Sonntag , 27 Oktober 2019
Aktie der Woche: Centrotec fristet noch ein Börsen-Nischendasein

Aktie der Woche: Centrotec fristet noch ein Börsen-Nischendasein

Fast 25 Euro musste man im Jahr 2011 für eine Aktie von Centrotec Sustainable auf den Tisch legen. Damals aber gab es noch eine Art Boom im Solarbereich, zudem hatten die Investoren wohl einen japanischen Atomkraft-Unfall im Hinterkopf. Während viele deutsche Solarfirmen inzwischen vom Kurszettel verschwunden sind oder als Penny-Stock dahinvegetieren, hat es sich Centrotec in der Börsennische gemütlich gemacht. Das liegt zum einen daran, dass Solaranlagen immer nur ein kleiner Teil des Geschäfts der Sauerländer waren und sind. Und zum anderen daran, dass das Unternehmen mit der bekannten Wolf Heiztechnik ein sehr solides Standbein hat.

Negative Sondereffekte sorgten für schwaches 2014

Insofern ist Centrotec auch kein Solar-Unternehmen, sondern ein Spezialist für Haus- und Klimatechnik. Das Hauptgeschäft machen die Briloner mit Öl- und Gasheizungen. Hinzu kommen Wärmepumpen, Solaranlagen, Biomasse- und Blockheizkraftwerke. Etwa zwei Drittel des Umsatzes kommt von Wolf Heiztechnik. Mit dieser Aufstellung nahm Centrotec im vergangenen Jahr 531 Mio. Euro ein. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (-13,2% auf 31 Mio. Euro) und dem Gewinn je Aktie (-29% auf 1 Euro) musste man aber herbe Rückgänge hinnehmen. Neben höheren Abschreibungen war hierfür eine teure Personalie verantwortlich: Vorstand Gert-Jan Huismann musste aufgrund von „strategischen Differenzen“ gehen (Effekt ca. 1 Mio. Euro). Nicht zu vergessen: das Stammgeschäft mit Heizungen in Deutschland schwächelte.

2015 geht es wieder aufwärts

Doch dieses Jahr scheint man wieder in die Spur gefunden zu haben, wie die Zahlen zum ersten Halbjahr zeigen. So konnte man bis Ende Juni ein kleines Umsatzplus von 1,8% auf 248,5 Mio. Euro erwirtschaften. Die Marktentwicklung bezeichnet das Unternehmen inzwischen wieder als „stabil“, da das Wachstum im zweiten Quartal (+2,3%) von allen Segmenten getragen wurde. Und auch auf der Ergebnisseite sieht es wieder ganz anders aus: So verbesserte sich das EBIT um 50,7% auf 8,4 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie konnte auf 23 Eurocent fast verdoppelt werden. Zu berücksichtigen sind allerdings Währungsgewinne in Höhe von 1,4 Mio. Euro, die überwiegend im ersten Quartal anfielen.

Halbjahresbilanz überzeugt

Festzuhalten bleibt, dass es im Kerngeschäft aufwärts geht. Der Trend zeigt nach der Schwächephase sowohl in Deutschland als auch in den Auslandsmärkten – zuletzt hatte man in Kroatien einen Zukauf getätigt – wieder nach oben. Dazu kommt, dass Centrotrec Rückenwind aus der Politik erhält. Die will schließlich die Emission von Treibhausgasen bis 2020 kräftig reduzieren. Das größte Einsparpotenzial bietet sich bei Heizungen und dem Warmwasserverbrauch. Und genau hier hat Centrotec seine Stärken. Sollte sich die positive Entwicklung fortsetzen, dürfte sich der Know how-Vorteil in den nächsten Jahren auch in der Bilanz bemerkbar machen. Die kann sich übrigens sehen lassen. Die Eigenkapitalquote betrug zum Halbjahr satte 48,3%, die Netto-Finanzverbindlichkeiten sind mit 21 Mio. Euro überschaubar.

Bringen Sie einen langen Atem mit

Auch wenn viele Investoren Centrotec noch nicht wiederentdeckt haben, so sind die Analysten schon wieder optimistisch für den Titel. Im Konsens liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2016 bei knapp über 10 (Gewinn je Aktie: 1,32 Euro), die Dividendenrendite ist mit knapp 2% auch einen Blick wert. Die Aktie eignet sich allerdings nur für Investoren, die auch etwas Zeit mitbringen. Schnelle Kursgewinne wird es bei Centrotec sicher nicht geben. Angesichts der derzeit wackligen Börsen sollten interessierte Anleger sukzessive einsteigen.

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Bild: Centrotech Sustainable
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