Montag , 11 Dezember 2017
Interview mit Christian Diekmann (DEAG) : „Keine Ergebnisbelastung durch Nürburgring-Zank“

Interview mit Christian Diekmann (DEAG) : „Keine Ergebnisbelastung durch Nürburgring-Zank“

Christian Diekmann ist Finanzvorstand des Musikdienstleisters DEAG. Zuletzt sorgten die Berliner mit einem Streit rund um das “Rock-am-Ring”-Festival für Schlagzeilen. Ergebnisseitig scheint der Effekt überschaubar, denn DEAG legte heute starke Q1-Zahlen (Umsatz +19%, EBIT +23,8%) vor.

ChristianDiekmann0060_32148_WebInvestor Magazin (IM): Herr Diekmann, die Festivals der DEAG sorgen zurzeit auch am Kapitalmarkt für Gesprächsstoff.

Christian Diekmann (CD): Im Augenblick scheinen Teile der Börse den Eindruck zu haben, unser Rockfestival Ende Mai auf Schalke sei entscheidend für das Wohl und Weh der gesamten DEAG. Das verzerrt natürlich die Realität und blendet alle anderen Bereiche und Entwicklungen der DEAG komplett aus. Dabei handelt es sich nur um ein einzelnes Festival bei einer Gesamtticketzahl im DEAG-Konzern im laufenden Jahr von 4,2 bis 4,5 Millionen Karten. Und auch unsere Ticketprognose für Festivals und Open Airs insgesamt im laufenden Jahr liegt weiterhin bei über 700.000.

IM: Aber ursprünglich sollte dieses eine Festival ja am Nürburgring und eben nicht in der Veltins Arena stattfinden. Diese Verlegung hat für Verunsicherung gesorgt.

CD: Zunächst hatten wir geplant, am Nürburgring zu veranstalten. Dann wechselten dort die Eigentumsverhältnisse bei unserem Partner für das Festival und plötzlich wurden vertragliche Vereinbarungen von Seiten des Partners gebrochen. Da mussten wir reagieren und waren sehr glücklich, dass Schalke uns signalisiert hatte, dass man gerne die Veltins Arena zu Verfügung stellt. Wir haben jetzt einen zentral im Ruhrgebiet gelegenen Veranstaltungsort, der viel besser als der Nürburgring auf das Design als „Urban Festival“ zugeschnitten ist und über eine deutlich bessere Infrastruktur verfügt. Der langfristigen Perspektive unseres Festivals im Westen Deutschlands ist dieser Veranstaltungsort sicher angemessener und die Kostenbasis dort ist für uns geringer.

IM: Aber die DEAG hat ja bereits in die Veranstaltung am Nürburgring investiert, wie sieht es mit einer möglichen Ergebnisbelastung 2015 durch dieses Festival aus?

CD: Ich sehe keine Ergebnisbelastung, denn wir haben in vielerlei Hinsicht vorgesorgt: Wir sind erstens umfangreich gegen einen Schaden durch den Vertragsbruch versichert, zweitens haben wir bereits juristische Schritte bezüglich eines Schadenersatzes gegen unseren ehemaligen Partner eingeleitet und namhafte Anwaltskanzleien bescheinigen uns hervorragende Aussichten dabei. Drittens haben wir eine Risikovorsorge bereits im Jahresabschluss 2014 gebildet und viertens haben wir mit Schalke einen neuen Veranstaltungsort gefunden, der Anlass zu Optimismus gibt. Mehr Absicherung geht kaum. Und auch unsere anderen Festivals und Open Airs laufen prima.

IM: Die weiteren Entwicklungen bei der DEAG werden im Augenblick kaum wahrgenommen.

CD: Dabei werden vielleicht manchmal falsche Gewichtungen vorgenommen. Großes Potenzial birgt für die DEAG bekanntermaßen der Bereich Ticketing. Unsere eigene Plattform myticket.de ist viele Monate früher gestartet als geplant. Die Ticketzahlen und das monetäre Ticketvolumen dort übertreffen unsere Erwartungen und wir erkennen deshalb deutlich, dass die von uns geplante Verlängerung der Wertschöpfungskette funktioniert. Mittelfristig wollen wir rund 40 Prozent aller DEAG Tickets über diese Plattform vertreiben. Das würde einen enormen Sprung beim Nettoergebnis zur Folge haben. Zudem wollen wir auf Sicht von 12 Monaten myticket.de auch für die Karten anderer Veranstalter öffnen. Wir sind zuversichtlich, dass wir denen ein Angebot aus Kundenzugang, Refundierung und Medienpower machen können, das unsere Plattform hochgradig für Dritt-Content attraktiv macht. Entsprechende Partnerschaften mit Medien, um myticket.de in dieser Hinsicht nochmals deutlich zu stärken, verhandeln wir derzeit intensiv.

IM: Was macht Sie so sicher, dass myticket.de funktioniert?

CD: Die Erfolge aus der Anlaufphase, weswegen wir das Marketing auch bereits 2014 forciert haben, und die Marktgegebenheiten. Das Internet hat als Vertriebsweg hohe Bedeutung, Software für eine eigene Plattform kann günstig lizensiert werden und der entscheidende Faktor für den Erfolg einer Ticketplattform ist somit attraktiver Content, sprich Tickets. Und die hat die DEAG. Wir haben also ein hervorragendes Blatt auf der Hand, das wir in den kommenden Jahren schlicht richtig ausspielen werden.

Das Interview führe Tarik Dede.

Bild: Achim Raschka / Wikipedia
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