Sonntag , 27 Oktober 2019
Desertec: Solarstrom aus der Wüste mit Zukunft?

Desertec: Solarstrom aus der Wüste mit Zukunft?

Solarstrom aus der Sahara für Europa? Eigentlich eine gute Idee, aber wohl kaum realisierbar. Dabei scheint es zunächst nicht an dem Investitionsvolumen von bis zu 400 Milliarden Euro zu scheitern, sondern eher an politischen Vorstellungen und der Verwendung der erzeugten Energie. Wir haben uns für Sie mal näher mit dem kühnen Projekt beschäftigt. 

Die DESERTEC Foundation ist eine 2009 gegründete, gemeinnützige Stiftung. Sie ging aus dem TREC Netzwerk („Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation“) und dem Club of Rome, der sich mit Zukunftsfragen beschäftigt, hervor. Das DESERTEC-Konzept basiert darauf, an energiereichen Orten auf der Erde Ökostrom zu produzieren und dahin zu leiten, wo ein hoher Energiebedarf besteht. Alle Arten der erneuerbaren Energien, einschließlich Windkraft, sollen bedacht werden. Ein besonderer Fokus wird zunächst aber auf solarthermische Kraftwerke und Photovoltaikanlagen gelegt.

Erste Fokusregion zur Umsetzung eines solchen Projektes sind Nordafrika und der Mittlere Osten. Der erzeugte Strom soll zunächst den Eigenbedarf der Länder in der Region decken und später auch nach Europa exportiert werden. Geplant ist, mit dem sauberen Strom im Jahr 2050 rund 15 Prozent des Strombedarfs in Europa zu decken.

Im Sommer 2009 wurde hierfür die DII GmbH (Desertec Industrial Initiative) als Industriekonsortium gegründet. Die Gesellschaft sollte sich um die Aufgaben im Mittelmeerraum sowie Nahen Osten kümmern. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderem große Konzerne wie Münchner Rück, Eon, RWE und Schott Solar, aber auch die DESERTEC Foundation, die sich jetzt aus dem Konsortium verabschiedet hat. Bereits vor ihr sind auch Siemens und Bosch Rexroth aus dem Projekt ausgestiegen.

Streit über Stromverteilung

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll es innerhalb des Industriekonsortiums zu einem Bruch gekommen sein. Streitpunkt sei die Frage, ab wann der Wüstenstrom auch nach Europa exportiert werden solle. Auch die Tatsache, dass von den 50 Gründungsmitgliedern nur noch 30 übrig sind, erhöhe den Druck. Mit dem Ausstieg der DESERTEC Foundation zieht sich nun der Namensgeber zurück. Als Grund bezeichnet Stiftungsgeschäftsführer Thiemo Gropp die Streitigkeiten des Industriekonsortiums, das nicht mehr unter dem Namen DESERTEC geführt werden soll. Die Stiftung galt als Zugpferd der Initiative. Ohne diese dürfte es schwierig sein, die Aktivitäten fortzusetzen. Da viele Mitglieder aus der EU stammen, hätte man einen Streit fast schon vorhersehen können. Wichtig jedoch, RWE und Eon haben eine weitere Zusammenarbeit mit der Initiative bereits bestätigt und Unterstützung zugesagt.

Projekt von Anfang an ohne Überlebenschance?

Viele Experten sind sich einig: DESERTEC ist und war von Anfang an eine Totgeburt. Bei einem Projekt dieser Größenordnung gibt es einfach zu viele Gründe, die eine Umsetzung unmöglich machen. Bestes Beispiel sind die jüngsten Streitigkeiten über die Stromverteilung. Dabei streiten aktuell nur ein paar Unternehmen miteinander. Länderregierungen und um Wählerstimmen kämpfende Politiker haben sich da noch gar nicht eingemischt. Spätestens jedoch wenn es um die Finanzierung des Megaprojektes geht, dürfte dieses im Sande stecken bleiben. 400 Milliarden Euro soll das Projekt ersten Schätzungen zu Folge bis 2050 verschlingen. Aber auch Punkte wie „Monopolisierung des Strommarktes“ oder „Versorgungssicherheit“ müssen hier aufgeführt werden.

Umsetzbar wohl eher in Hollywood

Eine Studie des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt bestätigt zwar die technische Machbarkeit des Megaprojektes, wirtschaftlich und politisch umsetzbar wird dieses jedoch nur als Hollywood-Blockbuster sein. Vielleicht hat James Cameron ja eine Idee.

Nach oben scrollen