Samstag , 26 Oktober 2019
Aktie der Woche: Klöckner – Zwischen Hoffen und Bangen

Aktie der Woche: Klöckner – Zwischen Hoffen und Bangen

Seit Jahresanfang liegt die Aktie von Klöckner & Co. mit rund 10% im Minus. Das klingt nicht gerade spektakulär. Im Verlauf präsentierte sich das Papier des MDAX-Konzerns allerdings äußerst volatil. Zwischenzeitlich hätten Anleger fast 30% Rendite einfahren können, doch auf die Bergfahrt folgte auch eine Talfahrt. Nach dem September-Hoch haben die Duisburger mehr als ein Fünftel des Börsenwerts verloren. Getrieben waren die Abverkäufe nicht nur von der generellen Marktkorrektur, sondern vor allem von den Sorgen um die Weltwirtschaft. Läuft die Konjunktur, dann laufen auch Stahlaktien, heißt es auf dem Parkett. Und umgekehrt gilt dies genauso. Vorstandschef Gisbert Rühl beschleunigte mit negativen Aussagen zuletzt noch den Abwärtstrend: „Wir stellen seit Mitte September einen Stimmungsumschwung in der Wirtschaft fest“, sagte der CEO gegenüber dem Wall Street Journal. Mitverantwortlich sei unter anderem die Krise in der Ukraine und die anhaltende Schwäche in den Euroländern. Ob die Stahlnachfrage in diesem Jahr wie einst von Klöckner erwartet um 2% zulegen wird, darf nun bezweifelt werden. Zumal auch die österreichischen Branchenkollegen von Voestalpine zuletzt mit negativen Aussagen zum Markt für Schlagzeilen sorgten.

Sorgt die EZB für die Wende?

Maßgeblich für die Branche ist die Stimmung. Und da gab es nun wieder Aufheller. Chinas Wirtschaft ist beispielsweise nicht ganz so schlecht durch das dritte Quartal gekommen, wie Pessimisten befürchteten. Auch der US-Markt ist vergleichsweise robust. Dazu kommt: die Europäische Zentralmarkt (EZB) hat eindeutige Signale gegeben, dass sie die Märkte weiter und möglicherweise noch stärker stimulieren wolle. Das könnte zumindest kurz- bis mittelfristig auch der Klöckner-Aktie helfen. Denn immer wenn die Geldpolitik auf (noch mehr) Expansion schaltet, sind zyklische Titel gefragt.

Restrukturierung zeigt Wirkung

Immerhin kann man sich auf Klöckner selbst verlassen. Das Unternehmen hat sich der seit Jahren anhaltenden Nachfrageflaute angepasst. Mehrere Restrukturierungsprogramme zog das Management durch. Das jüngste, KCO 6.0 genannt, wird bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Dann wird die Kostenbasis noch einmal niedriger sein, was sich vor allem 2015 bemerkbar machen dürfte. Doch auch in diesem Jahr wurden erste Früchte dieser Programme geerntet. Trotz der Einsparungen und des Verzichts auf niedrigmargiges Geschäft konnten die Duisburger ein Absatzplus für das erste Halbjahr vermelden. Die verkaufte Menge stieg leicht um 0,5% auf 3,4 Mio. Tonnen. Beim Umsatz machten sich die gefallenen Stahlpreise und ein schwacher US-Dollar bemerkbar, die Einnahmen sanken um 2,1% auf 3,3 Mrd. Euro. Allerdings sollte der Währungseffekt nun Klöckner in die Karten spielen. Der US-Dollar hat in den vergangenen Monaten signifikant gegenüber dem Euro zugelegt. Wie sehr sich diese Entwicklung in den Zahlen niedergeschlagen hat, wird man am 6. November sehen, wenn die Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt werden. Dann sollte Klöckner auch die Verbesserung bei der Rohertragsmarge (zuletzt von 18,3% auf 19,3%) bestätigen.

Gemischtes Bild bei Analysten

Die Analysten zeigten zuletzt ein gemischtes Bild. Manche stuften den Titel auf „Halten“ oder gar „Verkaufen“ ab. Dennoch sollte Klöckner die Erwartungen erfüllen können. Alles in allem sprechen der starke US-Dollar, die jüngste Korrektur und der mögliche Stimmungswechsel an den Märkten wieder für die Aktie. Bis Jahresende sollte das Papier wieder das Niveau des September-Hochs erreichen können, wenn es bei der Vorlage der Quartalszahlen nicht zu negativen Überraschungen kommt.

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Bild: Klöckner & Co.
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