Mittwoch , 26 Juni 2019
Kommentar: Wohin geht die Reise bei Gold?

Kommentar: Wohin geht die Reise bei Gold?

Gastkommentar von Stefan Huber

Immer neue Tiefstände – Grund zur Sorge oder eine einmalige Chance?

„Das Problem mit Papiergeld ist, dass es die Minderheit, die mit Geld umgehen kann, belohnt und die Generation, die gearbeitet und gespart hat, zum Narren hält.“, sagte schon Adam Smith gegen Ende des 18.Jahrhunderts. Und er sollte es eigentlich wissen, gilt der schottische Moralphilosoph doch auch als Begründer der klassischen Nationalökonomie. Auch der französische Schriftsteller und Philosoph Voltaire behauptete einst: „Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – Null“.

Was also aktuell tun als Anleger, Privatperson, “Otto-Normal-Verbraucher“? Wie bringe ich mein Erspartes in Sicherheit? Wie sorge ich fürs Alter vor? Bieten die schwächelnden Rohstoffmärkte generell und das Edelmetall Gold im Besonderen etwa gute Einstiegsgelegenheiten? Oder setzt sich der bereits lang anhaltende Negativtrend erst einmal unaufhaltsam fort? Was sind die Gründe und wann ist eine nachhaltige Wende in Sicht?

Viele Fragen auf die auch zahlreiche Experten nicht immer die richtige Antwort wissen. Dennoch, ein genauerer Blick auf Gold macht aktuell durchaus Sinn und könnte einige dieser Fragen wenigstens teilweise beantworten bzw. eigene Anlageentscheidungen erleichtern. Denn bei einem sind sich die meisten Experten sicher: wer heutzutage gerade als jüngerer Mensch nur noch „Papiergeld“ aufs Sparbuch legt und auf andere Investment-Beimischungen gänzlich verzichtet, könnte im Alter sprichwörtlich durchaus daran zu knabbern haben bzw. in der Realität relativ wenig zu knabbern haben.

Lassen Sie uns im Folgenden die Ikone in Sachen Edelmetalle, nämlich Gold, etwas näher beleuchten. Hier war in den letzten Spätsommerwochen ein wahrer Ausverkauf zu beobachten. Haupttreiber für den massiven Preisverfall war der immer stärker werdende US-Dollar, getrieben von relativ guten US-Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten, gepaart mit einer gleichzeitig mehrheitlich negativen Stimmung auf dem Goldmarkt, was durch diverse Sentiment-Indizes gemessen wurde. So erreichte beispielsweise der Sentiment-Index von Mark Hulbert kürzlich den zweitniedrigsten Wert der vergangenen 30 Jahre! Einzig im Juni letzten Jahres sei der Wert noch tiefer gelegen. Damals folgte unmittelbar darauf ein drastischer Goldpreisanstieg um rund 200 Dollar. Dies muss sich allerdings aktuell nicht unbedingt wiederholen, zumal sich der Goldpreis um die Marke von 1.200 USD je Feinunze aus rein charttechnischer Sicht gerade an einem Scheideweg bzw. an einer charttechnisch sehr wichtigen Marke befindet. Werden die 1.200 USD nachhaltig nach unten durchbrochen, so besteht die Gefahr, dass wir kurzfristig einen deutlich tieferen Goldpreis sehen könnten.

Man sollte also beim Gold nicht unbedingt heute schon massiv zum Einstieg blasen, jedoch gibt es gleichzeitig bereits zahlreiche Indikatoren, die die Gold-Bullen positiv stimmen. Fällt der Dollar, steigt Gold, steigt der Dollar, fällt Gold. Diese Formel war zwischen 2002 und 2008 so beständig, dass Hedge Fonds nicht einmal mehr darüber nachdenken mussten. Heutzutage kann man diese Formel allerdings nicht immer für bare Münze nehmen meint z.B. Adrian Ash vom Research-Desk des Londoner Edelmetallhändlers BuillionVault und entgegnet weiter “Was Gold anbelangt, so ist es weniger die absolute Höhe des US-Dollar, die zählt, sondern vielmehr die Richtung, in die sich der Greenback bewegt“. Sollte also der große Währungssprung beim US-Dollar-Index, welcher den Kurs zu den wichtigsten Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, bereits vollzogen sein, so könnte das aktuelle Goldpreisniveau durchaus für den Aufbau erster Positionen genutzt werden, befinden wir uns doch auf einem Niveau rund 35% unter den Goldpreis-Höchstkursen im Sommer 2011. Außerdem sollte man als Anleger das gelbe Edelmetall sowieso immer langfristig und als Absicherung betrachten.

Das sieht auch der frühere US-Notenbank-Chef Alan Greenspan so. Er betrachtet Gold als universellen Wert, den der US-Dollar niemals ersetzen kann.

Zudem vermutet Mr. Greenspan, wie auch zahlreiche andere Experten, dass China künftig mehr und mehr auf der Käuferseite beim Gold auftritt. Sollte China nur einen Teil seiner rund vier Billionen Dollar an Fremdwährungen in Gold tauschen, dann wäre es ein Leichtes die USA bei den Goldbeständen zu überholen. Das sieht im Übrigen auch der Präsident der China Gold Association, Mr. Song Xin, so und gibt 8.500 Tonnen Gold als offizielles Ziel für die Währungsreserve an.

Alles in allem betrachtet kommt malnals Anleger also in Zeiten aufgedrehter Geldmengen, schlechter werdender Zentralbankbilanzen und weltweit steigender Kreditsummen nicht an der Anlageklasse Gold als Investment-Beimischung vorbei. Das weltweite Goldvolumen steigt pro Jahr nur um ein bis zwei Prozent. In den letzten fünf Jahren wurde kaum noch Gold gefunden und richtig große Vorkommen werden gar nicht mehr entdeckt. Wer nicht direkt in physisches Gold investieren möchte, dem bieten sich auf dem aktuellen Kursniveau auch durchaus gute Investment-Chancen bei diversen Minengesellschaften. Findet man hier die richtigen, hat man auch sicherlich mehr Upside-Potenzial als beim reinen Gold-Investment selbst. Viele seriöse Experten konzentrieren sich aktuell jedoch bei der Auswahl Ihrer Minen-Investments auf solide Unternehmen aus Kanada und Australien und meiden Länder wie China oder Russland wegen der politischen Instabilität sowie afrikanische Länder wie Kongo, Somalia und Eritrea.

Es gibt durchaus auch in der momentan eher kargen Rohstoff- bzw. Edelmetall-Investment-Landschaft gute Investment-Chancen und der informierte Anleger muss sich nicht langfristig vom Papiergeld zum Narren halten lassen, wie Adam Smith dies vor geraumer Zeit befürchtete.

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Bild: Barrick Gold

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