Sonntag , 27 Oktober 2019
Aktie der Woche: WCM – Ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte

Aktie der Woche: WCM – Ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte

 Im Jahre 1766 gründete Johann Heinrich von Schüle die Württembergische Cattunmanufactur, die unter dem Kürzel WCM berühmt wurde. Anfangs ging es um Tuche und Stoffe, die man damals Bunte Cattun nannte. 90 Jahre nach der Gründung wurde WCM zu einer Aktiengesellschaft. Zur Zeit der Nazi-Herrschaft kam das Unternehmen unter das Dach der I.G. Farben. Nach dem Krieg war die Geschichte passé, nun ging es um Immobilien. Um die Jahrtausendwende wurde man fast zu einem DAX-Mitglied, dass nach der Commerzbank griff und ein großes Beteiligungsportfolio aufgebaut hatte. Die Übernahme scheiterte, die WCM wurde insolvent. Am morgigen Donnerstag wird sie wieder das Licht der Börsenöffentlichkeit betreten. Dann hält WCM die Hauptversammlung in Frankfurt ab. Von den rund 26.000 Aktionären dürften wohl mehrere hundert vor Ort sein.

Ehlerding schwingt wieder das Zepter

Mit dabei ist wieder Karl Ehlerding, der die Gesellschaft aus der Insolvenz führte und nun den Immobilienmarkt aufmischen will. Der Hamburger Kaufmann setzt dabei auf ein erfahrenes Management. Den Chefposten hat Stavros Efremidis übernommen. Der hatte vor einigen Jahren die Mehrheitsanteile der KWG Kommunale Wohnen an die conwert Immobilien verkauft. Nun soll sich der Manager um den Aufbau eines Gewerbeportfolios kümmern. Dazu wird erst einmal die Kasse gefüllt. Derzeit läuft eine Bar- und Sachkapitalerhöhung. So sollen rund 18,8 Mio. Euro in die Gesellschaft fließen. Außerdem wird Ehlerding durch eine Sachkapitalerhöhung eine Immobilie einbringen. Während die Barmaßnahme zu einem Kurs von 1,30 Euro erfolgt, erhält Ehlerding mit 2,70 Euro einen deutlich schlechteren Kurs. Sollte die Kapitalerhöhung nicht vollständig platziert werden, wird WCM dennoch über ausreichende Mittel verfügen können. Es gibt Zusagen über ein Nachrangdarlehen. Zudem hat CEO Efremidis eine verbindliche Zusage für nicht bezogene Anteile im Umfang von bis 2,3 Mio. Stück gegeben.

Attraktive Verlustvorträge

Zu verschenken gibt es aber auch bei der neuen WCM nichts. Denn die Gesellschaft besitzt einen steuerlich nutzbaren Verlustvortrag in Höhe von rund 500 Mio. Euro. Somit können mögliche Dividenden wohl auf Jahre hinaus steuerfrei ausgeschüttet werden. Die Steuerfreiheit gilt freilich nur solange, wie ein Anleger die Anteile hält. Insofern haben mögliche Ausschüttungen einen aufschiebenden Effekt für den Anleger.

Steuerfreie Dividende im Fokus

Eine regelmäßige Dividende schwebt auch Efremidis vor, wie er im Gespräch mit dem Investor Magazin sagte. Zum Start hat man sich vier Objekte einverleibt. Der Fokus liegt auf Gewerbeimmobilien (v.a. Büro und Handel) in Ballungszentren; es soll zügig ein Bestand aufgebaut werden. Weitere Transaktionen will Efremidis 2015 präsentieren. Ein Objektvolumen von 250 Mio. Euro halten wir bis Ende 2015 für realistisch. Mittelfristig schwebt dem Management 1 Mrd. Euro vor. Für Altinvestoren, die schon Jahre oder Jahrzehnte WCM-Aktien (1,42 Euro; DE000A1X3X33) halten, sind dies erst einmal positive Nachrichten. Allerdings dürften viele in den Hochzeiten der Aktie eingestiegen sein und auf Verlusten von 95% und mehr sitzen. Für Neuinvestoren ist der Titel durchaus eine Wette wert. So verfügen Ehlerding und Efremidis über hervorragende Kontakte im Immobiliengeschäft. In Zeiten des Booms ist das ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil. Zudem hat man Zugang zu den großen Playern am Markt, wie beispielsweise der deutschen Immobilientochter von General Electric (GE). Das Netzwerk und mögliche steuerfreie Dividenden sind derzeit das stärkste Argument für die WCM-Aktien. Hinzu kommt, dass auf absehbare Zeit eine günstige Refinanzierung aufgrund der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank möglich ist.

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Bild: Wikimedia Commons / Hombre

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