Dienstag , 15 Oktober 2019
Kupfer, Nickel: Industriemetalle unter Druck – Abwarten oder Investieren?

Kupfer, Nickel: Industriemetalle unter Druck – Abwarten oder Investieren?

Rohstoff-Anleger und speziell Investoren in Basis- bzw. Industriemetallen brauchen seit Längerem gute Nerven und vor allem Durchhaltevermögen. Gerade in den vergangenen Wochen und Tagen hat sich bei einigen Metallen der Abwärtstrend sogar nochmals deutlich beschleunigt, wie bei Nickel oder Kupfer.

Dieser Preisverfall hat momentan gleich mehrere Ursachen. Generell belastet der starke US-Dollar die Industriemetalle, für Käufer in anderen Währungen werden sie teuer, die Nachfrage sinkt. Zudem hängen die Industriemetalle – wie der Name bereits eindeutig verrät – an der Industrie und hier waren die Aussichten zuletzt teilweise nur noch verhalten optimistisch, schwächere Wirtschaftsdaten einer ganzen Reihe von Staaten drückten auf die Stimmung. Speziell befürchtet der Markt offensichtlich, dass der chinesische Drache in nächster Zeit nicht mehr so laut nach diversen Industriemetallen wie Nickel oder Kupfer brüllen könnte. Bei letzterem Metall macht die chinesische Nachfrage allein rund 40 Prozent des gesamten Weltmarktes aus. Spekulative Anleger und Fonds könnten zudem in den letzten Tagen dazu beigetragen haben, dass sich der aktuelle Preisverfall bei oben genannten Metallen sogar noch beschleunigt hat, indem sie ihre Netto-Long-Positionen innerhalb der vergangenen zwei bis drei Wochen fast halbiert haben.

Die Stimmung ist schlecht. Also eigentlich ein guter Zeitpunkt schrittweise erste kleinere Positionen aufzubauen? Durchaus, denn bei den Industriemetallen spiegelt die derzeitige schwache Preisentwicklung nicht immer die jeweilige fundamentale Situation wider! Antizyklisch handeln ist oft der richtige Weg, um an der Börse zu agieren; der aktuelle Markt bietet hier definitiv Chancen. Sicherlich werden Sie nicht zu den absoluten Tiefstpreisen zum Zuge kommen, aber bei Rohstoffen sollte man immer einen mindestens mittelfristigen Anlagehorizont mitbringen und falls dies der Fall ist, ist das aktuelle Preisniveau speziell bei Kupfer und Nickel durchaus interessant!

Kupfer notiert momentan mit rund 6.590 USD je Tonne nahe dem absolutem Jahrestief von Mitte März und knapp 10% unter den Jahreshöchstkursen bzw. rund 35% unter dem Höchstkurs aus dem Jahr 2011. Zwar entstanden in jüngster Zeit neue Kupfer-Minen in Chile und Peru, dennoch steigt die globale Nachfrage vor allem aus China stärker als das Angebot. Der Markt reflektiert dies noch nicht, eine Bodenbildung rund um das derzeitige Level oder nur geringfügig tiefer ist jedoch wahrscheinlich. Der 6-Monats-Chart zeigt, dass im Bereich der Tiefststände vom Juni, an denen wir uns momentan auch nahezu befinden, eine Bodenbildung stattfinden könnte und ein Turnaround eingeleitet werden sollte. Noch eindrucksvoller beweist dies der langfristige 5-Jahres-Chart: Hier erkennt man, dass sich der Kupferpreis in einer Art Wendezone befindet, in dem die Trendumkehr bzw. der Abprall nach oben schon sechsmal gelungen ist. Von fundamentaler Seite geben überraschend positive Konjunkturdaten aus China Grund zur Hoffnung auf einen erneuten Preisanstieg bei Kupfer.

Mindestens ebenso interessant ist die derzeitige Ausgangslage bei Nickel. Seit Anfang September ist der Nickelpreis massiv eingebrochen und verlor innerhalb nur sechs Wochen rund 22%, seit dem Hoch im Mai diesen Jahres sogar knapp 28%! Anfang des Jahres bis Mitte Mai wurde der Nickel-Kurs noch von einem Hoch zum anderen getrieben und verteuerte sich innerhalb von nur viereinhalb Monaten von rund 13.360 USD je Tonne auf bis zu 21.200 USD in der Spitze, ein Preisanstieg von knapp 60 Prozent! Grund für diese Kursrally war hauptsächlich das plötzliche Exportverbot der indonesischen Regierung für Nickelerze, die Angst vor Lieferengpässen ließ den Preis regelrecht explodieren.

Aktuell kostet eine Tonne Nickel nur noch rund 15.300 USD. Warum also dieser massive Preisverfall? Nun, die Gründe hierfür sind ähnlich wie schon bei Kupfer beschrieben. Zudem waren bei Nickel die Vorräte zwischenzeitlich sehr stark gestiegen. Anfang Oktober lagen diese bei rund 360.000 Tonnen, 37 Prozent höher als noch zu Jahresbeginn.

Die Angst vor einem gleichzeitigen Nachfragerückgang ließ viele Marktteilnehmer zurückhaltend agieren. Dennoch, viele Experten sehen hier momentan eine massive Übertreibung nach unten, zumal das konjunkturelle Bild so düster nicht ist. Zudem haben kürzlich die Philippinen angekündigt, ein ähnliches Exportverbot wie Indonesien für unbehandelte Metallerze einzuführen. Zwar soll dies laut dem philippinischen Kongress mit einer fünfjährigen Aufschubzeit passieren, um ein ähnlich panikartiges Szenario beim Nickelpreis wie nach dem Indonesien-Bann zu vermeiden. Dennoch bedeutet dies langfristig eine erneute massive Verknappung, sind die Philippinen doch China`s Haupt-Nickel-Lieferant.

Es bieten sich momentan also durchaus interessante Chancen bei den Industriemetallen, bei Nickel und Kupfer im Besonderen. Dennoch, mutige Anleger sollten einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont mitbringen, aber in Punkto Nerven und Durchhaltevermögen sind Rohstoff-Anleger mittlerweile ja durchaus belastbar.

 

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Bild: Wikimedia / Ra'ike

 

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