Samstag , 26 Oktober 2019
Alno: Gelingt (endlich) der Turnaround?

Alno: Gelingt (endlich) der Turnaround?

Seinen 85. Geburtstag durfte der Küchenhersteller Alno im vergangenen Jahr feiern. Doch gute Stimmung dürfte bei den Pfullendorfern kaum aufgekommen sein, denn der Konzern schrammte in den vergangenen Jahren stets knapp an der Pleite vorbei. So verbuchte man in den letzten fünf Geschäftsjahren kumulierte Verluste über mehr als 100 Mio. Euro. Ende 2011 wies Alno ein negatives Eigenkapital von 73,3 Mio. Euro aus. Damit ist man als Unternehmen faktisch tot. Doch dem zweitgrößten Küchenhersteller Deutschlands gelang die Wiederauferstehung. Dank Kapitalmaßnahmen (Anleihe, Kapitalerhöhung) und Einsparprogrammen sieht es so aus, als wenn Alno eine Zukunft hat. Dafür mitverantwortlich ist Vorstandschef Max Müller, der selbst Millionen in das Unternehmen investierte. Im August kaufte der umstrittene CEO zudem 200.000 Papiere über den Markt hinzu.

Schwarze Zahlen statt steigende Umsätze

Inzwischen finden sich auch wieder Gründe für den Optimismus. Im ersten Halbjahr musste der Konzern zwar einen Umsatzrückgang wegen Preiserhöhungen auf 196,5 Mio. Euro akzeptieren (-15%), aber unterm Strich stand ein Plus von 60.000 Euro. Zwar ist das Eigenkapital immer noch negativ (-8,1 Mio. Euro), doch man scheint auf dem richtigen Weg zu sein. Zudem ist die Darlehensseite weitgehend geordnet. Finanzchefin Ipek Demirtaş sagte am Wochenende vor Investoren in Hamburg: „Wir sind jetzt dabei, die Bankenthemen abzuschließen.“

Übernahme vor der Tür

Die Wirtschaftsprüferin gab aber auch schon die künftige Marschroute vor. So werde man in diesem Herbst eine Pflichtwandelanleihe emittieren. Das Volumen für den Bond soll bei rund 40 Mio. Euro liegen. Mit dem Geld plant Alno eine Übernahme, offenbar wurde da bereits verhandelt. Damit könnte man endlich die problematischen Werke auslasten und die Kosten reduzieren. Das könnte der richtige Weg sein. Dazu kommt, dass Alno seine Expansion nach China und in die USA mit Luxusküchen für die Marke Wellmann im Projektgeschäft forcieren will. Allein in der Volksrepublik sind bis 2015 rund 100 Flagship-Stores geplant. Diese Strategie könnte funktionieren und das Traditionshaus wieder auf sichere Füße stellen. Dazu kommt: Sollte Alno durchhalten, könnte der Ausstieg von kleineren Herstellern aus dem Markt für etwas Entspannung an der Preisfront sorgen.

Spekulative Turnaround-Wette

Von diesem Optimismus ist aber bei der Alno-Aktie (1,13 Euro; DE0007788408) noch nicht viel zu spüren. Seit dem Frühjahr ist das Papier um rund ein Viertel gefallen. Nach der Kapitalerhöhung haben wohl einige Investoren Kasse gemacht. Inzwischen gibt es eine Bodenbildung. Eine fundamentale Bewertung ist aber kaum möglich. Immerhin kündigte Demirtaş an, dass man im nächsten Jahr die Verlustvorträge (ca. 50 Mio. Euro) aktivieren werde und das Eigenkapital so wieder in den positiven Bereich kommt. Das Papier ist eine hochspekulative Turnaround-Story. Geling die Platzierung der Wandelanleihe und die Übernahme ist viel Luft nach oben.

UNSERE HANDLUNGSEMPFEHLUNG FINDEN SIE IN AUSGABE 44

Bild: Alno AG
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