Donnerstag , 22 August 2019
Editorial vom 18.06.2014

Editorial vom 18.06.2014

Liebe Leser!

Kaum haben die Börsen den einen Krisenherd weitgehend verdaut, auch wenn der Ukraine-Konflikt noch lange nicht beendet ist, so droht schon neuer Druck von der geopolitischen Front. Der Vormarsch der ISIS-Terroristen durch den halben Irak samt Einnahme der Millionenstadt Mosul ist schon ein schwerer Brocken, den die Märkte schlucken müssen. Dieser neue Krisenherd ist das Ergebnis einer gescheiterten US-Politik im Nahen Osten, die im Zweifel der Rest der Welt mit höheren Ölpreisen bezahlen muss. Denn noch eine andere Meldung passt in diesen Rahmen. Die USA haben 2013 so viel Öl produziert wie noch nie. Im vergangenen Jahr nahm die heimische Produktion der Amerikaner um 1,1 Mio. Barrel pro Tag zu, wie aus dem neuesten BP Energiebericht hervorgeht. Das ist ein Anstieg um 13,5%. Als Hauptgrund wird der verstärkte Einsatz des umstrittenen Fracking gesehen. Dabei wird in tiefen Gesteinsschichten mit Hilfe von Chemikalien Öl und Gas gewonnen. Die Amerikaner sind zwar weiterhin auf die Einfuhr von Öl angewiesen, denn 2013 legte auch der gesamte Ölverbrauch in den USA um 400.000 Barrel pro Tag zu. Insgesamt aber werden sie immer unabhängiger von Einfuhren aus dem Nahen Osten. In absehbarer Zeit scheint sogar der Sprung zum Erdölexporteuer möglich.

Notenbank als Aktionär

Schon seit Langem hält sich das Gerücht, dass Notenbanken auch vermehrt am Aktienmarkt engagiert sind. Es scheint sich jedoch etwas wahres dran zu sein, wie eine Studie der „Official Monetary and Financial Institutions Forum“ (OMFIF) zeigt. Demnach würden Notenbanken rund um die Welt Aktien zukaufen. Staatliche Aktionäre seien zu einer „globalen Macht an den internationalen Kapitalmärkten“ geworden, heißt es in der Mitteilung dazu. Für die Studie wurden Wertpapierinvestments durch 400 öffentliche Institutionen in 162 Ländern im Volumen von 29 Mrd. US-Dollar analysiert. Insgesamt würden die Notenbanken derzeit rund 45% der weltweiten Aktienkapitalisierung halten. Das ist für freie Aktionäre natürlich erst einmal eine positive Nachricht, denn es zeigt, dass Aktien die einzige Alternative am Kapitalmarkt sind, wenn man eine ordentliche Rendite anstrebt. Andererseits ist es natürlich mehr als fraglich, wenn die Kontrolleure der Märkte und des Geldes sich nun plötzlich ins Geschehen einmischen. Kleine Staaten wie Hongkong oder Singapur hatten dies bereits in den 1990ern praktiziert und panikartige Verkäufe aufgefangen. Allerdings ging es damals um eine befristete Aktion. Da höhere Zinsen aber kaum in Sicht sind, stellt sich schon die Frage, ob man Notenbanken und ihr Verhalten künftig als wichtigen Player an den Märkten berücksichtigen muss.

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Bild: Martin Kolb / Pixelio.de
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