Sonntag , 21 Juli 2019
Bayer setzt auf „Consumer Care“

Bayer setzt auf „Consumer Care“

Rezeptfreie Mittel sind schon lange ein Steckenpferd von Bayer (98,66 Euro; DE000BAY0017). Doch nun wird der Konzern zur weltweiten Nummer zwei durch die Übernahme der Aktivitäten von Merck & Co. Insgesamt blättern die Rheinländer 14,2 Mrd. US-Dollar auf den Tisch – ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass Merck mit diesem Geschäft im vergangenen Jahr gerade einmal 2,2 Mrd. US-Dollar umsetzte. Bayer zahlt laut eigenen Angaben das 21fache des EBITDA. Nur Konzerne zahlen solche Multiples; Manager und Unternehmer, die mit ihrem eigenen Geld arbeiten, machen so etwas nicht. Der Markt wird Vorstandschef Marijn Dekkers aber vorerst glauben, dass der Deal strategische Vorteile mit sich bringt. Das DAX-Unternehmen erwartet sofort „signifikante Steuereinsparungen“ sowie „erhebliche Kostensynergien, etwa bei Market-ingaufwendungen und Herstellungskosten, in der Größenordnung von 200 Millionen US-Dollar pro Jahr ab 2017“, ließ der Konzern verlautbaren. Zudem will Bayer durch die Einführung von Merck-Produkten außerhalb des amerikanischen Kontinents „Umsatzsynergien“ in Höhe von 400 Mio. US-Dollar generieren. Aber: Kosten wie Umsatzsynergien, so die Erfahrung, lassen sich im Regelfall nicht in der Größenordnung heben, wie es zuvor vom Management versprochen wurde. Wenn es dennoch gelingt, heben wir Dekkers in den Pharma-Manager-Olymp. Daneben schließen die beiden Unternehmen eine strategische Kooperation im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hierfür wird Bayer von Merck eine Vorauszahlung von 1 Mrd. Dollar erhalten sowie umsatzabhängige Meilensteinzahlungen von bis zu 1,1 Mrd. Dollar. Immerhin! Der Markt wird diese Transaktion unseres Erachtens zunächst positiv begleiten. Generell dürften die hohen Bargeldbestände der globalen Konzerne angesichts der moderaten Aussichten für die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten zu einer Zunahme von Übernahmen und Fusionen führen. In den vergangenen Jahren standen vor allem die Kosten im Mittelpunkt. Hier dürfte bei vielen Unternehmen das Maximum an Ersparnis erreicht sein. Daher sehen wir diese Transaktion von Bayer ebenso wie die Schlacht um Alstom (Siemens/General Electric) und andere derzeit laufenden Übernahmen nur als Startschuss. Bei der Bayer-Aktie liegen Sie seit Einstieg übrigens mit 20% im Plus.

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Bild: Bayer Health Care
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