Sonntag , 27 Oktober 2019
Lanxess: Warten und Hoffen auf 2014

Lanxess: Warten und Hoffen auf 2014

Die aktuelle Konjunkturschwäche macht sich vor allem in der Chemieindustrie bemerkbar. So verkündeten gleich drei deutsche Branchengrößen zuletzt Stellenstreichungen und legten bemerkenswerte Sparprogramme auf. So will Bayer in seiner Kunststoff-Sparte bis zu 700 Stellen abbauen, Lanxess will gar um 1.000 Mitarbeiter schrumpfen. Und beim Essener Riesen Evonik heißt es, dass vor allem in der Verwaltung durch Stellenstreichungen die Kosten um 250 Mio. Euro im Jahr sinken sollen. Es herrscht also der übliche Reflex: Wenn es nicht läuft, müssen die Angestellten dran glauben.

Gewinneinbruch im Q2

Die Schwäche zeigte sich bereits in den Quartalszahlen. So meldete Lanxess im Q2 einen Einbruch beim Nettogewinn um 95% auf 9 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz ging um 12% auf 2,1 Mrd. Euro zurück. Als Grund wurde vor allem der Druck auf die Preise von Butadien-basierten Produkten angegeben. Hinzu kommt die schwache europäische Nachfrage nach Auto-  und LKW-Reifen. Das Geschäft mit Agrochemikalien ist dagegen recht stabil. Und es ist auch Besserung in Sicht. Zum einen könnte sich die Nachfrage allmählich aufhellen. Positive Signale gab es jüngst vom LKW-Markt, wo die Verkäufe wieder leicht anziehen. Und für 2014 soll es auch bei Autoreifen wieder besser laufen. Es wird mit einer Flut von neuen Modellen gerechnet, zudem rechnen Branchenbeobachter zumindest mit einer leichten Verbesserung der europäischen Nachfrage. Auf der Preisseite gab es jetzt schon wieder positive Signale. So wurde der Butadien-Preis in Europa erhöht, ohne dass die Rohstoffpreise stiegen. Und auch in Asien sollen die Preise wieder anziehen. Beides erhöht die Marge bei synthetischem Kautschuk. Für die Schweizer Großbank UBS war das Grund genug, ihr „buy“-Votum für die Lanxess-Aktie bei einem Kursziel von 62 Euro zu bestätigen.

Attraktive Kennzahlen in 2014

Die schwachen Zahlen haben schon in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass Analysten reihenweise ihre Umsatz– und Gewinnschätzungen für den Konzern senkten. So rechnet der Marktkonsens nur noch mit Einnahmen in Höhe von 8,38 Mrd. Euro. Beim Gewinn je Aktie werden im Mittel lediglich 1,64 Euro erwartet. Dadurch kommt das Papier auf ein hohes aktuelles KGV von 29. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, und an der Börse wird ja vor allem die Zukunft gehandelt. Und deshalb schauen die Anleger jetzt auf das kommende Jahr bei den Rheinländern. Und da könnte das Unternehmen an das Wachstum der vergangenen Jahre anknüpfen. So soll der Erlös 2014 um 7% auf dann fast 9 Mrd. Euro zulegen. Beim Gewinn je Aktie wird für das kommende Geschäftsjahr mit 3,97 Euro gerechnet. Da kommen wir auf ein attraktives KGV von 11,8. Und auch die Dividendenrendite ist mit etwas mehr als 2% im akzeptablen Bereich.

Risikofaktor Konjunktur

Ein Investment in die Lanxess-Aktie (47,10 Euro; DE0005470405) ist momentan eine Wette auf die Weltkonjunktur. Sollte die Schwäche aus diesem Jahr anhalten, so dürfte es schwer werden, die Analystenziele zu erreichen. Insgesamt ist das Enttäuschungspotenzial aber überschaubar. Der Vorstand hatte die Guidance für 2014 bereits einkassiert.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 47

Bild: Lanxess
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