Sonntag , 27 Oktober 2019
Editorial vom 04.02.2015

Editorial vom 04.02.2015

Liebe Leser!

Die neue griechische Regierung rüttelt Europa wach – und das ist auch gut so. Das ewig vor sich hin Wurschteln der meisten „Führungskräfte“ in Berlin, Paris oder Brüssel wird durch den charmanten Populisten Alexis Tsipras beendet. Der Aufsteiger aus Athen pokert hoch und könnte als „Gewinner“ aus dem Geschacher um Milliardenhilfen gehen, ohne das gleich das ganz Abendland oder auch nur Europa in Schutt und Asche versinken. Denn eines muss man Tsipras lassen: Er setzt Dinge in Bewegung.

Die Machtverhältnisse in Griechenland werden kräftig durcheinandergewirbelt. Die alte Hellas-Elite, die für den Verfall des Landes verantwortlich war und trotzdem von Brüssel hofiert wurde, wurde aus ihren Ämtern gejagt. Besonders bitter ist, dass Tsipras dabei genau zu wissen scheint, wo er die Geldgeber treffen kann. Schließlich hat niemand die Griechen oder Griechenland gerettet, wie uns seit Jahren erzählt wird. Es waren vor allem französische, deutsche und italienische Banken, die von den Rettungsmaßnahmen profitierten. Die haben sich mit Griechen-Anleihen verzockt, der europäische Steuerzahler hat sie Ihnen abgekauft. Kurz gesagt: Es war eine indirekte Beihilfe für opportunistische Bankmanager, die als Heldentat verkauft wurde.

Die Wahrheit tut oft weh, denn mit ihr ist auch das Scheitern verknüpft. Im ganz konkreten Fall ist es vor allem Kanzlerin Angela Merkel, deren Politik zu Grabe getragen wird. Sie hat die starke Frau Europas gespielt und dabei die Zukunft Deutschlands auf Spiel gesetzt.

„Dividenden voraus“

Das Phänomen Tsipras ist gut für Europa und die Aktienmärkte. Die haussieren. Der DAX markiert derzeit laufend Allzeitrekorde. Einen besseren Start ins Jahr kann man sich kaum vorstellen. Zwar ist noch nicht alles gut und wir haben auch keinen Krisenherd aus dem vergangenen Jahr hinter uns gelassen. Aber: die niedrige Zinspolitik treibt immer mehr Akteure in Aktien. Wer will schon Staatspapiere mit Negativ-Zinsen, die ohnehin von den Notenbanken weggekauft werden? Auch sie sollten sich davon fernhalten. Besser ist es, die Rally am Aktienmarkt mitzuspielen. In den nächsten Tagen und Wochen werden etliche deutsche Unternehmen Zahlen für 2014 vorlegen und einen Ausblick wagen.

Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Märkte nicht enttäuscht werden. Und auf den Zahlenreigen wird die Dividendensaison folgen, meist die beste Zeit im Börsenjahr. Insofern gilt es nun, Ihre Positionen zu halten und dabei zu sein. Denn eines darf man bei aller Freude über steigende Kurse nicht vergessen. Die heutige Zinspolitik hat den Boden für die nächste Blase bereits bereitet.

Eine gute Handelswoche wünscht Ihnen

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Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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