Samstag , 17 August 2019
Bastei Lübbe setzt aufs E-Business und China

Bastei Lübbe setzt aufs E-Business und China

Anfang Oktober ließ der Verlag Bastei Lübbe seine Aktien an der Börse notieren. Kurstechnisch ist seither wenig passiert, doch die Strategie wird so langsam vom Markt verstanden. So unterstrich Vorstandschef Thomas Schierack auf einem Investorentag in Köln die Bedeutung von elektronischen Inhalten und des Marktes China für die Zukunft des Hauses. So soll der Anteil von E-Books in Deutschland von 4% im Jahr 2012 auf rund 15% im Jahr 2016 steigen. An diesem Wachstum will das Traditionshaus partizipieren. Dazu wurden nennenswerte Investitionen in neue Mitarbeiter und die IT getätigt. Ein besonderes Augenmerk liegt offensichtlich im chinesischen Markt. Diesen will Bastei Lübbe mittels einer Kooperation in Hongkong bearbeiten. Dabei sollen eigene Inhalte, aber auch Content von Partnern über eine eigene Plattform vertrieben werden. Schierack setzt auf die eine Mrd. Smartphone-Besitzer im Reich der Mitte. Erste Versuche seien vielversprechend. Doch der Verlag könnte auch von der Lage auf der politischen Weltbühne profitieren. So würden US-Verlage derzeit nicht den Schritt nach China wagen. Allerdings könnte die IT-Vertriebsinfrastruktur von Bastei diesen einen Umweg dorthin bieten. Diese Umgehungsstrategie kennt man ja bereits aus den US-Geschäften mit dem Iran, die trotz Sanktionen weitergehen. Für Bastei könnte das zu einer größeren Produktpalette führen, wie Programmchef  Felix Rudloff gegenüber dem Investor Magazin sagte.

Bestseller-Autor soll für Stabilität sorgen

Davon könnte der Verlag auch hierzulande profitieren, in dem man von diesen US-Partnern Auslandsrechte für deren Autoren erhält. Daneben bestätigte Rudloff, dass man einen weiteren Bestseller-Autor an Land ziehen konnte. Den Namen wollte der Vorstand noch nicht nennen. Allerdings sollte der Deal für etwas mehr Stabilität in den Einnahmen sorgen. Die Abhängigkeit von Bestsellern der drei Top-Schreiber Ken Follett, Dan Brown und Jeff Kinney, die für zeitweise mehr als 10% des Umsatzes stehen, macht sich nämlich immer wieder bemerkbar. Laut CEO Schierack ist dank der gut gefüllten Kasse ein weiterer Zukauf möglich. Das Online-Geschäft der insolventen Weltbild-Gruppe, an dem man Interesse bekundet hatte, wird es aber wohl nicht, wie Schierack andeutete.

Starker Herbst und enger Freefloat

Die Bastei-Aktie (7,55 Euro; DE000A1X3YY0) ist angesichts der vielen neuen Möglichkeiten im E-Business sehr attraktiv. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 für das Geschäftsjahr 2014/15 (per 1.4.) reflektiert dies noch nicht. Daher bietet der Titel Chancen für langfristig orientierte Investoren mit einem Anlagehorizont von mehreren Jahren. Kurzfristig sollte der neue Bestseller-Autor und das bald erscheinende Buch von Ken Follett für einen starken Herbst sorgen. Ein Nachteil ist der geringe Freefloat der Aktie von offiziell 38,3%. Die Gründerfamilie Lübbe hält 61,7% der Anteile. Der echte Freefloat dürfte zudem etwas geringer sein, da viele Value-Investoren Anteile halten und kaum handeln.

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Bild: Bastei Lübbe
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