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Editorial vom 11.06.2014

Editorial vom 11.06.2014

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Mario Draghi befindet sich auf der Flucht. Der EZB-Präsident rennt allerlei Dingen davon: der Deflation, den Staatsschulden und der Kreditklemme. Nun holte der Italiener zum großen Schlag aus. Am vergangenen Donnerstag kam er mit einem wissenden Lächeln zur Pressekonferenz der Notenbank und verkündete historische Maßnahmen: so wird der Leitzins auf 0,15% gesenkt, Banken müssen für ihre bei der EZB geparkten Einlagen einen Strafzins von -0,10% zahlen. Zudem kündigte Draghi ein milliardenschweres Kreditprogramm an. Ob er nun zum Magier der Märkte wird, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Der große Schluck aus der Pulle könnte sich aber als Eigentor entpuppen. Der flüchtende Draghi ist möglicherweise in eine Sackgasse gelaufen.

EZB im Dilemma

Denn fest steht, dass es nicht unbedingt die Banken sind, die Schuld sind an dem Dilemma. „Man kann die Pferde zur Tränke führen, saufen aber müssen sie schon alleine“, lautet eine Binsenweisheit. Wenn die Unternehmen keine Kredite aufnehmen wollen, obwohl die Zinsen niedrig sind, dann kann die Notenbank sie nicht dazu zwingen. Das ist der wichtigste Grund, warum man sich so sehr vor einer Deflation fürchtet. Dass sich Unternehmen und Verbraucher möglicherweise lieber entschulden als neue Kredite aufzunehmen, darauf deutet auch eine Nach-Krisen-Studie aus den USA hin. Demnach hätten die Wirtschaftsteilnehmer zu wenig zum Investieren und zu viel Sorge vor dem sozialen Abstieg. Daher sei ein Entschulden viel wichtiger. Die Untersuchung gilt zwar nur für die Vereinigten Staaten, man könnte sie aber auch auf Europa übertragen.

Es geht um die Staatsschulden

Dazu kommt: trotz niedriger Zinsen können Banken derzeit in vielen Ländern einfach keine weiteren Kreditrisiken auf ihre Bücher nehmen. Die Ausfallquoten in Südeuropa schwanken je nach Land zwischen 10 und 30%. In solch einer Situation kann keine private Bank freihändig Kredite an die Privatwirtschaft vergeben. In Ländern wie Portugal, Spanien und Griechenland sind zudem viele Privatleute überschuldet. Man darf in diesem Kontext eins nicht vergessen. Die EZB sagt zwar, sie ist für die Preisstabilität verantwortlich. De-facto aber geht es um die Weginflationierung der Staatsschulden. Andernfalls droht einigen Staaten der Bankrott. Und das gilt langfristig auch für Schwergewichte wie Frankreich oder Spanien. Für Anleger bedeutet dies: wer es kann, nimmt Schulden auf und kauft weiter Immobilien. Für das freie Vermögen bleibt nur noch der Aktienmarkt.

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Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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