Sonntag , 27 Oktober 2019
Aktie der Woche: K+S – Absturz oder Euphorie?

Aktie der Woche: K+S – Absturz oder Euphorie?

Der Düngemittelhersteller Potash Corporation hat ein Übernahmeangebot in Höhe von rund 8 Mrd. Euro für K+S auf den Tisch gelegt. Mit der Transaktion wollen die Kanadier wieder zum Weltmarktführer für Kalisalze aufsteigen. Dafür bieten sie wohl einen Preis von rund 40 Euro je Aktie. Der Vorstand des Kasseler DAX-Konzerns hat das erste Übernahmeangebot abgelehnt. So weit zu den Fakten. Die Aktie von K+S schoss nach Bekanntgabe des Werbens von 29 Euro auf rund 39 Euro hoch. Ob das Angebot ausreichen wird, haben viele sofort bezweifelt und auf einen Übernahmepreis jenseits der 50 Euro-Marke gesetzt. Das wäre ein Kurs, der in etwa dem Fünfjahreshoch der Aktie entsprechen würde. Und bei diesem Preis würden die Aktionäre dem Deal sicherlich zustimmen.

Wird es eine Übernahme geben?

Doch die Frage ist, wird Potash Corp. überhaupt ein neues öffentliches und auch feindliches Angebot abgeben. In den vergangenen Jahren mussten die Kanadier wie K+S mit sinkenden Kalipreisen aufgrund des Auseinanderbrechens des weißrussisch-russischen Weltmarktkartells kämpfen. Von früheren Preisen ist man noch ein gutes Stück entfernt. Insofern ist es prinzipiell ein cleverer Schachzug der Nordamerikaner zum jetzigen Zeitpunkt zuzuschlagen. Sie können auf mittelfristig steigende Verkaufspreise hoffen, die Bewertung der Kaliaktien hält sich in Grenzen. So kommt K+S für 2016 lediglich auf ein KGV von 13. Zudem würde man das Geschäft mit dem Streusalz abstoßen und so einen Teil des Kaufpreises recht zügig wieder hereinholen. Nicht zuletzt wird es – ungeachtet aller öffentlichen Zusagen – nach einer kurzen Periode zum Jobabbau in der K+S-Zentrale kommen. Anders funktioniert solch ein Deal nicht, viele Jobs sind in einem gemeinsamen Konzern völlig überflüssig.

Ziel: Legacy

Doch das Management aus Kassel sagte erst einmal „No“. Zum einen wollen die Jungs um CEO Norbert Steiner ganz sicher mehr für sich und die Aktionäre herausschlagen. Zum anderen hoffen sie darauf, ab 2016 mit dem Projekt Legacy selbst durchzustarten. Diese Mine in Kanada soll ein Befreiungsschlag für das Unternehmen werden. Das wissen auch die Potash Corp.-Manager.

Wie weit wird Potash Corp. gehen?

Unseres Erachtens müssten die Kanadier ein Angebot knapp an der Schmerzgrenze (50 Euro plus x) machen, um überhaupt zum Zuge zu kommen. Das erscheint aber angesichts des Margendrucks in der Branche zu teuer. Die Analysten von JPMorgan stuften K+S am Dienstag ab. Der Markt würde die Wahrscheinlichkeit für eine Übernahme überbewerten, so die Meinung. Die Investmentbank schraubte ihr Kursziel von 38 Euro auf 33 Euro herunter. Auf der anderen Seite gab Equinet eine Kaufen-Empfehlung mit dem Kursziel 55 Euro ab. Nicht zuletzt hat sich auch die Politik geäußert. Amtsträger aus Hessen und Thüringen äußerten sich skeptisch. Ihnen geht es vor allem um die Jobs in der Region. Sie dürften allerdings nicht den Willen und die Mittel besitzen, eine Übernahme nachhaltig zu verhindern.

Zwei Szenarien

Anleger, die in K+S investiert sind, sollten sich sehr genau überlegen, wie sie sich positionieren.

Szenario 1: Potash Corp. macht ein feindliches Übernahmeangebot (50 Euro plus x). In diesem Fall dürfte die K+S-Aktie einen weiteren Sprung nach oben machen.

Szenario 2: Es kommt in den nächsten Wochen kein Nachschlag aus Kanada oder die Übernahme wird ganz abgeblasen. Dann dürfte die Aktie sukzessive bzw. plötzlich an Wert verlieren. Dann lohnt es sich, die aktuelle Euphorie zum Verkauf zu nutzen.

Ein kleiner Hinweis noch: Viele Medien empfehlen, mit engen Stopps zu arbeiten. Das dürfte nur bedingt klappen, weil in beiden Fällen die Aktie einen Sprung machen dürfte, so dass es kaum eine Chance gibt, mit einem Stopp zum Zuge zu kommen.

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Bild: K+S
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