Dienstag , 15 Oktober 2019
RTL Group: Hat die Aktie den Boden gefunden?

RTL Group: Hat die Aktie den Boden gefunden?

Ein kleiner Riss geht durch die Analystenlandschaft, wenn es um die Aktie der RTL Group (71,00 Euro; LU0061462528) geht. Während beispielsweise die französische BNP Paribas (Kursziel: 71 Euro) und die Genossen von der DZ Bank zuletzt zum Verkaufen geraten haben und ihre Kursziele drastisch reduzierten, sind andere optimistischer. So hält die Privatbank Hauck & Aufhäuser an ihrer Einschätzung fest und empfiehlt den Titel trotz eines enttäuschenden Gewinn je Aktie zum Halbjahr weiterhin für attraktiv. Sie hat ein Kursziel von 81 Euro aufgerufen. Analyst Christian Glowa baut vor allem auf die hohe Dividendenrendite. Das gleiche Kursziel sieht auch die amerikanische JPMorgan. Die Deutsche Bank bläst ins gleiche Horn und hob ihre Gewinnschätzungen für die kommenden drei Jahre sogar an. Analystin Laurie Davison reduzierte ihr Kursziel zwar von 112 Euro auf 100 Euro. Im Vergleich zur aktueller Notiz wäre das immer noch eine Chance von rund 40%.

Ungarn und Frankreich drücken aufs Geschäft

Fakt ist: die Halbjahreszahlen des Kölner TV-Konzerns mit Sitz in Luxemburg waren wenig überzeugend. Zwischen Januar und Juni sank der Umsatz um 2,5% auf 2,7 Mrd. Euro. Der operative Gewinn (EBITA) gab um 6% auf 519 Mio. Euro nach. Unter dem Strich brach der Gewinn um fast die Hälfte auf 247 Mio. Euro ein. Die Gründe für die schwache Geschäftsentwicklung haben zweierlei Ursachen: erstens wurde RTL von einer neuen Werbesteuer in Ungarn getroffen, die vor allem politische Hintergründe hat. Das allein machte nicht-cash-wirksame Abschreibungen in Höhe von 88 Mio. Euro notwendig. Zudem gingen die Werbeeinnahmen der französischen Tochter M6 auf Grund der wirtschaftlichen Situation in Frankreich zurück.

Deutschland sorgt trotz WM für Stabilität

Als Gewinnstütze erwies sich dagegen wieder einmal das Deutschland-Geschäft der Rheinländer. Dabei musste sich RTL im Juni gegen die Fußball-WM bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wehren. Insbesondere der optimistische Werbeausblick für diesen Kernmarkt sollte im zweiten Halbjahr für wachsende Einnahmen sorgen. Dennoch machte die Entwicklung bei den schwachen Töchtern eine Herabsenkung der Gesamtjahresprognose notwendig.

Dividende lockt

Schaut man auf die Bewertung, finden sich aber auch Kaufargumente. Für dieses Jahr wird ein Umsatz von 5,76 Mrd. Euro und für 2015 in Höhe von 5,9 Mrd. Euro prognostiziert. Beim Gewinn je Aktie rechnet der Analystenkonsens mit 4,61 bzw. 4,87 Euro. Daraus ergeben sich Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 15,6 und 14,7. Das ist für einen defensiven Wert angemessen, aber noch nicht zu teuer. Interessant ist aber vor allem die Dividendenrendite. Die Analystenzunft rechnet für dieses Geschäftsjahr mit mehr als 5 Euro pro Anteilschein. Somit dürfte die Rendite über 7% liegen. Dazu kommt, dass es Großaktionär Bertelsmann nicht wirklich gut geht. Die Gütersloher haben ein großes Interesse daran, dass die Cashcow weiterhin ordentlich ausschüttet. Das ist neben dem Kursabsturz der vergangenen Wochen und den überwiegend niedrigen Markterwartungen für uns das derzeit wichtigste Kaufargument.

Rückkehr wagen

Wir waren bereits zwischen Juni 2013 und März 2014 bei der Aktie engagiert, ehe sie durch unseren Stopp fiel und uns einen ordentlichen Gewinn von 41,5% bescherte. Nun wollen wir bei RTL wieder einsteigen. Die Aktie pendelt gerade auf einem Niveau, auf dem sie bereits vor einem Jahr die Kehrtwende nach oben vollzog, charttechnisch bewegt sie sich aber noch nicht in sicheren Gefilden.

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Bild: RTL Group
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