Montag , 28 Oktober 2019
Adler Modemärkte: Nur auf den ersten Blick langweilig!

Adler Modemärkte: Nur auf den ersten Blick langweilig!

Der Jugendwahn beherrscht unsere Medienwelt. Die Fernsehsender weisen beispielsweise meist nur die Zielgruppe der 14 bis 49-Jährigen aus. Ob Oma Gertrude auch noch einschaltet, ist den Betreibern herzlich egal. Der Fokus auf die jüngere Generation verspricht, so die Denke, attraktive Werbepartner. Doch auch mit älteren Kunden lässt sich ordentlich Geld verdienen. So dürften die meisten Besucher der Adler Modemärkte nicht mehr zur sogenannten werberelevante Zielgruppe gehören. Nur ein Viertel ist unter 50, 29% sind gar über Siebzig. Der Durchschnitt liegt bei rund 60 Jahren. Dementsprechend lautet das Motto des Unternehmens: Alles passt! Adler muss für diese Informationen keine großen Befragungen durchführen. Das Traditionsunternehmen war einer der Vorreiter bei Kundenkarten und hat inzwischen 4 Mio. unters Volk gebracht. Nur der Möbelriese IKEA weist in Deutschland eine größere Verbreitung aus. So werden laut Vorstandschef Lothar Schäfer 90% der Umsätze durch Kundenkartenbesitzer generiert. Und für diese Gruppe hat Adler auch das richtige Zugpferd. Landauf, landab wird mit Birgit Schrowange geworben, der ZDF-Ansagerin der 1980er, die inzwischen im Spätabendprogramm von RTL untergekommen ist.

Wachstumsmix

Neueröffnungen gibt es jedes Jahr fünf bis zehn. Interessant sind für den Konzern Standorte mit einem Einzugsgebiet von etwa 100.000 Menschen. Dazu kommen dann die vielen Mittelzentren in den Randgebieten. Daneben will das Management mit Übernahmen wachsen. In der Kriegskasse befinden sich rund 50 Mio. Euro, wie Schäfer gegenüber dem Investor Magazin bestätigte. Allerdings dürfte es keine größeren Zukäufe geben. Der Markt ist zersplittert. Im Fokus stehen Familienunternehmen mit mehreren Standorten, die einen regionalen Kundenstamm aufweisen.

Deutliche Margensteigerung

2014 machte das Unternehmen eine sehr solide Entwicklung durch. Wie in den Vorjahren konnte Adler dem negativen Branchentrend entkommen. Die Umsätze legten im dritten Quartal auf vergleichbarer Flächenbasis um 2,6% auf 122 Mio. Euro zu, während der Gesamtmarkt einen Rückgang von 4% hinnehmen musste. Auffällig ist, dass das Wetter auf das Einkaufsverhalten der Kunden nur eine geringe Rolle spielt und auch der Anteil des Weihnachtsgeschäft fällt mit 30% unterdurchschnittlich aus. In den ersten neun Monaten konnte das Unternehmen aus Aschaffenburg die EBITDA-Marge deutlich von 3,2% auf 4,8% steigern. Analysten gehen für das Gesamtjahr von einem Umsatz von 543 Mio. Euro aus, 2015 sollen dann 573 Mio. Euro drin sein. Das Ergebnis je Aktie dürfte 2014 bei 0,91 Euro liegen, für das kommende Geschäftsjahr wird mit mehr als 1 Euro gerechnet. Daraus ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von akzeptablen 12,5.

Angenehme Bewertung, ordentliche Dividende

Ein Kaufargument ist aber auch die Dividende. So wurden für das vergangene Jahr 0,45 Euro je Aktie ausgeschüttet. Dieser Wert dürfte sukzessive steigen. Wir schätzen die aktuelle Dividendenrendite auf 4%. Dazu bietet das Unternehmen mit seiner Positionierung abseits aller aktuellen Modetrends ein solides planbares Geschäft. Hinter den Kulissen wird zudem mächtig an den Kosten gearbeitet. Diverse Innovationen in der Distribution, aber auch ein Lieferservice sollen in der Planung sein. Neben Deutschland stehen auch Österreich, Luxemburg und die Schweiz im Fokus des Konzerns. Hier bestehen sicherlich noch mehr Expansionsmöglichkeiten. Die Aktie (12,45 Euro; DE000A1H8MU2) hat sich in den vergangenen zwei Jahren bereits mehr als verdreifacht. In diesem Jahr ging es immerhin schon um ein Viertel aufwärts. Dennoch bietet das Papier mit Blick auf die angenehme Bewertung und die Ausschüttungen Potenzial. Auf der anderen Seite darf man hier nicht mit großen Bewegungen in kurzer Zeit rechnen.

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Bild: Adler Modemärkte
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