Samstag , 24 Juni 2017
Interview mit Douwe van Hees: „Größte Chance bei Micro- und Small Caps“

Interview mit Douwe van Hees: „Größte Chance bei Micro- und Small Caps“

Der Junior-Rohstoffmarkt wartet weiter auf eine Trendumkehr. Doch auch in schwierigen Zeiten hat man die Chance erfolgreich zu sein und sich für den nächsten Aufschwung zu positionieren. Wir sprachen mit Douwe van Hees, Fondsmager des Plethora Precious Metals Fund aus den Niederlanden.

Plethora_DouwevanHeeswebInvestor Magazin (IM): Douwe, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, um mit uns zusammen zu sitzen. Sie sind Fondmanager des Plethora Precious Metals Fund. Erzählen Sie uns und unseren Lesern mehr über Ihren Fond und wie sie arbeiten.

Douwe van Hees (DvH): Plethora wurde im Jahr 2012 gegründet. Damals sah es noch nach einem guten Zeitpunkt dafür aus. Nach einer grausigen Performance des Funds und des Edelmetallmarktes im Jahr 2013, stieß ich im Dezember als Berater bei Plethora hinzu. Die sich ändernde Marktdynamik erkennend, haben wir unsere Strategie daraufhin an die neue Situation angepasst. Für die letzten eineinhalb Jahre haben wir uns auf Privatplatzierungen ausgewählter Microcap Junior-Explorationsgesellschaften konzentriert. Dieser Teil des Marktes musste den größten Rückschlag hinnehmen und benötigt dringend Kapital. Auf Grund dieses Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage nach Kapital, sind wir in der Lage erste Anfangspositionen in Unternehmen zu einem guten Preis und mit Warrants aufzubauen.

IM: Der Junior-Rohstoffmarkt ist weiterhin in schrecklicher Verfassung. Der kanadische Autor John Kaiser spricht davon, dass über 1.000 Unternehmen an der Venture Börse in Toronto unter 0,20 CAD notieren und über weniger als 200.000 CAD verfügen. Wie schätzen Sie den Markt derzeit ein? Sehen Sie eine Aufhellung in der näheren Zukunft?

DvH: Die meisten der sogenannten Unternehmen haben es sowieso nicht verdient, notiert zu sein. Daher hat es auch etwas Gutes, wenn diese von den Kurszetteln verschwinden sollten. Das Kapital wird so effizienter verteilt. Ich glaube, dass die Lage sich für die gut geführten Unternehmen in Kürze ändern dürfte. Die Branchengrößen scheinen besser in Form zu sein; dahingehend, dass diese ihre Kosten reduzieren und ihre Bilanzen aufbessern konnten. Anderseits sind deren Reserven in den vergangenen Jahren stark gesunken. Sollten diese für weitere Jahrzehnte im Geschäft bleiben wollen, müssen sie anfangen, aggressiv organisch zu wachsen oder durch Akquisitionen die Reserven wieder aufzubauen. Ich glaube, dass diese Dynamik das Scheinwerferlicht auf hochmargige Ressourcen und umsetzbare Explorationsprojekte rücken wird.

IM: Als wir uns zuletzt auf der PDAC in Toronto sprachen, erwähnten Sie, dass Sie an einigen kleineren Privatplatzierungen teilnehmen. Was sind ihre Investmentkriterien?

DvH: Als allererstes, und das sollte eigentlich offensichtlich sein, schauen wir auf die Managementteams. Mit knappen finanziellen Möglichkeiten muss jeder Cent intelligent ausgegeben werden. Zweitens, wir spekulieren nicht auf die Preisentwicklungen der Metalle selbst, denn um ehrlich zu sein, haben wir davon keine Ahnung. Das bedeutet aber auch, dass das jeweilige Projekt die Chance haben muss, im aktuellen Preisumfeld oder auch bei niedrigeren Edelmetallpreisen eine Mine zu werden. Und zu guter Letzt schauen wir auf die Struktur des Deals. Wir haben zudem das Bedürfnis, in diesem Umfeld ebenfalls einen Warrant zu erhalten.

IM: Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen?

DvH: Aktuell glauben wir, dass die größten Chancen im Micro- und Small-Cap Juniorexplorations-Bereich liegen.  Das Risiko, dass in diesem Bereich immer hoch ist, wird unserer Meinung nach dadurch reduziert, das die Marktbewertungen bereits sehr niedrig sind. Heutzutage zahlt niemand mehr über 20 Mio. CAD für ein Projekt auf der grünen Wiese. Das war durchaus der Fall während des Runs der Märkte 2009 und 2010. Heute bedarf es einer attraktiven Ressource oder einer fortgeschrittenen Explorationsgesellschaft, um diesen Preis zu erzielen.

IM: Der Markt sucht derzeit händeringend nach einem Katalysator, der die Preise wieder nach oben bringt. Was könnte das sein?

DvH: Da gibt es viele Möglichkeiten. Zuerst fällt da einem eine Beschleunigung der M&A-Aktivitäten ein. Dies würde die Preise im gesamten Sektor hochtreiben, da die Spekulationen zunehmen und es zu einem Recycling des Geldes kommt. Zweitens, anhaltende  bzw. nachhaltige Gewinne der großen Mininggesellschaften wie Barrick Gold, Goldcorp und Newmont Mining. Diese Großunternehmen sind das erwünschte Ziel der meisten Entwicklungsprojekte, die darauf warten, übernommen zu werden. Wenn es den großen Bergbaugesellschaften gut geht, werden die Entwicklungsgesellschaften kurz darauf folgen. Und drittens: höhere Metallpreise werden ebenfalls für einen Aufschwung der Aktienkurse sorgen, weil marginale Projekte dann auch wieder wirtschaftlich werden.

IM: Abgesehen von den Edelmetallen: was erwarten sie von den anderen Rohstoffen in diesem Jahr?

DvH: Wie bereits erwähnt sind wir nicht die Experten, um Rohstoffpreise vorherzusagen, da viel zu viele Variablen im Spiel sind, um eine vernünftige Aussage treffen zu können. Was ich allerdings sehe, ist eine sich verlangsamende Weltwirtschaft, die zudem von Schulden belastet wird. Ich bin mir nicht sicher, ob die Rohstoffpreise in diesem Umfeld steigen können.

IM: Unsere Leser interessieren sich auch für ihre Top-Picks für 2015. Welche Firmen dürften am meisten zulegen und warum?

DvH: Ich gebe Ihnen gerne drei Namen, die meiner Meinung nach spannend sind.

Die erste Firma heißt Medgold Resources. Hierbei handelt es sich um ein Unternehmen der Gold Group, angeführt von Simon Ridgeway, der sich einen Namen mit Fortuna Silver machte. Vor kurzem hat man eine Joint Venture-Optionsvereinbarung mit Centerra Gold, einem Midtier-Produzenten, für das Lagares-Projekt in Portugal unterschrieben. Diese Vereinbarung folgte auf sehr beeindruckende Bodenproben auf den Castromil und Serra da Quinta Zielen. Medgold begann Ende März mit Bohrungen und ich rechne damit, dass die ersten Bohrergebnisse bald vorliegen dürften. Mitte März meldete das Unternehmen weiterhin ein Joint Venture-Abkommen mit dem türkischen Goldproduzenten Kaza Ltd.  für das Boticas Projekt. Die Vereinbarung wurde von einem 1,5 Mio. CAD Investment in das Unternehmen begleitet. Ich gehe davon aus, dass dieser Deal in Kürze abgeschlossen sein dürfte.

Die zweite Firma heißt Precipitate Gold. Das Unternehmen verfügt über ein erstklassiges Managementteam um Jeff Wilson, Quinton Hennigh und Adrian Fleming. Der Vollständigkeit halber und aus Transparenzgründen, Adrian Fleming ist gleichzeitig auch Berater unseres Funds. Letztes Jahr bohrte Precipitate sechs Löcher auf dem Ginger Ridge-Projekt in der Dominikanischen Republik. Bohrloch Nummer 5 stieß auf imposante, halbmassive Sulfide, die 4,5 g/t Gold über eine Länge von 18 Metern beinhaltete. Wichtig zu wissen ist auch, dass es das einzige Loch war, das auf  Polarisierungsanomalien zielte, während die anderen auf geologische Anomalitäten zielten. Die Korrelation zwischen Polarisierungsanomalie und Bohrerfolg erkennend, erweiterte das Unternehmen sein IP-Ziel von 400 auf 1000 Meter Streichenlänge. Die interessanten Ziele hierbei müssen noch mit dem Bohrgerät getestet werden.

Zu guter Letzt: das Unternehmen Source Exploration. Das Team exploriert auf dem Veracruz-Projekt in Mexiko nach kupferhaltigem Kalksilikatfels. Die jüngsten Bohrergebnisse deuten darauf hin, dass die Skarn-Mineralisierung ausgedehnt und mit Kupfer und Gold angereichert ist. Meiner Meinung nach ist es durchaus vergleichbar mit dem Media Luna-Projekt von Torex Gold (5,8 Mio. Unzen Goldäquivalent).

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Chefredakteur Kai Hoffmann führte das Interview in englischer Sprache. Die Originalversion finden Sie auf
http://www.investor-magazin.de

Disclaimer: Plethora hält Beteiligungen an Goldcorp, Medgold Resources, Precipitate Gold und Source Exploration.

Bild: Precipitate Gold

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