Samstag , 21 Oktober 2017
Crowdfunding: Rendite und Gewissen

Crowdfunding: Rendite und Gewissen

Jahrbuch Crowdfunding 2015

Der Traum von der ersten eigenen Modekollektion, die Wachstumsfinanzierung für einen Berliner Chiliproduzenten oder ein Tanzprojekt für Menschen, die an Parkinson erkrankt sind – wer sich auf Crowdfunding-Plattformen wie Startnext umschaut, findet viele kleine Unternehmungen und Projekte, die um das Geld von Privatpersonen werben. Dabei geht es beim Crowdfunding darum, dass viele kleine Geldgeber ein Projekt finanzieren, dass auf andere Weise nicht zustande kommen würde. Vielleicht ist es ein Zufall, dass diese Form der Investition gerade in einer Phase von Niedrigzinsen boomt. Denn die üblichen Finanzierungswege sind für viele verstopft. Banken finanzieren kleine, meist innovative Unternehmen oft nicht, da sie ein hohes Risiko sehen.

Für die Börse sind diese Firmen oftmals zu klein. Dazu kommt: beim Crowdfunding geht es so manches Mal nicht nur um Renditeaspekte. Oft wird ein besonderes Produkt wie ein besonders gestaltetes Buch finanziert. Die Geldgeber erhalten dann ein Exemplar. Ähnlich läuft es auch oft bei Produkten, die für bestimmte, sehr kleine Zielgruppen gedacht sind. Doch es gibt auch die Investments mit Kick. Der Kinofilm „Stromberg“ mit Christoph Maria Herbst sammelte eine Million Euro durch die Crowd ein und brachte aufgrund des großen Erfolgs an den Kinokassen in einer ersten Tranche 17% Rendite für die Geldgeber.

Big Business mit der Crowd

Inzwischen ist zumindest in den Vereinigten Staaten aus dieser Schwarmfinanzierung ein großes Geschäft geworden. Der amerikanische Marktführer Kickstarter hat bis Oktober bereits 2 Mrd. US-Dollar eingesammelt. Und auch dort ist die Nische gefragt. Zu den erfolgreichsten Finanzierungsprojekten zählen beispielsweise Comicbücher. 50% der angebotenen Projekte wurden in diesem Segment auf Kickstarter realisiert. In Deutschland gibt es inzwischen mehr als ein halbes Dutzend Plattformen. In den ersten neun Monaten haben Privatpersonen bereits 170 Mio. Euro in die offerierten Projekte investiert.

Jahrbuch Crowdfunding

Nun gibt es auch ein erstes Jahrbuch zum Thema Crowdfunding. Herausgeber sind der Unternehmer und Journalist Oliver Gajda, der Multi-Unternehmer und Ex-Analyst Karim Serrar sowie der Kommunikationsfachmann Frank Schwarz. Das Werk bietet einen umfassenden Überblick zum aktuellen Stand der Schwarmfinanzierung in Deutschland. Von Regulierungs- und Besteuerungsfragen, dem Konsumentenschutz bis zu aktuellen Trends werden diverse Aspekte in Expertenbeiträgen erörtert. Interessant finden wir für Anleger und Unternehmer vor allem drei Punkte:

  • zum einen werden vier Unternehmen vorgestellt, die sich erfolgreich über entsprechende Plattformen finanzieren konnten
  • Exitmöglichkeiten: Wie kommen Privatanleger eigentlich wieder aus einem Unternehmen raus, wenn irgendwann einmal Kasse gemacht werden soll?
  • Der Vergleich mit Aktien: Anlegern steht bereits ein Universum von mehreren tausend Aktien allein in Deutschland zur Verfügung. Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen einer Aktie und einem Crowdfunding-Investment?

Investieren wie die VC-Investoren?

Selbst Branchenexperten können oft nicht einschätzen, welches der angebotenen Projekte den größten bzw. überhaupt einen wirtschaftlichen Erfolg verspricht. Daher ist das Risiko, dass man etwas finanziert, was sich nie am Markt durchsetzen wird, relativ groß. Für Privatanleger bieten sich daher grundsätzlich zwei Strategien an, wenn sie mit Crowdfunding-Investments Geld verdienen wollen. Entweder man wendet die Strategie der großen Venture Capital-Investoren an und setzt auf viele verschiedene Projekte. Hat man nur einen großen Treffer dabei, dürfte man das eingesetzte Kapital vervielfacht haben. Oder aber: man bringt Spezialwissen mit und beschäftigt sich sehr eingehend mit den Chancen einzelner Firmen und setzt dann sein Kapital gezielt ein. Beides kann, aber muss nicht zum Erfolg führen. Fakt ist: Crowdinvestments sind vor allem auch Risikoinvestments wie man sie sonst nur aus dem Start-Up-Geschäft mit jungen IT- oder Biotechunternehmen kennt.3

Hinweis: Das „Jahrbuch Crowdfunding 2015“ (ISBN: 978-3-00-051200-1) ist bei Slingshot Return erschienen. Mehr unter www.slingshotreturn.com.

Bild: pixabay - ralph
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