Montag , 18 Oktober 2021

Aktie der Woche: ElringKlinger – Schluss mit dem Ausverkauf?

„Wenn wir heute die Produktion einstellen, steht in einer Woche 80% der weltweiten Autoproduktion still.” So selbstbewusst trat ElringKlingers Vorstandschef Stefan Wolf vergangene Woche vor Investoren auf. Wahrscheinlich ist der CEO des Traditionsunternehmens derzeit ziemlich genervt, da muss man auch mal einen starken Spruch raushauen. Denn während es operativ bei dem Konzern aus Dettingen läuft, preisen die Börsianer schon eine Abschwächung des weltweiten Autoabsatzwachstums in die Aktie ein. Der Autozulieferer verlor auf dem Parkett allein seit Anfang Juni rund ein Viertel seiner Marktkapitalisierung. Vom Allzeithoch bei mehr als 35 Euro Ende vergangenen Jahres hat man sich sogar noch deutlicher verabschiedet. Doch im Chart gibt es erste Entwarnungstendenzen. Nachdem das Papier quasi ungebremst Richtung 23 Euro fiel, hat sich das Papier in den vergangenen Tagen wenigstens etwas erholt. Offenbar wird gerade an einer Bodenbildung gearbeitet. Es wird also Zeit, sich die Aktie einmal näher anzuschauen.

Leichtes Wachstum im Q2

ElringKlinger ist ein klassischer Autozulieferer. An 42 Standorten weltweit stellt das Unternehmen unter anderem Zylinderköpfe- und Spezialdichtungen, Gehäusemodule und Abschirmteile für Motoren, Getriebe oder auch Abgasanlagen her. Zu den Kunden zählen fast alle namhaften Hersteller Europas und Nordamerikas, zudem auch zahlreiche Konzerne aus Ostasien. Im zweiten Quartal setzte ElringKlinger trotz Währungskursbelastungen mit 333,5 Mio. Euro rund 12,6% mehr als im Vorjahresquartal um. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte leicht auf 41,5 Mio. Euro zu. Unterm Strich verblieb ein Gewinn von 28,5 Mio. Euro, also rund 8,8% mehr als im Vorjahr.

Euro-Schwäche hilft

Doch an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und da gibt es derzeit viele Unsicherheitsfaktoren. Zum einen wären die geopolitischen Krisen zu nennen, die sich aufgrund der Sanktionen gegen Russland direkt bemerkbar machen können. Dazu kommen Schwierigkeiten auf dem brasilianischen Automarkt, der 2014 nicht die Erwartungen der Branche erfüllt. Dafür läuft es aber bisher in Nordamerika und Ostasien besser als erwartet. Alles in allem kommt es wohl darauf an, welche Entwicklung sich stärker im zweiten Halbjahr bemerkbar machen wird. ErlringKlinger wird aber zumindest einen Vorteil haben. Nachdem EZB-Chef Mario Draghi mit seiner Geldpolitik für eine kräftige Talfahrt des Euros sorgte, ist die „starke“ Heimatwährung aus dem ersten Halbjahr kein Thema mehr. Dieser Belastungsfaktor fällt also weg.

Moderate Bewertung

Interessant ist die Aktie (23,61 Euro; DE0007856023) nach dem jüngsten Kurssturz allemal. ElringKlinger bringt es derzeit auf einen Börsenwert von rund 1,5 Mrd. Euro. Das sind nur rund 10% mehr als der erwartete Umsatz für 2015. In diesem Jahr gehen Analysten von einem Gewinn je Aktie von 1,60 Euro aus, im kommenden Geschäftsjahr soll diese Kennzahl auf mehr als 1,80 Euro steigen. Damit käme der Titel auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von moderaten 13. Dazu kommt eine attraktive Dividendenrendite. In diesem Frühjahr schüttete ElringKlinger 0,50 Euro je Anteilschein aus, mindestens genauso viel dürften es auch im kommenden Frühling werden – eher mehr. Wir setzen auch in diesem Fall auf die Analystenschätzungen und gehen von 0,60 Euro aus, eine Ausschüttungsrendite von 2,5%. Das ist zwar kein Top-Wert, in Zeiten von Nullzinsen aber vorzeigbar. Auch die Bilanz lockt: Die Eigenkapitalquote beträgt 49,8%, in der Kasse liegen rund 60 Mio. Euro. Alles in allem sollte die Aktie in den nächsten Monaten mit Kursgewinnen überzeugen.

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Bild: ElringKlinger

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