktienhausse nimmt. Oder aber: ist das schon der Anfang eines bevorstehenden Crash, wie Pessimisten befürchten?

China bewegt die Welt!

Nun, dazu muss man sich erst einmal anschauen, was überhaupt passiert war. Zum Jahresanfang meldete China schwache Industrieproduktionszahlen. Diese lagen deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Dazu kam, dass im Reich der Mitte in der ersten Handelswoche das im vergangenen Jahr ausgesprochene Verkaufsverbot für institutionelle Anleger auslief. Beides zusammen veranlasste viele Marktteilnehmer in Shanghai, ihre Aktien zum ersten Gong im neuen Jahr abzustoßen. Das Peking auf die widerholten Kursverluste zunächst mit einem Handelsstopp reagierte, schaffte nicht gerade neues Vertrauen. Diese Verkaufswelle zog sich dann über den Globus.

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Unsere Erkenntnis: Neben der Wall Street gibt es nun eine zweite Weltleitbörse, deren Erschütterungen alle anderen Märkte herunterziehen kann. China ist sozusagen an den Finanzmärkten endgültig angekommen. Der umgefallene Sack Reis schlägt künftig hohe Wellen. Zum anderen aber ist diese chinesische Mixtur auf einen fruchtbaren Boden in anderen Ländern gestoßen. In den USA wurde der Zinsanstieg eingeleitet, obwohl viele noch nicht wirklich glauben, dass es der US-Wirtschaft wieder gut geht. Auch wir gehören zu den Zweiflern. Zum anderen befindet sich Europa immer noch in einem schwachen Zustand. Viele Länder darben ökonomisch wie politisch vor sich hin, zumal sie zum großen Teil noch stärker verschuldet sind als zum Beginn der Weltfinanzkrise 2007/08. Nicht zuletzt wurde der Abwärtstrend durch die Schwäche der anderen Schwellenländer beschleunigt. Große Staaten wie Brasilien, Mexiko und Russland stehen ohnehin vor währungspolitisch großen Herausforderungen, bei der Türkei ist es lediglich das überraschend solide Wachstum (BIP-Plus ca. 4%), dass (bisher) einen Komplett-Absturz wie am Zuckerhut oder in Moskau verhinderte.

Fruchtbarer Boden!

Insofern brach der China-Blues zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt über die Welt herein. Nun dürfte entscheidend sein, wie Peking mit seiner Währung umgeht. Jüngst meldete man zwar das schwächste Quartalswachstum (BIP +6,9%) der vergangenen 25 Jahre. Aber das lag noch über den Erwartungen des Marktes. Generell scheinen die Chinesen in einer schwachen Währung einen Weg zu sehen, das eigene Wachstum aufrecht zu erhalten. Da aber auch viele andere wie die EZB diesen Weg gehen wollen, kann das nicht wirklich klappen. Bemerkenswert ist allerdings die unveränderte Lage bei den Investoren. Diese sehen sich trotz der Mini-Zinserhöhung in den USA weiter mit einem historischen Problem konfrontiert: wohin mit dem Geld? Es bleiben eigentlich nur die Aktienmärkte als Performance-Bringer. Diese Hoffnung haben viele Profi-Investoren in diesen Tagen zum Ausdruck gebracht. Allerdings bringt das nichts, wenn die Rendite eines Jahres binnen zweier Wochen aufgefressen wird.

Suche nach Wachstum!

Und noch eins: die Bewertungen mögen nun günstiger sein, die Frage ist aber, ob die Unternehmen ihre Gewinne (und Ausschüttungen) auch 2016 halten können. Derzeit spielt Ihnen lediglich der schwache Ölpreis auf der Kostenseite in die Hände, die Suche nach Wachstum geht wie 2015 weiter. Apropos Ölpreis. Als der vor rund 1,5 Jahren mit seinem Sturzflug begann, hielten das alle Auguren für einen Segen. Inzwischen wird die Schwäche bei Brent, WTI und Co. als Schwäche der Weltwirtschaft interpretiert. Es ist halt alles eine Frage von Zeit und Perspektive! Fakt ist, dass die Energiepreise nun ihren Boden gefunden haben dürften. Wenn sogar die Bild-Zeitung dieses Thema auf der Seite 1 bringt, dann ist es auch durch. Wir werden deshalb in den nächsten Wochen entsprechende Positionen hier aufbauen. Ob aber der aktuelle Kurs das Tief ist oder ob es noch 10% herunter geht, das wissen wir auch nicht. Klar scheint für uns: In 12 Monaten wird Öl teurer als heute sein und dann könnte sich ein Investment als goldrichtig erweisen!

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Bild: Redaktion

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