Dienstag , 15 Oktober 2019
DEAG: Vertriebsfantasie treibt Aktie

DEAG: Vertriebsfantasie treibt Aktie

Ende August 2013 empfahlen wir Ihnen den Einstieg bei der Aktie der DEAG (5,70 Euro; DE000A0Z23G6). Das war gerade noch rechtzeitig, denn danach hob das Papier des Konzertveranstalters geradezu ab. Binnen sieben Monaten stellte sich ein Buchgewinn von rund 60% ein. Für den jüngsten Kursschub im Februar, als der Anteilschein mal eben die fünf Euro-Marke deutlich hinter sich ließ, waren vor allem Veränderungen in der Eigentümerstruktur verantwortlich. So reduzierten diverse Altaktionäre Ihren Anteil und machten Platz für neue, namhafte Investoren wie Allianz Global Investors oder den Fonds Scherrer Small Caps Europe. Dabei gilt die DEAG eigentlich als zu klein, um Institutionelle Investoren dieser Kategorie anzuziehen. Das neue Interesse hat aber auch seinen Grund. Operativ läuft es bei der DEAG wie geschmiert, dazu kommen erhebliche Wachstumschancen durch den Umbau des Vertriebs.

Gewinnwachstum durch Neuordnung des Vertriebs

Bisher setzte die DEAG nämlich auf den Verkauf über bekannte Online-Vermarkter wie CTS Eventim oder Ticketmaster, dazu kamen die üblichen Vorverkaufsstellen außerhalb der virtuellen Welt. Doch das Management scheint gewillt, selbst bei der Verkaufsprovision mitzukassieren. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen dazu eine großen Datenbank an Musikinteressierten aufgebaut. Zudem ist man an Ticketmaster beteiligt. Jeder Verkauf über diese Plattform macht sich also beim Gewinn bemerkbar. Daneben strebt die DEAG den Aufbau einer eigenen Vertriebsplattform an, wie einige Analysten meinen. Finanzvorstand Christian Diekmann hielt sich bei dem sensiblen Thema im Gespräch mit dem Investor Magazin bedeckt. Konkrete Prognosen gab der CFO selbstredend nicht ab.

Analysten heben Kursziele an

Doch die Analysten haben schon fleißig gerechnet. So erhöhte Christian Schwenkenbecher von der Privatbank Hauck & Aufhäuser sein Kursziel für die Aktie mutig auf 10,50 Euro. Schwenkenbecher geht von einem Gewinn je Aktie im Jahr 2016 von 0,73 Euro aus, was mehr als einer Verdopplung gegenüber 2013 entspricht. Nicht ganz so offensiv ging die DZ Bank an die Aktie heran: Analyst Harald Heider sieht eine „signifikante Margenverbesserung“ bereits in diesem Jahr voraus. So oder so lässt das die Aktie der Berliner in einem günstigen Licht erscheinen. Dazu kommen noch drei Aspekte, die wir für wesentlich erachten: So kann die DEAG im zersplitteten Konzertveranstalter-Markt durch Akquisitionen anorganisch wachsen. Ein bis zwei Übernahmen sollten pro Jahr drin sein, zumal die Kriegskasse gut gefüllt ist. Daneben sollten mehr Synergien von Top-Events zwischen den verschiedenen Landesdivisionen (D, A, CH, GB) möglich sein. Eine Show, die in London funktioniert, lässt sich auch häufig in Berlin oder Zürich erfolgreich vermarkten. Solche Synergien senken die Kosten und erhöhen somit die Gewinnmarge. Nicht zuletzt sollten Medienkooperationen den Vertrieb deutlich stärken, unter anderem mit bild.de. Als Referenz dürfte die Vermarktung der beiden Rolling Stones-Konzerte in Berlin und Düsseldorf dienen. Dank der Kooperation mit bild.de und Ticketmaster waren die Veranstaltungen binnen weniger Minuten ausverkauft.

Bewertung lässt Spielraum

In Sachen Bewertung gibt es daher unseres Erachtens noch Luft nach oben. Je nach Analystenschätzung liegt das 2015er-KGV zwischen 10 und 14. Das ist angesichts der Wachstumsmöglichkeiten eine günstige Bewertung. Wir gehen von einer Verdopplung des Gewinns bis 2016 aus. Derzeit konsolidiert die DEAG-Aktie auf hohem Niveau. Nach einer Verschnaufpause könnte die Rally weitergehen.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 71

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Bild: Wikimedia Commons
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