Samstag , 17 August 2019
Editorial vom 01.10.2014

Editorial vom 01.10.2014

Liebe Leser!

604 Mio. Euro hat der Online-Modehändler Zalando am heutigen Mittwoch mit seinem Börsengang eingenommen. Es könnte der Startschuss für einen heißen IPO-Herbst an den deutschen Börsen sein. Man will es da zumindest ein wenig den Amerikaner nachmachen, die ja gerade mit Alibaba den größten Börsengang aller Zeiten feiern konnten. Zalando ist immerhin der größte Börsengang des Jahres in Frankfurt und seit dem Jahr 2007, als der Motorenbauer Tognum auf dem Kurszettel erschien und 700 Mio. Euro einsammelte. Morgen aber schon wird Rocket Internet, der Inkubator von Zalando, ebenfalls in Frankfurt den Schritt auf das Parkett wagen. Dann sollen gleich 1,6 Mrd. Euro erlöst werden.

Keine neue Euphorie

Von einer neuen Internet-Euphorie wollen wir aber nicht sprechen. Zum einen zeigen die ersten Kurse von Zalando, dass die Investoren nicht bereit sind, jeden Preis zu zahlen. Zum zweiten sind die Bewertungen kein Vergleich zu den Zeiten am Neuen Markt, als zur Jahrtausendwende Unternehmen ohne Geschäftsmodell Millionen einsammelten. Bei Zalando und der Internet-Beteiligungsgesellschaft handelt es sich schließlich um Gesellschaften, die schon hohe Umsätze generieren und teilweise bereits Gewinne erwirtschaften. Vor knapp 15 Jahren schafften es auch Bruchbuden an die Börse, die nur mit Ideen vorpreschten, aber nicht mit Kunden glänzen konnten. Und nicht zuletzt: Der normale Privatanleger hat bei diesen Börsengängen keine Chance. Das abnehmende Interesse an Aktien hat dazu geführt, dass bei solchen IPOs lediglich Profianleger Anteile bekommen. Ohnehin waren die Papiere von Zalando rund zehnfach überzeichnet. Zwei Drittel der Aktien ging an 20 große Investoren. Das war uns schon vor Wochen klar, daher lohnte es sich nicht, auf diese Aktie näher einzugehen.

Viele Unternehmen in den Startlöchern

Nun aber kann jeder Anteile kaufen. Wir werden die erste Entwicklungen abwarten. Langfristig hat Zalando gute Chancen, sich aufgrund seiner Marktmacht und seiner Kostenvorteile positiv zu entwickeln. Kurzfristig aber könnte ein Short-Engagement bei dem Wert interessant sein. In den vergangenen Jahren hatten Internet-IPOs wie Facebook oder Twitter das erste Jahr an der Börse mit Kursverlusten bezahlen müssen. Fakt ist aber auch: mit Tele Columbus und dem Autozulieferer Hella stehen die nächsten Börsenneulinge in den Startlöchern. Das Umfeld scheint also gut zu sein. Wie sagte ein Beobachter heute: „Für jeden, der seine Hausaufgaben gemacht hat, ist es jetzt an der Zeit, an die Börse zu gehen.“

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Bild: Martin Kolb / pixelio.de

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