Mittwoch , 21 Februar 2018
Wüstenrot & Württembergische-Aktie wird durch Aktienplatzierung wachgeküsst

Wüstenrot & Württembergische-Aktie wird durch Aktienplatzierung wachgeküsst

Lange Jahre war die Aktie von Wüstenrot & Württembergische (W&W) ein echter Langweiler an der Börse. Aufgrund des niedrigen Freefloats war der Titel für instituionelle Investoren irrelevant. Einige wenige Privatanleger freuten sich sicherlich über die vergleichsweise üppigen Dividenden. Diese ruhige Zeit ist aber nun vorbei, der Finanzdienstleister  wurde wachgeküsst. Die zur italienischen Großbank UniCredit gehörende Hypovereinsbank hat Ihr Aktienpaket über die Privatbank Berenberg am Markt platzieren lassen. Damit steigt die freie Zahl der Aktien auf rund ein Fünftel. Als Ankeraktionäre sind weiterhin die Wüstenrot Holding AG mit 66,31% sowie die Horus Finanzholding GmbH mit 13,42% an Bord.

Der Index lockt

Interessant ist auch: der Platzierungspreis lag bei 16,50 Euro und damit klar unter der Notiz bei Bekanntgabe der Transaktion. Die Aktie korrigierte umgehend. Mit dem größeren Freefloat (20,27%) ergibt sich für den Wert eine neue Perspektive, denn W&W hatte angekündigt, vom General in den Prime Standard zu wechseln. Angesichts der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 1,6 Mrd. Euro ist der Konzern damit nach dem Segmentwechsel ein Kandidat für den Mittelwerteindex MDAX. Und das macht ihn dann für Großinvestoren noch interessanter.

Enormer Kostendruck

Als Spekulation macht ein Investment in W&W also durchaus Sinn. Doch auch das operative Geschäft muss stimmen. Und da hat das Unternehmen einige harte Jahre hinter sich. Da folgte ein Sparprogramm dem nächsten, der Druck auf das Management war groß. Aktuell läuft noch „W&W 2015“. Ob dieser Kostendruck weiter in diesem Tempo aufrecht erhalten kann, wagen wir zu bezweifeln. Allerdings scheint man nun auch die Ernte einzufahren.

Überzeugende Jahreszahlen

So präsentierte W&W-Finanzchef Michael Gutjahr  Anfang April Rekordzahlen für den Traditionskonzern (Gründung 1828). So stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 56,2% auf 242  Mio. Euro. Das gute Ergebnis brachte das Unternehmen direkt mit dem bereits erwähnten Sparprogramm in Verbindung. Die Personal- und Materialkosten seien reduziert worden. Hinzu kamen ein günstiger Schadenverlauf sowie Sondererträge aus einem Beteiligungsverkauf.

Konsolidierung nach Rekordjahr

Der Einmaleffekt ist wohl der Hauptgrund dafür, dass dieses Jahr kein neuer Rekordgewinn drin ist, wie W&W ankündigte. Die Analystengilde rechnet im Mittel mit einem Nettogewinn von rund 220 Mio. Euro. Beim Gewinn je Aktie macht das etwa 2,30 Euro, womit der Titel auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von akzeptablen 7,5 kommt. W&W dürfte damit im Branchenvergleich gut dastehen.

Stabile Dividende

Neben dem Nachholbedarf beim Aktienkurs sehen wir auch die Ausschüttung in einem positiven Licht. W&W hat angekündigt, auf der Hauptversammlung am 11. Juni in Ludwigsburg  den Anteilseignern 0,50 Euro je Aktie vorzuschlagen. Angesichts der Mehrheit der Wüstenrot-Stiftung bei der Versammlung dürfte das so durchgehen. Das entspräche dann einer soliden Dividendenrendite von 2,9%.

Solidität und Fantasie

Alles in allem ist Wüstenrot & Württembergische derzeit ein interessantes Investment abseits der großen Indizes. Klares Plus: Die Aussicht auf eine mittelfristige Aufnahme in den MDAX sollte in den nächsten Wochen weitere Investoren auf den Titel aufmerksam machen. Daneben könnte W&W selbst noch für Schlagzeilen sorgen. Wir trauen dem Unternehmen nach der Rosskur der vergangenen Jahre zu, eine aktivere Rolle in der Branche zu spielen. Die Aussicht auf stabile Einnahmen in den nächsten Jahren und einiger Probleme bei kleineren Konkurrenten könnte die eine oder andere Übernahmegelegenheit hervorbringen.

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Bild: Wüstenrot & Württembergische
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