Dienstag , 15 Oktober 2019
Editorial vom 12.02.2014

Editorial vom 12.02.2014

Liebe Leser!

Gleich zwei Deals aus dem Fußball haben uns aufhorchen lassen. In den vergangenen Tagen gab zum einen KKR den Einstieg bei Hertha BSC bekannt. In der Finanzgemeinde wird gerätselt, was den Private Equity-Riesen dazu veranlasst, seine Kundengelder in den Fußball zu stecken. Immerhin erwerben die Amerikaner 9,7% der Anteile der „Alten Dame“ und zahlen dafür stolze 61,2 Mio. Euro. Hertha wird somit mit 631 Mio. Euro bewertet. Zum Vergleich: Die sportlich und finanziell wesentlich erfolgreichere Borussia aus Dortmund bringt es derzeit auf einen Börsenwert von 233 Mio. Euro. Der Deal dürfte daher nicht in erster Linie mit Renditegesichtspunkten zu tun haben, zumal gerade Finanzleuten bekannt sein sollte, dass im Fußball so gut wie kein Investor Geld verdient. Vielmehr dürfte sich KKR damit eine Bühne schaffen, um enge Bande zum Berliner Politikbetrieb und zur deutschen Wirtschaft zu knüpfen. Schließlich engagieren sich fast alle Großkonzerne in der Bundesliga, sei es als Sponsor oder Eigentümer. Somit dürften die 61,2 Mio. Euro unter den Punkt „Lobbyismus“ fallen, wie uns jemand aus dem Unternehmensumfeld sagte.

Lohnt sich noch Werbung im Fußball?

Ganz anders dürfte das Kalkül der Allianz sein. Der Versicherungsriese wird nach Audi und Adidas der dritte große Aktionär bei Bayern München. Angeblich zahlt der DAX-Konzern stolze 110 Mio. Euro für einen Anteil von rund 10%. Hier geht es wahrscheinlich wirklich um den Werbeeffekt, da die Assekuranz schließlich vor allem Endkunden erreichen will. Da soll der Glanz des Rekordmeisters auch ein wenig auf den mausgrauen Branchenriesen abfärben, der sich im Alltag mit sinkenden Anleiherenditen und aufmüpfigen Vertretern beschäftigen muss. Ob der Werbeeffekt aber wirklich so groß ist, darf bezweifelt werden. Die Starspieler stehen bei Interviews vor so großen Werbetafeln mit so vielen Haupt-, Neben– und Dritte-Reihe-Sponsoren, dass die einzelne Botschaft wohl kaum noch beim TV-Zuschauer ankommt. Daher dürfte es beim Allianz-Deal wohl auch um den Ausdruck der Leidenschaft von Managern für einen Verein gehen. Den besseren wirtschaftlichen Deal könnte daher schlussendlich KKR gemacht haben. Wer sich in die deutsche Wirtschaft einkaufen will, trifft in den VIP-Logen schließlich fast alles, was Rang und Namen hat. Und wenn mit einem gelungenen Deal Milliarden verdient werden können, fallen die 61,2 Mio. Euro für die Hertha doch recht bescheiden aus.

Ihre Redaktion vom Investor Magazin

 

Bild: Martin Kolb / pixelio.de
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