Montag , 11 Dezember 2017
Interview mit Tobias Tretter: „Bewertungen so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr“

Interview mit Tobias Tretter: „Bewertungen so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr“

Starke Nerven waren in der Vergangenheit gefragt, bemerkt Tobias Tretter von der Commodity Capital AG. Trotz Eingriffen der US-Notenbank sieht er bezüglich des Goldpreises bis zum Ende des Jahres Besserung, wie er in einem Gespräch mit dem Investor Magazin erzählt.

Besprochene Unternehmen: Atico Mining, Fortuna Silver, Santa Cruz Silver, Torex Gold, Semafo, Pilot Gold, Novo Resources, Confederation Minerals

Tobias-Tretter_CommodityCapitalAGInvestor Magazin (IM): Als Fondmanager eines globalen Mining Fonds sowie als Berater für einen Explorationswerte-Index musste man in den letzten Monaten starke Nerven beweisen. Wie ist Ihre aktuelle Gefühlslage?

Tobias Tretter (TT): Starke Nerven waren in der Tat aufgrund der extremen Volatilität im Rohstoffsektor gefragt. Allerdings relativiert es sich, wenn man sich selbst als Investor und nicht als Spekulant sieht und auf das Vertrauen seiner Anleger zählen darf. Viele Fonds insbesondere in Nordamerika hatten in den vergangenen Jahren erhebliche Mittelabflüsse, da Anleger dort traditionell sehr kurzfristig orientiert sind und weniger auf die langfristigen Trends setzen. Ich halte es hier eher mit dem Börsenaltmeister André Kostolany und kaufe qualitativ gute Aktien mit gutem Management und gebe den Managementteams die Zeit, ihre Ideen und Ziele umzusetzen. Ich fühle mich mit Rohstoffinvestitionen so lange gut aufgehoben, so lange die fundamentalen Daten weiterhin für mittel- bis langfristige Preissteigerungen sprechen. Und die sprechen im Rohstoffsektor eine eindeutige Sprache. Die Rohstoffnachfrage ist nahe ihrer absoluten Höchststände und zwar sowohl bei den Edel- als auch den Basismetallen. Gleichzeitig wurde in den vergangenen Jahren aufgrund der Krise im Rohstoffsektor viel zu wenig in die Exploration investiert und das Angebot wird in den kommenden Jahren zwangsläufig zurückgehen müssen. Ein idealer Nährboden also für mittelfristig deutlich steigende Rohstoffpreise.

IM: Das erste Halbjahr 2013, mit zwei massiven Rückschlägen bei Gold im April und Anfang Juni, ist für viele Investoren negativ verlaufen? Wie haben sich Ihre Fonds geschlagen?

TT: Auch wir konnten uns dem allgemeinen Markt-trend nicht entziehen und insbesondere unser Schwerpunkt, die Juniorunternehmen, wurde hart getroffen. Dennoch sind wir bislang gut durch die Krise gekommen und schnitten erneut besser als unsere direkten Konkurrenten ab. Keines unserer im Portfolio befindlichen Unternehmen geriet in finanzielle Schwierigkeiten oder musste aufgrund der Marktverwerfungen schließen. Wir verfolgen aktuell die gleiche Strategie wie bereits in der Finanzkrise 2008 und investieren in die Juniorunternehmen, die bereits in Produktion sind und Geld verdienen oder kurz vor der Produktionsaufnahme stehen. Dazu mischen wir einige aussichtsreiche Explorationsunternehmen, wobei unser Hauptaugenmerk auf Unternehmen liegt, dass über ein exzellentes Management mit einem guten Track Record verfügt. Historisch werden 90% der Gelder im Rohstoffsektor von 5% der Managementteams verdient und wir denken, dass wir mit eben jenen 5% langfristig am erfolgreichsten sein werden.

IM: Atico Mining, ein Kupferexplorationsunternehmen mit einem Projekt in Kolumbien, hat letzte Woche eine Finanzierung von fast 20 Mio. USD vermeldet. Könnte diese eine Signalwirkung für die Branche haben?

TT: Atico Mining ist eines jener Unternehmen, das aus der Masse der Juniorunternehmen hervorsticht und sich auch seit langem in unserem Portfolio befindet. Atico verfügt mit Fernando und Jorge Ganoza über ein exzellentes Managementteam, das mit Fortuna Silver bereits gezeigt hat, wie man aus einem Explorer einen der erfolgreichsten Silberproduzenten in Mexiko entwickelt. Die jetzige Finanzierung ist meines Erachtens ein Beispiel dafür, was in Zukunft von Seiten der Investoren von Rohstoffunternehmen verlangt wird. Eine überschaubare Anfangsinvestition um das Projekt in Produktion zu bringen sowie ein exzellentes Managementteam. Insofern ist die Frage eindeutig mit ja zu beantworten. Es war eine Signalwirkung insbesondere im Hinblick auf die Anforderungen seitens der Investoren, unter welchen Umständen man bereit ist, ein Unternehmen zu finanzieren.

 

IM: Welche Werte sind für Sie interessant und wo sehen sie trotz der aktuellen Lage am Junior-Markt Chancen?

TT: Die Bewertungen der meisten Rohstoffunternehmen sind derzeit so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr. Es gibt viele aussichtsreiche Investmentmöglichkeiten. Die großen Majors sind hierbei weiterhin zu meiden, da sie erhebliche hausgemachte Probleme mit sich tragen und selbst von steigenden Rohstoffpreisen nur in geringem Ausmaß profitieren werden. Unsere Favoriten sind definitiv im Bereich der Juniorunternehmen zu suchen. Unternehmen wie beispielsweise Santa Cruz Silver, Torex Gold oder Semafo sind hierbei sicherlich einen Blick wert. Auf Seiten der Explorationsunternehmen sehen wir derzeit Pilot Gold, Novo Resources oder auch Confederation Minerals als aussichtsreich an.

IM: Werden wir in den nächsten Monaten eine Übernahmewelle erleben?

TT: Ich glaube, dass wir zunächst eine Konsolidierungswelle sehen werden. Es gibt viele Unternehmen im Rohstoffsektor, die nur noch über ein paar 100.000 Dollar verfügen und kurz vor dem Bankrott stehen. Einige dieser Unternehmen werden sich zusammenschließen oder finanzstarke Partner suchen. Auf der Seite der großen Minengesellschaften sehe ich keine starken Übernahmetendenzen. In den vergangenen Jahren mussten diese teils erhebliche Abschreibungen vornehmen und einige wechselten in diesem Zuge auch das Management aus. Insofern sind diese Unternehmen derzeit eher vorsichtig unterwegs.

IM: Wie sehen Sie die Entwicklung des Goldpreises? Nach der jüngsten FED-Entscheidung ist er in die Höhe geschnellt. Wo könnte er Ende des Jahres Ihrer Meinung nach stehen?

TT: Der Goldpreis ist derzeit extrem volatil und die Bedeutung politischer Entscheidungen oder die Aussagen von Notenbankchefs nahmen in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung zu. Der Goldpreis wird derzeit sehr stark von den Papiermärkten beherrscht und die Preisentwicklung spiegelt in keinster Weise die physische Nachfrage wider. Langfristig werden Preise auf freien Märkten aber immer vom physischen Angebot und der Nachfrage bestimmt. Das Angebot an sämtlichen Rohstoffen wird aufgrund der geringen Neuentdeckungen in den kommenden Jahren definitiv zurückgehen und die Nachfrage nach Gold ist in Indien und China ungebremst und auch im europäischen privaten Sektor auf Rekordniveau. Bleibt die Nachfrage nach physischem Gold weiterhin auf diesem Niveau wird der Goldpreis wieder in Richtung seiner Höchststände ansteigen. Bis Ende des Jahres sehe ich für den Goldpreis eine gute Chance die Marke von 1.500 US-Dollar je Unze wieder zurückzuerobern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Tobias Tretter ist Geschäftsführer und Chief Investment Office der 2009 gegründeten Commodity Capital AG aus Zürich. Er ist für die Investmententscheidungen beim Commodity Capital Global Mining Fund und weiteren ausgewählten Indexprodukten verantwortlich. Tretter ist ein Absolvent der Universität in Bayreuth, wo er seinen Abschluss in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt auf Finanzen und Bankenmanagement ablegte. Er startet seine Karriere bei Credit Suisse Asset Management und arbeitete für Fujitsu Siemens sowie die Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG.

Das Interview führte Chefredakteur Kai Hoffmann exklusiv für das Investor Magazin.

 

 

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