Mittwoch , 18 September 2019
Aurelius: Trendwende im Chart?

Aurelius: Trendwende im Chart?

Laufen die Märkte, dann laufen auch die Aktien der Unternehmenssammler. Gegen einen negativen Markttrend können sich aber meist nur die wenigsten stemmen. Nicht ganz so eindeutig ist die Lage, wenn Gesellschaften wie Aurelius am Werk sind. Die Süddeutschen kaufen vor allem Unternehmen „mit Entwicklungspotenzial“. Auf gut deutsch: Firmen, die ins straucheln geraten sind und wieder flottgemacht werden sollen und müssen.

Typischer Fall: Kauf von IDS

Ganz typisch für die Herangehensweise von Aurelius ist der Kauf der Individual Desktop Solutions GmbH (IDS) von der Deutschen Telekom. Die Ex-T-Systems-Tochter machte zuletzt rund 80 Mio. Euro Jahresumsatz. Das Geschäft mit Industrieunternehmen und der öffentlichen Hand war recht personalintensiv und verlustträchtig. Aurelius plant durch mehrere Schritte, bereits in diesem Jahr wieder ein positives EBIT zu erwirtschaften. So sollen zum einen mit der bestehenden Tochter Getronics Synergien gehoben werden. Beispielsweise erweitert IDS die Kundenbasis für Aurelius‘ IT-Geschäft. Zum anderen wird natürlich auf der Kostenseite gearbeitet. Nicht zuletzt sollen künftig höherwertige und damit margenstärkere Dienstleistungen angeboten werden. Das Risiko für Aurelius ist dabei überschaubar, denn es wurde nur ein symbolischer Preis bezahlt. Wahrscheinlich hat das Unternehmen sogar ein wenig Handgeld von der Telekom mit auf den Weg bekommen. Aurelius-CEO Dirk Markus spricht dementsprechend von einem „Lucky Deal“, ohne dabei konkret zu werden.

Einstieg ins Werbegeschäft

Insgesamt setzte Aurelius 2013 mit seinen Beteiligungen im vergangenen Jahr rund 1,53 Mrd. Euro um. Das entspricht einem Plus von 11% gegenüber dem Vorjahr. Das „operative EBITDA“ lag bei 106,2 Mio. Euro. In diesem Jahr will Aurelius mehrere Käufe und Verkäufe tätigen. Bereits im ersten Quartal wurde die Healthcare-Sparte von brightONE verkauft. Daneben hat man sich kürzlich den Schweizer Werbevermarkter Publicitas gesichert, der auf einen Nettoumsatz von rund 110 Mio. Euro kommt. Das dürfte die wohl schwierigste Aufgabe für die Manager von Aurelius werden, denn die Eidgenossen haben so manchen digitalen Trend im Werbemarkt verpasst. Die Branche wird mit Argusaugen darauf schauen, ob Aurelius hier mit Innovationen oder klassischem Kostenmanagement punkten will. Für weitere Übernahmen ist die Kasse prall gefüllt. So lag die Liquiditätsposition per Jahresende bei stolzen 223,9 Mio. Euro. Hinzu kommt noch ein zweistelliger Millionenbetrag aus dem brightONE-Verkauf. Markus soll am Rande einer Roadshow angedeutet haben, dass man noch zwei bis drei weitere Akquisitionen vor dem Sommer tätigen könne. Die Pipeline sei gut gefüllt.

Bewertung wieder attraktiv

Aktuell bringt es Aurelius auf einen Börsenwert von knapp unter 800 Mio. Euro. Wir sehen das 2014er KGV bei moderaten 14. Attraktiv wird die Aktie (25 Euro; DE000A0JK2A8) auch durch die Dividende. Für das vergangene Jahr will man 0,70 Euro Basisdividende plus einen Sonderbetrag von 0,35 Euro je Anteil ausschütten. Damit kommt das Papier auf eine ordentliche Rendite von 4,2% (Hauptversammlung am 21. Mai). Dazu sieht auch der Chart ganz ordentlich aus. In den vergangenen Wochen ging es mit dem Markt kräftig bergab. Die Aktie verlor etwa ein Sechstel an Wert, hat sich aber nun scheinbar stabilisiert. Dies erfolgte nahe des November-Tiefs und könnte eine Trendwende einleiten. Das Papier bleibt aber risikobewussten Investoren vorbehalten, denn das Beteiligungsgeschäft mit defizitären Unternehmen birgt erhebliche Gefahren.

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Bild: Rainer Sturm / pixelio.de
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