Sonntag , 12 Juli 2020

Leitartikel: Aktienmärkte – Die Angst ist groß; DAX, MDAX, SDAX, TecDAX, Brent, WTI

Text: Tarik Dede

Wir müssen leider mal wieder auf das große Bild blicken. Der DAX verliert im Gefolge von Wall Street und asiatischen Märkten immer mehr an Boden. Die Stimmung hat sich inzwischen merklich eingetrübt. Selbst jene Stimmen, die eine „gesunde Korrektur“ witterten (siehe Marktanalyse aus Ausgabe 152 vom 20. Januar), sind inzwischen verstummt. Seit dem Allzeithoch im April 2015 hat der deutsche Leitindex 28% an Wert eingebüßt, die Bären schwingen das Zepter am Markt. Und auch die Bilanz seit Jahresanfang sieht düster aus: DAX (-17,4%), MDAX (-14,6%), TecDAX (-18,6%) und SDAX (-16,7%) verbuchten allesamt prozentual zweistellige Verluste. Auch wenn es auf 12-Monatsbasis zumindest bei den Indizes unterhalb des DAX nicht ganz so mies aussieht (siehe Tabelle), so gibt einem die Entwicklung zu denken. Schließlich ist das Umfeld derzeit alles andere als berauschend.

Die Gründe für den Abverkauf

Es gibt vielerlei Gründe, die als Ursachen für den Kursverfall genannt werden. Das schwächere Wachstum in China wird von vielen als erstes genannt. Im Zuge dessen spielt die Angst vor einer sich abkühlenden Weltkonjunktur sicherlich die größte Rolle. Der niedrige Ölpreis, der die großen Investoren aus dem arabischen Raum unter Druck setzt, aber auch die schwachen Bilanzen von europäischen Banken und das hohe Ausfallrisiko bei US High Yield-Anleihen sind zu nennen. Alles in allem sind das aber nur Anzeichen dafür, dass die Weltwirtschaft schwächelt.

Auch Deutschland schwächelt

Und selbst Deutschland spürt inzwischen den Gegenwind, wie wir in den vergangenen Monaten bereits mehrfach angedeutet haben. Die Schlagzeilen wurden zwar zuletzt von den Rekord-Exportzahlen für 2015 geprägt, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Jahresende lief schon merklich schwächer. So verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe im Dezember einen Auftragsrückgang von 0,7% gegenüber dem Vormonat. Zudem wurden hierzulande weniger Waren produziert, der Rückgang betrug 1,2%. Dazu passen auch die schwachen Daten aus dem Außenhandel. So reduzierten sich die Exporte um 1,6%. Und trotz dessen, dass das Gesamtjahr mit 1,2 Bio. Euro an Ausfuhren (+6,4%) eine neue Bestmarke verbuchte, gingen die Ausfuhren in die Volksrepublik China erstmals seit dem Jahr 1997 (Asienkrise!) zurück, und zwar gleich um 4%.

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Die Euro-Stärke hilft nicht

Hilfreich ist es da sicherlich nicht, dass der Euro derzeit wieder ein Comeback erlebt. Obwohl die Federal Reserve die Zinsen am Jahresende angehoben hat, kann die Gemeinschaftswährung den zuletzt sehr schwachen Prognosen der Analysten trotzen. So ging es seit Anfang Dezember 2015 um fast 7 Cent gegenüber dem US-Dollar nach oben. Zufällig redeten die US-Investmentbanken genau in diesem Zeitraum den Greenback stark. Das hat nicht funktioniert und wird vor allem die US-Exportindustrie freuen. Ein Grund für diese Entwicklung dürften die zahlreichen Gerüchte um eine Kehrtwende der US-Notenbankpolitik sein. Mit einer weiteren Zinserhöhung rechnet in diesem Jahr wohl kaum noch einer. Alles andere wäre eine große Überraschung. Somit müssen die europäischen und deutschen Unternehmen wohl oder übel mit einem vergleichsweise starken Euro leben.

Helfen Negativ-Zinsen?

Da die Zentralbanken weitgehend ihr Pulver verschossen haben, wird nun auch in der Breite mit Negativ-Zinsen gerechnet. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch namhafte Banken Strafzinsen für Einlagen verlangen. Und dann dürften nicht nur Firmenkunden betroffen sein. Ob das allerdings einen Schwenk in der Anlagestrategie – weg von Sparguthaben, hin zum Aktienmarkt – auslöst, darf zumindest für den mitteleuropäischen Privatanleger bezweifelt werden. Dazu passend hat jüngst JPMorgan eine Grafik veröffentlicht: so rentieren derzeit Staatsanleihen im Wert von 6 Bio. Euro im negativen Bereich. Das diese Anleihen weiter gefragt sind, zeigt, wie groß die Angst am Markt ist. Dementsprechend raten wir weiterhin dazu, mit einer niedrigen Aktienquote zu operieren. Unsere Favoriten auf lange Sicht bleiben der Ölpreis und gute Qualitätsaktien, die man in dieser Schwächephase sukzessive kaufen kann.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 155

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Bild: Frankfurt Stock Exchange

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