Mittwoch , 18 Oktober 2017
Interview mit Carsten Ringler: „Solide Sachwertanlagen bleiben attraktiv!“

Interview mit Carsten Ringler: „Solide Sachwertanlagen bleiben attraktiv!“

Der Diamantenmarkt ist laut Aussage von Carsten Ringler, Geschäftsführer bei der TASS Wertpapierhandelsbank, der einzige noch funktionierende Markt. Es gibt keine Leerverkäufe oder Derivate, die den Preis beeinflussen können. Auch Silber ist für Ringler weiterhin interessant. Kurse von über 200 US-Dollar klingen zwar utopisch, wären aber begründbar, wie Ringler im Gespräch mit dem Investor Magazin erzählt.

Besprochene Unternehmen: Aurcana, Avino Silver & Gold, Santa Cruz Silver, First Majestic Silver, Silber- und Diamantenmarkt 

Carsten_Ringler_1Investor Magazin (IM): Herr Ringler, Sie sind Geschäftsführer bei der TASS Wertpapierhandelsbank. Eigentlich sollte man meinen Sie sitzen tagein tagaus in Frankfurt auf dem Parkett. Dabei haben Sie Ihren Sitz mehr als 20km davon entfernt. In welchen Geschäftsfeldern ist Ihr Haus tätig?

Carsten Ringler (CR): Unser Kerngeschäft ist der institutionelle Wertpapierhandel. Seit 20 Jahren vermitteln wir Anleihegeschäfte zwischen Investoren aus aller Welt, überwiegend Banken. Viele unserer institutionellen Kunden nutzen auch unsere Marktdatenangebote. Ein weiteres Geschäftsfeld ist das Privatkundensegment: Seit 2010 führen wir Edelmetalle, seit 2011 Anlagediamanten.

IM: Die Gold- und Silberpreise haben dieses Jahr 24% bzw. 31% verloren. Wie hat sich das auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Sehen Sie eine Korrelation zwischen den fallenden Edelmetallpreisen und steigendem Verkaufsumsätzen bei Ihnen?

CR: Unsere Kunden sind von physischen Sachwerten weiterhin überzeugt. Viele haben die Kursrückgänge für Käufe genutzt, sodass wir im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Anstieg der Umsätze verzeichnen konnten.

IM: Sie bieten interessierten Investoren auch Diamanten als Geldanlage an. Wie hat sich der Diamantenmarkt in den letzten Jahren entwickelt und wie sieht es hier mit der Nachfrage aus? Diamanten sind im Moment ja kein großes Thema in den Massenmedien.

CR: Diamanten sind in der Tat noch kein Thema für die Boulevardpresse – das ist ja das Spannende! Ein Diamanten-Investment erscheint auf den ersten Blick komplex, hat aber viele Vorteile. Anders als bei Edelmetallen gibt es im Diamantenmarkt keine Spekulanten, wie z.B. Hedgefonds. Es gibt keine derivativen Finanzinstrumente. Infolgedessen kann es auch keine Leerverkäufe geben, die die Preisentwicklung von Diamanten künstlich verzerren könnten. Der Diamantenmarkt ist somit einer der letzten natürlichen, sich nach Angebot und Nachfrage regulierenden Märkte.

Der Diamantenpreis entwickelte sich im Durschnitt der letzten Jahre äußerst positiv, angetrieben durch die wachsende Nachfrage aus dem mittleren Osten und Fernost. Hinsichtlich der Preisentwicklung kommt es auf die Qualität an. Nur absolut hochwertige Diamanten sind selten genug, um langfristige Kursgewinne zu ermöglichen. Ein lupenreiner, einkarätiger Brillant der Farbe D kostet heute rund € 20.750,– brutto und erzielte damit in den letzten 10 Jahren einen Wertzuwachs von 49,65%.

IM: Herr Ringler, Sie sind ja bekennender Silberbug. Welche Argumente sprechen für das silberne Edelmetall? Wie sehen Sie die Entwicklung des Silberpreises in den nächsten  12 Monaten / Jahren ?

CR: Gold und Silber sind seit über 5.000 Jahren bewährte Tausch- und Zahlungsmittel. Zirka 50% der weltweiten Nachfrage kommen aus der Industrie. Silber wird wegen seiner hervorragenden physikalischen Eigenschaften für über 10.000 industrielle Anwendungen benötigt. Hinzu kommt eine wachsende Nachfrage von Anlegern, die sich vor einer Verschärfung der Schuldenkrise und steigenden Inflationsraten schützen möchten.

Werfen wir einen Blick auf Indien, das neben China zu den größten Silberimportländern gehört: Indien hat von Januar bis August 2013 insgesamt 128,6 Mio. Unzen importiert. Diese Zahl ist doppelt so hoch wie die gesamten Importzahlen des Jahres 2012 und entspricht knapp 16% der Weltminenproduktion. Der Silbermarkt ist im Vergleich zu Gold und Papiergeld sehr klein: Rund 762 Mio. Unzen entstammen der Minenproduktion, ca. 250 Mio. Unzen werden im Recycling gewonnen. Somit beträgt der Marktwert nur ca. 21 Mrd. $. Äußere Einflüsse wie z.B. steigende Inflationsraten wirken sich auf einen kleinen Markt sehr deutlich aus. Ich rechne langfristig mit einem Vertrauensverlust in das Papiergeldsystem und infolgedessen mit einem erheblichen Kursanstieg. Ich möchte zwei Prognosemethoden auf den künftigen Silberpreis vorstellen:

Erstens lässt sich der Silberpreis anhand der Kaufkraft prognostizieren. Dazu verwenden wir den Inflationsrechner der Federal Reserve Bank of Minneapolis. Als Orientierung dient das inflationsbereinigte Hoch aus dem Jahr 1980. Um die gleiche Kaufkraft von 50 USD aus dem Jahr 1980 zu erreichen, müsste der Silberpreis auf etwa 141,72 USD ansteigen.

Eine andere Herangehensweise ist die Ratio-Analyse, mit der sich das Werteverhältnis von Silber im Vergleich zu anderen Sachwerten ermitteln lässt. In unserem Beispiel setzen wir eine Unze Silber in Relation zu einem durchschnittlichen Einfamilienhaus in den USA. Am 18.01.1980 konnte man ein Haus für 1.488 Unzen Silber erwerben. Nach Angaben der Federal Reserve Bank St. Louis kostet ein Einfamilienhaus heute durchschnittlich 316.100 USD. Beim aktuellen Silberpreis von 20,75 USD entspricht das 15.234 Unzen Silber. Fiele die „Haus-Silber-Ratio“ wieder  auf das Niveau vom 18.01.1980 zurück – stabile Hauspreise vorausgesetzt – stünde die Unze Silber demnach bei 212,43 USD.

Angesichts des gegenwärtigen Kursniveaus mögen solche Prognosen utopisch klingen. Trotzdem sprechen weiterhin viele Argumente für das silberne Edelmetall. Ich erwarte in den nächsten 3–7 Jahren eine Kursexplosion von Gold und Silber, die die Nasdaq-Blase aus dem Jahr 2000 in den Schatten stellen wird. Eine kurzfristige Preisprognose ist wegen der massiven Marktintervention interessierter Kreise nicht einfach. Ich erwarte jedoch, dass der Silberpreis im Jahr 2014 wieder den Bereich 26/27 USD erreicht.

IM: Viele Produzenten und Explorer konnten sich dem Sog des fallenden Silberpreises nicht entziehen und haben ebenfalls eingebüßt. Dadurch haben sich aber auch viele Chancen für Anleger ergeben. Welche Unternehmen stehen im Moment ganz oben auf Ihrer Watchlist?

CR: Interessant finde ich beispielsweise die Gesellschaften Santa Cruz Silver, Aurcana und Avino Silver & Gold. Alle drei sind Junior-Silberproduzenten, bei denen ich in den nächsten 2–4 Jahren mit einer dynamischen Ausweitung des Produktionswachstums bei moderaten Förderkosten rechne. Bei der Titelauswahl achte ich auf viele Parameter, darunter hohe Erzgrade, eine gute Infrastruktur und Kapitalausstattung, weiteres Explorationspotential der Liegenschaften und vor allem ein erfahrenes Top-Management.  Alle drei genannten Gesellschaften erfüllen meines Erachtens diese Kriterien.

 

IM: Wie schätzen Sie die Auswirkungen der von Mexiko eingeführten Steuern für die Produzenten wie z.B. First Majestic Silver ein?

CR: Mexico gehört zu den wichtigsten Förderländern von Silber. Die Minenbranche ist für das Steueraufkommen des Landes sehr wichtig. Daher bleibt zu hoffen, dass die Politik die Gesetze nachbessert. Ansonsten dürften einige neue, kapitalintensive Projekte auf Eis gelegt werden, da deren Rentabilität zurückgehen wird. In einer Branchenstudie von BMO gehen die Analysten von einem moderaten Abschlag von ca. -3,5% auf den „Net-Present-Value“ der Projekte von First Majestic aus.  Ich erwarte jedoch, dass die getätigten Investitionen und das resultierende Produktionswachstum, z.B. bei der Del Toro Mine, weiter für diesen Silbertitel sprechen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Carsten Ringler ist Mitglied der Geschäftsführung der TASS Wertpapierhandelsbank GmbH und seit über 15 Jahren in verschiedenen leitenden Funktionen im Renten- und Rohstoffhandel des Unternehmens tätig. Zuvor war er im Geldhandel, später im Rentenhandel der Deutschen Bank AG beschäftigt, wo er zuletzt mit Market Making und Eigenhandel von festverzinslichen und variabel verzinslichen Wertpapieren betraut war.

Das Interview führte Chefredakteur Kai Hoffmann exklusiv für das Investor Magazin.

Bild: Heraeus
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