Montag , 23 Juli 2018
Lufthansa: Airline-Aktie am Wendepunkt

Lufthansa: Airline-Aktie am Wendepunkt

Am morgigen Donnerstag wird die Lufthansa ihre Zahlen für das dritte Quartal vorstellen. Die Erwartungen des Marktes sind aufgrund mehrfacher Pilotenstreiks gedämpft, was sich in den vergangenen Monaten auch in der Aktie bemerkbar machte. Der DAX-Wert hat seit dem Jahreshoch im Juni etwa 40% seiner Marktkapitalisierung verloren. Neben den Arbeitsaussetzungen gibt es aber einen noch wesentlicheren Faktoren für diese Abverkäufe. Aufgrund der getrübten Erwartungen für die Weltkonjunktur rechnen Investoren mit einem niedrigeren Passagieraufkommen. Insbesondere bei Geschäftsreisen wird bei einer Abschwächung gerne gespart.

Wie stark wirkt der Ölpreis auf den Gewinn?

Allerdings glauben wir, dass diese Negativfaktoren bereits eingepreist sein dürften. Der Firmenwert hat sich schließlich nahezu halbiert. Ein anderer Faktor sorgt in der Finanzwelt für heiße Diskussionen. Wie sehr kann die Fluglinie von den gefallenen Ölpreise profitieren? Bekannt ist, dass die Lufthansa einen Teil seines Kerosinbedarfs, und das sind laut Unternehmensschätzungen rund 6,7 Mrd. Euro in diesem Jahr, im Voraus absichert. Somit wird die Airline nicht eins-zu-eins von den niedrigeren Energiepreisen profitieren, man hat ja vorher schon teurer gekauft. Das ist klar. Doch bei mehr als einer halben Milliarde Ausgaben im Monat sollte sich das niedrige Ölpreisniveau bemerkbar machen, denn keine Airline sichert sich seinen Bedarf zu 100% im Voraus ab. Der Wert dürfte eher im niedrigen zweistelligen Prozentbereich liegen.

Skeptischer Markt

„Der fallende Ölpreis wird die Lufthansa in diesem Jahr kaum entlasten, da das Unternehmen seine Kerosin-Käufe stark gehedged hat“, wird beispielsweise Luftfahrt-Analyst Jochen Rothenbacher von Equinet zitiert. Da halten wir dagegen. Im vierten Quartal schon dürften sich die niedrigeren Kosten bemerkbar machen. Dazu kommt: viele glauben, dass der aktuelle Ölpreisrutsch nur kurzfristiger Natur ist. Das hohe Angebot und die großen politischen Interessen an einem niedrigen Ölpreis, vor allem in den USA (siehe Editorial der Vorwoche), sprechen aber gegen diese These. Die Notiz für die europäische Sorte Brent sollte sich dauerhaft zwischen 80 und 90 US-Dollar je Barrel bewegen, und damit etwa ein Viertel unter dem Niveau der Vorjahre. Dafür spricht auch das Argument, dass andere gegen die Lufthansa-Aktie anführen: eine mögliche Abschwächung der Weltwirtschaft.

Negativfaktoren sind drin

Alles in allem sollten die morgigen Quartalszahlen positiv aufgenommen werden. Entscheidend wird wohl sein, wie das Unternehmen die weiteren Aussichten kommentiert. Wenn der Vorstand klug ist, wird er sich nicht weit aus dem Fenster lehnen, aber vorsichtig optimistisch auf 2015 blicken. Der Analystenkonsens geht übrigens für 2014 von einem Umsatz von 30,04 Mrd. Euro aus. Für das kommende Geschäftsjahr wird ein leichtes Umsatzplus erwartet. Beim Gewinn je Aktie soll es aber einen deutlichen Sprung auf 2,20 Euro geben.

Attraktiv bewertet

Damit kommt die Lufthansa-Aktie (12,35 Euro; DE0008232125) auf ein 2015er Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6. Die Erwartungen sind also sehr niedrig. Anleger sollten zudem der Ausschüttung Beachtung schenken. Dieses Jahr gab es 0,45 Euro je Anteilschein. Sollte die Dividende stabil gehalten werden, wovon wir ausgehen, dann entspricht das einer Rendite von 3,6%.

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Bild: Lufthansa
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