Sonntag , 27 Oktober 2019
Steico: Nicht nur die Zahlen überzeugen

Steico: Nicht nur die Zahlen überzeugen

So richtig viel Musik ist in diesem Jahr in der Aktie von Steico (6,90 Euro; DE000A0LR936) nicht drin. Die Handelsumsätze liegen deutlich unter dem Vorjahr, und überhaupt hat das Papier seit seinem Januarhoch rund ein Siebtel an Wert eingebüßt. Dabei bringt es der Spezialist für Holzfaser-Dämmstoffe auf einen Börsenwert von rund 90 Mio. Euro. Und auch die Halbjahreszahlen lassen wieder aufhorchen.

Halbjahreszahlen überzeugen

So konnte Steico die Umsatzeinnahmen von Januar bis Ende Juni um 15,4% auf 87,2 Mio. Euro erhöhen. Auch die Margen überzeugen uns: Auf EBIT-Ebene, also vor Zinsen und Steuern, wurden 5,7 Mio. Euro (+42,5%) verdient. Die EBIT-Marge konnte somit deutlich von 5,3% auf 6,6% verbessert werden. Uns gefällt darüber hinaus auch die Bilanz mit einer Eigenkapitalquote von stolzen 62,5%. Dabei betont das Unternehmen im Halbjahresbericht, dass die guten Ergebnisse trotz eines schwierigen Umfeldes erreicht wurden. Während die gute Baukonjunktur in Deutschland und Großbritannien das Geschäft unterstützt, sieht es in Skandinavien sowie in Frankreich und Italien schlechter aus. Dort schwächelt der Immobiliensektor immer noch. Zudem belasten Überkapazitäten und fallende Preise die Märkte.

Keine Kapitalerhöhung

Allerdings gab es zuletzt immer wieder Gerüchte, dass bei Steico eine Kapitalerhöhung ansteht. Dies könnte zumindest teilweise die unbefriedigende Entwicklung des Aktienkurses erklären. Diese Sorge dürfte aber nun vom Tisch sein. Das Management hatte schon Anfang Juli mitgeteilt, dass man zur strategischen Finanzierung einen Konsortialkreditvertrag unterzeichnet hat. Zum Bankenkonsortium gehören die Deutschen Bank, die  Commerzbank, HSBC Trinkaus & Burkhardt, die Landesbank Baden-Württemberg sowie die UniCredit. Die gesunde Bilanz dürfte eine günstige Refinanzierung ermöglicht haben, das betonte auch das Unternehmen. Mit dem Darlehen will Steico das eigene Geschäft ausbauen. Das Finanzierungspaket setzt sich aus zwei Investitionstranchen zur Finanzierung der neuen Produktionsanlagen für Furnierschichtholz (LVL) sowie für Holzfaser-Dämmstoffe aus dem Nassverfahren zusammen. Letztere Anlage soll noch dieses Jahr in Betrieb genommen werden. Ende kommenden Jahres soll dann die Anlage für Furnierschichtholz folgen. Im Rahmen der Konsortialvereinbarung ist dem Unternehmen auch eine Neustrukturierung der vorhandenen Konzernfinanzierung „im Sinne einer strategischen Optimierung der Finanzierungsstruktur und -kosten“ gelungen, wie Steico mitteilte.

Attraktive Bewertung

Die Aktie sollte in den nächsten Monaten von dieser Klärung profitieren. Daneben aber spricht auch die Bewertung für ein Investment. So liegt das 2015er Kurs-Gewinn-Verhältnis bei moderaten 12. Auch die Dividendenrendite von rund 1,9% ist nicht zu vernachlässigen. Daneben spricht auch das Enterprise Value (EV) für den Titel: Dieses beträgt lediglich rund das fünffache des EBITDA. Firmenkäufer würden bei solchen Relationen normalerweise mit den Hufen scharren. Doch ganz so einfach ist die Lage bei Steico nicht. Vorstandschef und Gründer Udo Schramek hält immer noch 67,5% der Anteile. Er geht übrigens davon aus, dass man bei EBITDA und EBIT in diesem Jahr jeweils um 10% zulegen kann. Das erscheint konservativ, wenn man die Entwicklungen der vergangenen Jahre verfolgt und einen Blick auf die wenigen Analystenstudien zu dem Titel wirft. So rechnet man mit einem stärkeren Wachstum und sieht den Umsatz bei 172 Mio. Euro. Beim Nettogewinn werden 2014 fast 6 Mio. Euro erwartet, 2015 soll dieser Wert auf 7,6 Mio. Euro steigen.

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Bild: Steico
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