Dienstag , 13 November 2018
Schwerpunkt Energie: Der Iran wird den Ölmarkt verändern – Teil 3

Schwerpunkt Energie: Der Iran wird den Ölmarkt verändern – Teil 3

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Das politische Interesse

Ich habe in den vergangenen Monaten immer wieder mit Ölpreisanalysten, aber auch mit Ölhändler über diese Strategie diskutiert. Eine einzige logische Erklärung gibt es nicht, außer man glaubt, dass die Saudis mit den USA eine gemeinsame Strategie fahren. Die Saudis machen Druck auf den Weltmarkt und bringen damit gleich mehrere politische Gegner der USA in die Bredouille. Vor allem geht es hier um Russland, dass man ja bereits zusammen mit der EU sanktioniert. Die Idee dahinter ist recht simpel: mit einem sinkenden Ölpreis gerät Moskau irgendwann so stark unter Druck, dass Putin seine Ambitionen in der Ukraine und anderswo zurückfahren muss. Dann hätten die USA die Russen wohl endgültig in Europa isoliert. Hinzu kommt, dass zwei weitere politische Gegner Probleme bekommen: der Iran und Venezuela. Beide haben eine veraltete Produktion, dadurch vergleichsweise hohe Kosten. Sinkende Ölpreise wiegen dann besonders schwer.

Auch die USA profitieren

Die Saudis geben offiziell an, dass sie vor allem in Asien Marktanteile erobern und sichern wollen. Auch darin wird viel Wahrheit stecken. Und sie meinen es ernst. Im Juni produzierten sie so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr. Auf der US-Seite scheint der Preis für diese politische Strategie auf den ersten Blick recht hoch: die eigene Fracking-Industrie muss seit inzwischen mehr als 7 Monaten Bohrlöcher schließen und Arbeiter entlassen. Der Negativ-Effekt dürfte irgendwo im Bereich von 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr liegen. Exakte Zahlen dazu gibt es nicht. Auf der anderen Seite wird der US-Konsument, der immer noch unter den Folgen der Finanzkrise leidet, entlastet. Die Amerikaner sind schließlich immer noch die Autofahrer-Nation Nummer eins. Zudem sinken die Kosten der US-Industrie erheblich. Sie war und ist im Vergleich zu der Konkurrenz aus Europa lange nicht so erfolgreich beim Einsparen von Energiekosten. Und nicht zuletzt bekommt die US-Militärindustrie durch den Konflikt mit Russland einen Schub. Die US-Bevölkerung ist nach dem Irak-Abenteuer so kriegsmüde wie selten zuvor. Der Export von Waffen zur Aufrüstung der östlichen NATO-Partner und des neuen Verbündeten in Kiew stößt dagegen beim Wähler auf keinen Widerspruch. Bemerkenswert ist, dass – trotz der Sanktionen gegen Russland – der Handel zwischen den Erzfeinden 2014 zugelegt haben soll. Das behauptete zumindest jüngst Der Spiegel. Dies steht im Gegensatz zu den Exporteinbrüchen, die vor allem Deutschland, aber auch andere EU-Staaten zu verkraften haben. Eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) kommt zum Ergebnis, dass die Sanktionen mittelfristig allein in Deutschland bis zu 465.000 Arbeitsplätze gefährden könnten, unmittelbar seien 175.000 Jobs bedroht. Europaweit liegt die Zahl laut WiFo bei rund 2 Mio. Die EU-Kommission sieht dagegen nur „relativ kleine und handhabbare“ Auswirkungen. Nicht unwichtig in diesem Zusammenhang: US-Konzerne sind auch schon seit Jahren einer, wenn nicht der wichtigste Handelspartner des Iran. Sie wickeln ihre Geschäfte weitgehend über Drittländer ab, um nicht in den Statistiken aufzutauchen. Sie haben jetzt natürlich ein großes Interesse daran, auch mit dem Iran ihre Geschäfte auszubauen.

Die iranische Ölindustrie

Die iranische Ölindustrie sitzt zwar auf den kombiniert größten Öl- und Gasreserven der Welt. Doch die Sanktionen haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Produktionsanlagen sind sehr alt. Sollte aller reibungslos laufen, dürfte man frühestens ab 2016 die Förderung nachhaltig erhöhen. Der Ausstoß könnte dann kontinuierlich zunehmen und zu weiterem Druck auf den Ölpreis führen. Hier kündigt sich also eine Fortsetzung des weltweiten Wachstumsprogramms durch niedrige Ölpreise an. Ob die Amerikaner oder andere dann zum Zuge kommen, wird man sehen. Teheran zeigte sich bisher hartnäckig, wenn es um Wirtschaftsinteressen geht. Fakt ist: Die Saudis festigen mit ihrer Ölpolitik das Bündnis mit den USA, der Iran wird nun ins Boot geholt. Ob der historische Gegner der Saudis aber alles mitmacht, wird man sehen.

Erst mittelfristig steigende Ölpreise

Für den Ölpreis bedeutet das kurz- bis mittelfristig, dass man den aktuellen Handelskorridor wohl nicht verlässt. Bei Brent liegt dieser im Bereich von 50 bis 70 US-Dollar. Wir erwarten, dass diese Spanne in den nächsten 12 bis 18 Monaten gültig bleibt. Zumal auch der Irak bereits seit dem Frühling  2015 in den Markt zurückkehrt. Die privaten Spieler aber könnten sich in einigen Jahren da befinden, wo die Gold- und Industriemetallförderer heute stehen – am Boden. Ölaktien sind für Anleger daher derzeit tabu, und dürften das auch – abgesehen von Sonderfällen – bleiben. Die Unternehmen müssen ihre Kosten senken und hoffen, dass man auch irgendwann bei höheren Preisen noch am Markt ist. Für sehr langfristig orientierte Anleger sehen wir ein Investment in den Ölpreis per ETF als attraktiver an – trotz Währungsrisiken. Denn die großen Nachfragetrends bestehen weiter. BP hat sie im „Outlook 2035“ so beschrieben:

  • der Energieverbrauch soll bis 2035 um 37% steigen. Haupttreiber sind die Schwellenländer mit ihrem Industrie– und Bevölkerungswachstum sowie der zunehmenden Verstädterung und Motorisierung
  • Die USA werden um das Jahr 2021 herum unabhängig von Energieimporten sein.
  • Auf der Angebotsseite wird die Ölförderung mit dem akt. Tempo von 0,8% p.a. zulegen.
  • Die USA, Russland und Saudi-Arabien werden 2035 die größten Öl-Förderer am Markt sein. Der OPEC-Anteil an der Produktion soll sich stabil bei rund 40% einpendeln.

Für Anleger bedeutet das: der Ölpreis wird langfristig sicher steigen, denn eins sollte noch berücksichtigt werden. Die Top-Quellen mit sehr niedrigen Förderkosten neigen sich dem Ende entgegen. Das trifft private wie staatliche Ölkonzerne. Und das wird den Aufwand in die Höhe treiben. Höhere Produktionskosten in einem oligopolistischen Markt führen in der Regel zu einem neuen Marktgleichgewicht, sprich höheren Preisen. Wer also Zeit mitbringt, sollte sukzessive Positionen in Öl aufbauen.

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Bild: ExxonMobil
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