Samstag , 26 Oktober 2019
Decheng Technology: Chinesen planen Börsengang in Frankfurt

Decheng Technology: Chinesen planen Börsengang in Frankfurt

“Wir wissen um die Vorurteile gegenüber chinesischen Unternehmen.“ Alexander Tietze von der Acon Aktienbank weiß, worauf er sich eingelassen hat. Die Investmentbank wagt mit Decheng Technology (ISIN: DE000A1YDDM9) den Börsengang eines Unternehmen aus dem Reich der Mitte in Deutschland. Zuletzt gab es immer wieder Skandale um diese Unternehmen, Bilanzen stimmten nicht, Vorstände waren plötzlich verschwunden. Dementsprechend ist das Vertrauen weitgehend dahin. Decheng spricht wohl deshalb nicht nur Investoren in Deutschland an, sondern auch in Madrid, Genf oder London. Das Listing wird dann im General Standard in Frankfurt stattfinden.

Um das Vertrauen der Anlegergemeinde zu gewinnen, hat sich Acon einiges einfallen lassen. So beträgt die Lock-Up-Frist, in der Altaktionäre keine Anteile verkaufen dürfen, insgesamt drei Jahre. Größter Anteilseigner ist mit 68,1% Gründer und Vorstandschef Xiaofang Zhu. Zudem haben sich weitere Investoren (Anteil: 13,66%) auf das lange Verkaufsverbot eingelassen. Daneben verzichten die bestehenden Anteilseigner für 2017 bis 2019 auf ihre Ausschüttungen.

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Da wären wir auch schon beim Thema. Decheng will sich als wachsender Dividendenwert am Markt positionieren. Das Unternehmen produziert für den Heimatmarkt Polyurethan-Harze, gehört aber bislang zu den mittelgroßen Playern. Die Abnehmer stammen vornehmlich aus der Textil– und Lederindustrie. Damit setzte man 2015 fast 70 Mio. Euro um, die EBIT-Marge lag bei erklecklichen 35%. Nun will sich Decheng mit Innovation im Bereich Gebäudedämmung neue Wachstumsmärkte erschließen. Deshalb habe man auch ein IPO in Deutschland angestrebt, so Finanzchef Guan „Rick“ Hoe. Denn hier sucht das Unternehmen Technik-Partner, um das eigene Know-how zu erhöhen. Erste größere Adressen sollen im Zuge der laufenden Roadshow bereits angebissen haben.

Für dieses Jahr rechnen die Analysten mit einem leichten Wachstum, 2017 soll der Gewinn bei einem Umsatz von dann rund 100 Mio. Euro auf 0,58 Euro je Aktie steigen. Das wäre auf Basis des bereits fixierten IPO-Preises ein KGV von nur 5. Insgesamt wollen die Chinesen 3 Mio. Aktien platzieren und so 10,5 Mio. Euro einsammeln. Neben der Investitionen ins Forschungsbudget (ca. 50%) soll das frische Kapital für Marketing (20%) und zur Erhöhung des Working Capitals (30%) verwendet werden. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 20. Juni. Die Aktie ist nur etwas für Spezialisten, die nach Direktinvestments in China suchen und dabei die Vorteile des Listings in Deutschland wahrnehmen wollen. Risikobewusste Investoren sollten sich die Aktie näher anschauen.

ABONNIEREN SIE KOSTENLOS DAS INVESTOR MAGAZIN

Bild: Redaktion
Nach oben scrollen