Sonntag , 12 Juli 2020

Ölpreis, ExxonMobil & Occidental Petroleum

Es herrscht Bürgerkrieg in der Ukraine, die IS ist auf dem Vormarsch im Irak und in der Tagesschau sieht man brennende Öltanks in Libyen. Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass jede dieser Krisen für sich alleingenommen den Ölpreis explodieren lassen könnte. Doch auch gebündelt ist das Gegenteil der Fall. Anfang der Woche markierte der Ölpreis ein 13-Monatstief. Auf den ersten Blick scheint dies wenig einleuchtend. Jedoch gibt es trotz der Krisen in den ölreichen Ländern laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA) ein Überangebot des braunen Goldes am Markt. Hierfür ist vor allem der Fracking-Boom in Nordamerika verantwortlich. Spekulative Anleger verstärken zusätzlich den Druck. Schon seit Wochen fallen die Longpositionen der Händler. Ende Juni lagen diese noch auf einem Rekordniveau, sind seitdem aber um 67% eingebrochen.

USA schließt zu Saudi-Arabien auf; Kanada kommt

Durch den anhaltenden Frackingboom importieren die Yankees weitaus weniger Öl als früher. Laut Prognosen der US-Energiebehörde könnte nächstes Jahr die tägliche Förderrate bereits die 9 Mio. Barrelmarke durchbrechen. Saudi-Arabien fördert täglich 11,5 Mio. Barrel und könnte in Kürze von den Amis eingeholt werden. Auch Kanada, wo die drittgrößten Ölreserven der Welt liegen, drängt auf den Markt. Zurzeit produziert das Land lediglich 3,5 Mio. Barrel am Tag, doch Experten halten eine Verdopplung in den kommenden Jahren für wahrscheinlich. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist nicht ob, sondern wann die OPEC die Förderquote senkt, um den Ölpreisverfall zu stoppen? Ein Ausbruch weit unter die Marke von 100 US-Dollar halten wir für äußerst unwahrscheinlich.

ExxonMobil weiter mit rückläufiger Produktion

Um 5,7% fiel die Tagesproduktion im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere außerhalb der Vereinigten Staaten hapert es bei ExxonMobil (99,49 US-Dollar; US30231G1022). Dennoch: finanziell lief es einigermaßen rund bei den Texanern. Um 28% stieg der Quartalsgewinn im Vergleich zu 2013 an, gegenüber dem ersten Quartal 2014 fiel er jedoch leicht. Der Gewinn je Aktie von 2,05 US-Dollar schlug allerdings die Erwartungen der Analysten, die mit 1,91 US-Dollar rechneten. Inwieweit der Energieriese von den Wirtschaftssanktionen gegen Russland betroffen sein wird, konnte selbst David Rosenthal, VP Investor Relations, während einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalszahlen nicht einschätzen. Trotz allem Wirbel haben ExxonMobil und der russische Partner Rosneft kürzlich gemeinsame Ölbohrungen in der Arktis aufgenommen. Die Texaner brauchen das Öl, die Russen das Know-How, um selbst in der Arktis aktiv zu werden. Die Hauptsorge in den kommenden Monaten wird es sein, die Produktion zu stabilisieren, der Ölpreis spielt nur eine untergeordnete Rolle. Seit Erstempfehlung Mitte Februar sind wir rund 7% im Plus.

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Occidental Petroleum – Unabhängigkeit von der OPEC

Um 8% auf 278.000 Barrel steigerte Occidental Petroleum (101,80 US-Dollar; US6745991058)die Ölproduktion in den USA im zweiten Quartal. Der Nettogewinn lag in Q2 bei 1,4 Mrd. US-Dollar oder 1,82 US-Dollar je Aktie (Q2 2013: 1,3 Mrd. bzw. 1,64 US-Dollar). In den letzten Monaten legte das Unternehmen verstärkt den Fokus auf die Ölförderung in Nordamerika. Bereits heute macht Öl 63% des Umsatzes aus, 61% davon werden in den USA erwirtschaftet. Das Geschäft mit Gas wird nach und nach zurückgefahren, ausgegliedert oder verkauft (siehe Artikel in Ausgabe 64). Durch den Einsatz neuer Technologien rechnet man außerdem mit massiven Kosteneinsparungen bei der nationalen Förderung. Alleine 900 Mio. US-Dollar wurden in Folge von Effizienzsteigerungen bereits eingespart. Dieses Kapital soll direkt in die Ausweitung der Produktion fließen. So plant OXY die Produktion jährlich um fünf bis acht Prozent zu steigern. Auch die Dividende soll mitwachsen. Aktuell liegt die Dividendenrendite bei soliden 2,8%. Seit Erstempfehlung liegen wir bei OXY 17% vorne.

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Bild: Wikimedia / Ahodges7

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