Sonntag , 27 Oktober 2019
Editorial vom 05.02.2014

Editorial vom 05.02.2014

Liebe Leser!

In den Massenmedien macht das Wort von einer neuen Krise die Runde. Nachdem die Schwellenländermärkte nicht zur Ruhe gekommen sind, befürchten viele, dass auch für die sich erst noch stabilisierende europäische Wirtschaft Ansteckungsgefahr besteht. Die deutsche Exportindustrie könnte von einer sinkenden Nachfrage aus den Emerging Markets getroffen werden. Die (politische) Krise in der Türkei, die sich zu einer Währungskrise entwickelt hat, könnte eine Gefahr für das darbende Griechenland darstellen, dass gerade neue Hilfsgelder erbitten möchte. Und die Probleme in Südamerika könnten die ohnehin schwachen spanischen Banken treffen. Wir könnten noch etliche weitere Beispiele nennen. All das ist möglich, keine Frage. Doch zwei Aspekte gehen derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung ein wenig unter: Erstens wurden die Währungsprobleme hauptsächlich von der Zinswende und den reduzierten Anleihekäufen in den USA ausgelöst. Sie führten zum Abzug von Kapital aus Ländern wie Indien, der Türkei, Südafrika oder der Ukraine, die derzeit ohnehin mit eigenen Problemen kämpfen. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Insofern hat die Fed in diesem Fall ein schlechtes Timing bewiesen – global gesehen. Zum zweiten aber sprechen noch viele Fundamentaldaten für anhaltende Stabilität. Stimmungsindikatoren sowie harte Fakten zeugen noch nicht von einer beginnenden Krise in den Schwellenländermärkten oder den entwickelten Volkswirtschaften.

Was macht die Fed?

Und somit ist es vor allem die Psychologie, die derzeit für die schlechte Stimmung sorgt. Für eine Wende könnte die Fed selbst sorgen, die nun vielleicht eingestehen muss, dass die USA mit der Zinswende viele Handelspartner zu einem ungünstigen Zeitpunkt trifft. Sie ist zwar nicht für das Wohl und Wehe anderer Nationen zuständig. Doch auch die Volkswirte rund um Neu-Chefin Janet Yellen wissen, wie eng verschlungen die Verbindungen innerhalb einer globalen Ökonomie sind. Insofern könnte sie wohl am ehesten für eine Beruhigung der Lage sorgen. Sie als Anleger sollten sich auf jeden Fall nicht aus der Ruhe bringen lassen. Am Ende ist es nicht entscheidend, ob die Indizes ein paar Prozentpunkte nach oben oder unten ausschlagen. Langfristig erfolgreich legt man in Einzelunternehmen an, die sich durch Wettbewerbsvorteile von der allgemeinen Entwicklung zumindest teilweise lösen können. Insofern heißt es weiter, auf gezieltes Stock-Picking zu setzen. Nur so kann man große und kleine Krisen am Markt glimpflich überstehen.

Ihre Redaktion vom Investor Magazin

Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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