Sonntag , 27 Oktober 2019
Aktie der Woche: ExxonMobil – Ist die Zeit reif für einen Wiedereinstieg?

Aktie der Woche: ExxonMobil – Ist die Zeit reif für einen Wiedereinstieg?

In Ausgabe 95 sind wir bei all unseren Ölwerten ausgestoppt worden – wohl gemerkt ohne Verluste. Grund für die Ausbuchungen war selbstverständlich der Ölpreis, der seit dem Sommer wie ein Stein fiel. Seit Juni 2014 ging es in der Spitze um über 60 US-Dollar nach unten. Doch seit Anfang Februar scheint sich eine Trendumkehr abzuzeichnen. Am gestrigen Dienstag legte der Preis je nach Sorte um mehr als 5% zu.

Ist die Trendwende nachhaltig?

Eines sollte Anlegern klar sein: der niedrige Ölpreis hilft auf Dauer niemandem. Nicht den Amerikanern, nicht den Saudis und vor allem nicht den Russen. Für die Amerikaner ist es ein riesiges Konjunkturpaket. Der Preis je Gallone Benzin ist von noch rund 3 US-Dollar im Herbst auf heute 1,80 US-Dollar gesunken. Kurztrips und Wochenendreisen mit dem Auto sind wieder erschwinglich geworden. In den nächsten Quartalen sollte demnach die Tourismusbranche profitieren. Doch die Amerikaner laufen Gefahr ihre fast erreichte Autarkie zu verlieren. Der Frackingboom sorgte dafür, dass der Eigenbedarf fast vollständig gedeckt werden konnte. Doch neue Investitionen sind wirtschaftlich derzeit nicht begründbar und so könnte es mittelfristig zu einem massiven Rückgang der Förderquoten kommen. Denn beim Fracking fällt die Produktionsrate nach dem ersten Jahr massiv ab. Um den Frackingboom aufrecht zu erhalten, muss Öl über 60 besser sogar 70 US-Dollar notieren. Ausführlichere Informationen finden Sie auf Seite 6.

Ergebnisse unter Druck

Es ist wenig überraschend, dass die Umsätze der Ölproduzenten im letzten Quartal unter Druck gerieten. Doch insbesondere bei den integrierten Riesen der Branche, wie ExxonMobil (92,25 US-Dollar; US30231G1022), fiel der Einnahmerückgang geringer aus wie allgemein befürchtet. Am Montag legten die Amerikaner ihre Zahlen für 2014 vor und mussten ein Umsatzminus von lediglich 6% auf Jahressicht hinnehmen. Auf Grund eines Aktienrückkaufprogrammes im vergangenen Jahr, stieg der Gewinn je Aktie um 3,1% auf 7,60 US-Dollar. Außerdem hob das Unternehmen zum 32. Mal in Folge seine Jahresdividende an. Diese wurde um 9,8% auf 2,70 US-Dollar erhöht und wird quartalsweise gezahlt. Das entspricht aktuell einer Rendite von 3%. Die Dividende für das Q1 wurde auf 0,69 US-Dollar taxiert und soll am 10. März gezahlt werden. Schaut man allerdings nur auf die Q4-Zahlen, sieht es nicht ganz so rosig aus. Im Jahresvergleich fiel die Ölproduktion um 3,8%, die Einnahmen im Upstream-Geschäft gingen um 1,3 Mrd. US-Dollar auf 5,5 Mrd. US-Dollar zurück. Die Einnahmen im Downstream-Geschäft halbierten sich sogar. All dies scheint jedoch eingepreist zu sein, denn die Aktie notierte fester und konnte mit dem Ölpreis zulegen.

Aktienrückkauf soll in Q1 weitergehen

2014 wendeten die Texaner rund die Hälfte des Cashflows von 45,2 Mrd. US-Dollar für Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe auf. Auch im Q1 sollen für rund 1 Mrd. US-Dollar eigene Anteile zurückgekauft werden. Sollte es allerdings zu einem weiteren Rückschlag beim Ölpreis kommen, ist eine Aussetzung des Rückkaufprograms ein Risiko, dass man einkalkulieren muss (siehe Chevron).

Diversifikation schützt vor Schlimmerem

Die Texaner werden zwar vom Markt als Ölförderer und -produzent gesehen, doch das ist nicht die ganze Wahrheit. So liefert ExxonMobil Gas und Petroleumprodukte und ist Betreiber von Stromkraftwerken. Das unternehmerische Risiko wird so clever verteilt und das ist eine Erklärung dafür, warum die Aktie nicht mit dem Gesamtmarkt und dem Ölpreis abgerauscht ist. Weiterhin spricht für den Titel ein historisch niedriges KGV von 11, das weit unter dem Marktdurchschnitt von 18 liegt.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 108

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Bild: ExxonMobil
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