Dienstag , 15 Oktober 2019
Commerzbank: Ende der schlechten Zeiten?

Commerzbank: Ende der schlechten Zeiten?

Seriöse Investoren beschäftigen sich nicht mit Bankaktien, sie sind lediglich zum Traden da! Dieses Credo, dass uns ein Banker vor einiger Zeit zuflüsterte, könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn seit einigen Monaten geraten die europäischen Kreditinstitute wieder verstärkt in den Fokus von Investoren. Und das gilt auch für Deutschland. Die Fantasie hat die Europäische Zentralbank entfacht.

Es gilt am Markt als ausgemachte Sache, dass Bankenboss Mario Draghi ein Quantitative Easing-Programm für Euroland beschließen wird. Die Frage bleibt: wird die EZB schon bei der nächsten Sitzung in der kommenden Woche den Start bekannt geben? Wenn es so kommt, dürfte es zunächst um den Aufkauf von Staatsanleihen gehen. In einem zweiten Schritt könnte eine direkte Entlastung der Banken folgen, in dem weitere Anleihen gekauft werden. So werden die Bilanzen für neue Engagements und Kredite frei, um die Wirtschaft im darbenden Euroland endlich in Fahrt zu bekommen – so ist zumindest die Hoffnung der Planer.

Keine Angst vor Hellas

Ob das wirklich klappt, wird man sehen. Wir glauben aber, dass mit dem Startschuss auch das Go für Bankaktien gegeben wird. Und das dürfte auch dann gelten, wenn es nach den Wahlen in Griechenland am 25. Januar zu Turbulenzen kommt. Die Commerzbank ist in Hellas beispielsweise nur noch mit 300 Mio. Euro engagiert, die Deutsche Bank wohl mit knapp 200 Mio. Euro. Damit wäre selbst ein Worst Case-Szenario zumindest bilanziell nicht so tragisch.

Coba im Fokus

Derzeit sprechen aber auch noch weitere Faktoren speziell für die Commerzbank-Aktie (10,71 Euro; DE000CBK1001). So befindet sich das Papier charttechnisch in einer interessanten Position. Nachdem es in den vergangenen Jahren größtenteils nur bergab ging (mehr als 90% Minus seit dem Jahr 2007), hat sich das Papier in einer breiten Handelsspanne rund um die 11 Euro-Marke eingependelt. Dort befindet sich der DAX-Titel derzeit auch. Mit dem Rückenwind von der EZB sollte in den nächsten Wochen zügig der Widerstand bei etwa 11,50 Euro gebrochen werden können, um dann wieder in höhere Gefilde zu steigen.

Analysten noch uneins

Die Analystengilde ist sich übrigens noch recht uneins über die weitere Entwicklung, was allerdings positiv ist, denn so bleibt Raum für Höherstufungen. Derzeit halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Die Kursziele reichen von 7,30 Euro bis 18,80 Euro. Dementsprechend vorsichtig sollte man auch die durchschnittlichen Gewinnerwartungen für das neue Jahr sehen. So geht der Konsens von einem Nettogewinn von 1,09 Mrd. Euro aus, was aktuell einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11,1 entspricht. Beim EBIT werden am Markt rund 2,7 Mrd. Euro erwartet.

Langfristig bessere Aussichten

Außerdem komme die Bank beim Abbau von Non Core Assets voran, schrieben jüngst die Analysten von Metzler. „Wenn diese Aktivitäten in ein paar Jahren komplett abgebaut sind, würden 6,2 Milliarden Euro Eigenkapital freigesetzt“, ließ sich Branchenbeobachter Guido Hoymann zitieren.

Hohe Volatilität bleibt

Das allerdings ist bereits eine langfristige Perspektive. Kurzfristig sollte die europäische Geldpolitik den Ton bei dem Wert angeben. Und das wiederum macht uns optimistisch für das erste Halbjahr 2015. Gelingt ein deutlicher Ausbruch, dann könnte die Aktie nach vielen schmerzhaften Jahren auch wieder ihren Eigentümern Freude bereiten. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Monaten Kursgewinne von 30% drin sind. Allerdings eignet sich das Papier nur für mutige Investoren, die mit einer hohen Volatilität umgehen können.

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Bild: Commerzbank AG
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